| |
|
|
 |
|
 |
Wenn die Nase läuft, aber die Beine laufen wollen - Joggen mit Pollenallergie |
| |
Wenn die Nase läuft, aber die
Beine laufen wollen
Joggen mit Pollenallergie: So gelingt das Training trotz Heuschnupfen
Die ersten warmen
Sonnenstrahlen des Jahres haben eine magische Wirkung auf Läufer. Nach Monaten
mit grauem Himmel, Regen und Kälte zieht es viele wieder häufiger nach draußen.
Die Luft riecht nach Frühling, die Parks füllen sich, und die Laufschuhe stehen
wieder griffbereit an der Tür. Die Tage werden länger, die Temperaturen
angenehmer, und die Motivation steigt von selbst.
Doch für Millionen Menschen
beginnt mit dieser Jahreszeit auch eine andere Saison: die Pollensaison.
Niesattacken, juckende Augen und eine laufende Nase gehören für viele Läufer
plötzlich zum Trainingsalltag. Die Frage stellt sich jedes Frühjahr aufs Neue:
Ist Joggen mit Pollenallergie überhaupt sinnvoll oder sollte man besser
pausieren?
Die gute Nachricht lautet: Auch
mit Heuschnupfen kann das Lauftraining grundsätzlich fortgesetzt werden. Mit der
richtigen Strategie lässt sich das Training meist problemlos fortsetzen.
Entscheidend ist, den eigenen Körper zu beobachten, die äußeren Bedingungen zu
berücksichtigen und das Training flexibel zu gestalten.
Frühling ist der eigentliche Beginn der Heuschnupfensaison
Viele Menschen verbinden
Heuschnupfen vor allem mit dem Sommer. Tatsächlich beginnt die Pollensaison in
Mitteleuropa jedoch deutlich früher. Schon im späten Winter starten die ersten
Bäume mit ihrer Blüte.
Zu den wichtigsten Frühblühern
gehören Hasel und Erle, deren Pollen oft bereits im Februar in der Luft liegen.
Im März und April folgt die Birke, die zu den stärksten Allergieauslösern
Europas zählt. Gerade in dieser Zeit berichten viele Allergiker über besonders
intensive Symptome.
Erst danach beginnt die Phase
der Gräserpollen, die von Mai bis in den Hochsommer hinein reichen kann. Im
Spätsommer kommen schließlich Kräuterpollen wie Beifuß oder Ambrosia hinzu.
Für Läufer bedeutet das: Mit
den ersten warmen Trainingstagen im Frühjahr beginnt oft auch die Pollensaison,
die einen großen Teil der Laufsaison begleitet. Wer betroffen ist, muss das
Training deshalb nicht einstellen, sollte es jedoch bewusst planen.
Warum Bewegung bei Heuschnupfen sogar helfen kann
Viele Allergiker vermeiden
Sport im Freien, weil sie befürchten, ihre Symptome zu verschlimmern.
Tatsächlich zeigt die Sportmedizin jedoch ein anderes Bild. Regelmäßige Bewegung
stärkt die Atemmuskulatur und verbessert die Lungenfunktion. Gerade
Ausdauersportarten wie Joggen können daher dazu beitragen, die Atmung
effizienter zu machen.
Beim Laufen wird die
Durchblutung des gesamten Körpers verbessert. Auch die Schleimhäute der Atemwege
profitieren davon. Ein moderates Training kann helfen, die Atemwege freier zu
halten und die allgemeine Belastbarkeit zu erhöhen.
Außerdem stärkt regelmäßiges
Ausdauertraining das Immunsystem und fördert die allgemeine Fitness. Experten
betonen deshalb, dass eine Pollenallergie kein Grund ist, auf Sport zu
verzichten. Entscheidend ist lediglich, Intensität und Trainingsbedingungen an
die aktuelle Pollensituation anzupassen.
Gleichzeitig gilt jedoch: Wer
zu hart trainiert, atmet mehr Luft und damit auch mehr Pollen ein. Diese
gelangen tiefer in die Atemwege und können Symptome verstärken. Deshalb kann es
sinnvoll sein, die Trainingsintensität während der Pollensaison anzupassen und
eher ruhigere Einheiten zu wählen.
Der richtige Zeitpunkt macht den Unterschied
Für Allergiker kann bereits die
Wahl der Trainingszeit entscheidend sein.
Die Konzentration vieler Pollen
ist am Vormittag besonders hoch, sobald die Morgentaufeuchtigkeit verdunstet.
Besonders an trockenen und sonnigen Tagen steigt die Belastung im Laufe des
Tages deutlich an.
Am Abend oder direkt nach einem
Regenschauer ist die Pollenkonzentration häufig deutlich geringer. Regen wäscht
einen großen Teil der Pollen aus der Luft und sorgt kurzfristig für bessere
Bedingungen.
Auch das Wetter spielt eine
Rolle.
- Trocken und windig: häufig
hohe Pollenkonzentration
- Nach Regen: Pollen werden aus der Luft gewaschen
- Windstille Tage: meist geringere Belastung
An Tagen mit besonders starkem
Pollenflug kann es sinnvoll sein, das Training nach innen zu verlegen oder
alternativ zu schwimmen oder Rad zu fahren.
Der Blick auf den Pollenflug
gehört zur Trainingsplanung
Für viele Allergiker gehört
deshalb ein kurzer Blick auf die Pollenprognose inzwischen zur Trainingsroutine.
Nicht selten werden Laufeinheiten bewusst auf den Abend gelegt oder direkt nach
einem Regenschauer gestartet, wenn die Belastung in der Luft deutlich geringer
ist.
Viele Läufer prüfen Wetter,
Temperatur und Wind. Allergiker sollten zusätzlich den Pollenflugindex im Auge
behalten. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht täglich Prognosen für
verschiedene Pollenarten.
Moderne Wetter-Apps zeigen oft
sehr genau, welche Pollen aktuell unterwegs sind. Wer seine persönlichen
Auslöser kennt, kann das Training gezielt planen.
Besonders relevant sind in
Mitteleuropa drei Hauptphasen:
* Baumpollen: etwa Februar bis
Mai
* Gräserpollen: etwa Mai bis Juli
* Kräuterpollen: etwa Juli bis September
Durch diese Planung lassen sich
starke Belastungstage oft vermeiden. Viele Läufer entwickeln im Laufe der Zeit
ein gutes Gefühl dafür, wann eine Trainingseinheit draußen angenehm ist und wann
eine Alternative sinnvoller wäre.
Praktische Tipps für Läufer mit
Pollenallergie
Im Trainingsalltag geht es vor
allem darum, die Belastung pragmatisch anzupassen. Statt harter Intervalle oder
Tempoläufe können in Zeiten mit starkem Pollenflug ruhige Dauerläufe oder
lockere regenerative Einheiten die bessere Wahl sein.
Mit ein paar einfachen
Maßnahmen wird das Training deutlich angenehmer.
| |
1. Tempo reduzieren
Bei starkem Pollenflug empfiehlt sich lockeres Ausdauertraining statt
intensiver Intervalle. Ein ruhiger Dauerlauf belastet die Atemwege
weniger stark.
2. Die Strecke klug wählen
Wälder und Wiesen mit starkem Blütenaufkommen können problematisch sein.
Wege entlang von Gewässern oder asphaltierte Strecken in der Stadt sind
oft pollenärmer.
3. Nach dem Lauf duschen
Pollen setzen sich in Haaren und Kleidung fest. Eine Dusche nach dem
Training reduziert die Belastung erheblich.
4. Kleidung direkt wechseln
Trainingskleidung sollte nicht im Schlafzimmer landen, damit Pollen
nicht in die Wohnung getragen werden.
5. Ausreichend trinken
Genug Flüssigkeit hilft, die Schleimhäute feucht zu halten und Reizungen
zu reduzieren.
6. Medikamente sinnvoll einsetzen
Antihistaminika oder Nasensprays können Symptome reduzieren. Wichtig ist
eine ärztliche Empfehlung und die richtige Anwendung. |
Welche Laufumgebung für Allergiker am besten geeignet ist
Nicht jede Laufstrecke ist während der Pollensaison gleich gut geeignet.
Besonders problematisch sind Wege entlang großer Wiesenflächen oder durch
blühende Felder. Dort ist die Pollenkonzentration oft deutlich höher.
Städtische Laufstrecken können überraschend vorteilhaft sein. Asphaltierte Wege
und Straßen enthalten meist weniger blühende Pflanzen. Auch Strecken entlang von
Flüssen oder Seen gelten häufig als pollenärmer, weil Wasserflächen Pollen
binden.
Wälder sind ein Sonderfall. Während der Baumblüte können sie stark belastet
sein. Nach dieser Phase sind Waldwege jedoch häufig sogar angenehmer als offene
Landschaften. Zudem sorgen Bäume für Schatten und ein angenehmeres Mikroklima.
Können Masken oder Brillen helfen?
Einige Allergiker nutzen beim Training eine Sportbrille. Sie kann verhindern,
dass Pollen direkt in die Augen gelangen und reduziert damit Juckreiz und
Tränenfluss.
Auch spezielle Filtermasken werden gelegentlich empfohlen. Für intensives
Lauftraining sind sie jedoch meist ungeeignet, weil sie die Atmung erschweren.
Sie können eher bei Spaziergängen oder lockeren Läufen sinnvoll sein.
In manchen Fällen kann auch eine Nasenspülung nach dem Training helfen. Dabei
werden Pollen aus den Schleimhäuten gespült, was die Symptome deutlich
reduzieren kann.
Wann Allergiker besser pausieren sollten
Trotz aller Möglichkeiten gibt es Situationen, in denen eine Trainingspause
sinnvoll ist.
Wenn zusätzlich Atemnot, starkes Husten oder pfeifende Atmung auftreten, kann
sich aus einer Pollenallergie ein allergisches Asthma entwickeln. In diesem Fall
sollte die Belastung sofort reduziert und ärztlicher Rat eingeholt werden.
Auch bei extrem hoher Pollenkonzentration kann ein alternativer Trainingstag die
bessere Entscheidung sein. Indoortraining, Krafttraining oder eine
Schwimmeinheit können dann eine gute Alternative darstellen.
|
Frühling bleibt Laufsaison - und
weckt wieder die Lust aufs Laufen
Die Pollensaison kann Läufern das Training erschweren. Sie muss jedoch kein
Hindernis sein. Wer seinen Körper kennt, den Pollenflug beobachtet und das
Training flexibel anpasst, kann auch mit Heuschnupfen regelmäßig laufen.
Vielleicht bedeutet das im Frühling ein paar Anpassungen: ein ruhiger Dauerlauf
am Abend statt eines Intervalltrainings am Morgen oder eine spontane Runde nach
einem Frühlingsregen.
Doch genau das macht das Laufen aus. Man passt sich der Natur an.
Und manchmal bedeutet das eben: erst niesen, dann loslaufen. |
__________________________________
Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
|
|
|
|
 |
|