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Ultra Caballo Blanco - Das wildeste Rennen der Welt
 
 
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27.03.2026  

 
 

 
Ultra Caballo Blanco - Das wildeste Rennen der Welt

 
Es gibt Rennen, die messen Zeiten. Und es gibt Rennen, die das Verständnis vom Laufen verändern.
 
Der Ultra Caballo Blanco gehört zur zweiten Kategorie.
 
Tief unten in der Kupferschlucht im Norden Mexikos, dort, wo Straßen enden und Wege zu Geschichten werden, treffen sich einmal im Jahr Läufer aus aller Welt. Schon die Anreise ist Teil des Abenteuers. Stundenlange Fahrten über Schotterpisten, Hitze, Staub, Abgeschiedenheit. Wer hier startet, lässt die Komfortzone weit hinter sich.
 
Die Teilnehmer kommen nicht nur, um rund 80 Kilometer durch staubige Canyons zu laufen. Sie kommen, um etwas zu erleben, das im modernen Laufsport selten geworden ist: den ursprünglichen Sinn des Laufens.
 
Genau darin liegt die Faszination dieses Rennens.

Ein Rennen, das aus einer Vision entstand
 
Die Geschichte beginnt mit Micah True, besser bekannt als Caballo Blanco. Der amerikanische Aussteiger lebte seit den 1990er Jahren bei den Rarámuri, einem indigenen Volk im Norden Mexikos.
 
Er suchte nicht nach Wettkämpfen, sondern nach einem anderen Leben. Und er fand es in den Schluchten der Sierra Tarahumara.
 
2003 organisierte er erstmals ein Rennen, das mehr sein sollte als ein Wettkampf. Ziel war es, zwei Welten zusammenzubringen: die moderne Ultralaufszene und eine jahrhundertealte Laufkultur.
 
Seine Idee war einfach und radikal zugleich: Laufen ohne große Inszenierung, ohne klassische Preisgelder und ohne klare Trennung zwischen Elite und Hobbyläufern.
 
Daraus entstand der Ultra Caballo Blanco, ein Ultramarathon über etwa 50 Meilen, der jährlich in Urique ausgetragen wird. Auch nach dem Tod von Caballo Blanco im Jahr 2012 lebt diese Vision weiter.
 
Ene Rarámuri-Läuferin auf den staubigen Trails der Kupferschlucht - dort, wo Laufen mehr ist als Sport

Die Rarámuri - Laufen als Lebensform

 
Wer dieses Rennen verstehen will, muss die Menschen verstehen, die es geprägt haben.
 
Die Rarámuri nennen sich selbst "die mit den leichten Füßen". Und dieser Name ist Programm.
 
Sie laufen oft in einfachen Sandalen, den Huaraches, über Distanzen, die selbst erfahrene Ultraläufer an ihre Grenzen bringen. Dabei wirken ihre Bewegungen leicht und effizient, ohne sichtbare Anstrengung.
 
Für sie ist Laufen kein Hobby. Es ist Alltag, Fortbewegung und kultureller Ausdruck zugleich. Kinder wachsen damit auf, Erwachsene legen so weite Strecken zurück. Wettkämpfe und Feste sind tief in der Tradition verankert.
 
Der Ultra Caballo Blanco macht diese Laufkultur sichtbar und gibt den Rarámuri eine Bühne für ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten.
 
Eine Strecke, die Respekt verlangt
 
Die Strecke ist nichts für Einsteiger.
 
Rund 80 Kilometer führen durch die spektakuläre, aber gnadenlose Landschaft der Sierra Tarahumara. Steile Anstiege wechseln sich mit langen Downhills ab. Der Untergrund ist oft lose, steinig und technisch anspruchsvoll.
 
Die Temperaturen können stark schwanken. Tagsüber wird es heiß, nachts kühl. Schatten ist selten.
 
Hinzu kommt die Höhe. Viele Abschnitte liegen deutlich über 1.000 Meter. Wer hier bestehen will, braucht mehr als nur Ausdauer. Trittsicherheit, Hitzeresistenz und mentale Stärke sind entscheidend.
 
Verpflegungspunkte sind vorhanden, aber deutlich einfacher organisiert als bei großen internationalen Events. Eigenverantwortung gehört hier dazu.

Mehr als ein Rennen
 
Dieses Rennen ist kein Event im klassischen Sinne.
 
Es ist ein Erlebnis, das sich über mehrere Tage erstreckt. Die Anreise gleicht einer Expedition, die Atmosphäre eher einem Treffen Gleichgesinnter als einem durchorganisierten Wettkampf.
 
Schon vor dem Start entstehen Begegnungen, die man so aus der Laufszene kaum kennt. Gespräche am Lagerfeuer, gemeinsames Essen, echter Austausch.
 
Profis laufen neben Einheimischen. Internationale Teilnehmer treffen auf Rarámuri, die scheinbar mühelos durch die Schluchten gleiten.
 
Siegerzeiten treten in den Hintergrund. Wichtiger ist das gemeinsame Erlebnis.
 
Ein zentraler Gedanke ist das Prinzip "kórima", das für Teilen und Gemeinschaft steht. Viele Teilnehmer bringen Lebensmittel oder Spenden mit, die den lokalen Gemeinschaften zugutekommen.
 
Dieser soziale Aspekt ist kein Zusatz, sondern Kern des Rennens.
 
Vom Geheimtipp zur Legende
 
Lange Zeit war dieses Rennen nur wenigen bekannt. Das änderte sich mit dem Buch "Born to Run". Die Geschichte über Caballo Blanco und die Rarámuri traf einen Nerv. Aus einem abgelegenen Rennen wurde ein Mythos. Läufer aus der ganzen Welt wollten selbst erleben, was dort beschrieben wurde.
 
Heute reisen Teilnehmer aus zahlreichen Ländern nach Mexiko. Die Aufmerksamkeit ist gewachsen, ebenso die Teilnehmerzahlen. Und dennoch hat sich der ursprüngliche Charakter erstaunlich gut erhalten. Keine überdimensionierten Startbögen, keine Event-Show, kein übertriebener Kommerz.
  
Zwischen Faszination und Realität
 
So beeindruckend die Geschichte ist, sie hat auch eine andere Seite.
 
Die Region ist strukturell schwach und immer wieder von Sicherheitsproblemen betroffen. In manchen Jahren musste das Rennen deshalb abgesagt oder verschoben werden. Auch die Lebensbedingungen der Rarámuri sind schwierig. Armut, fehlende Infrastruktur und gesellschaftlicher Wandel setzen ihrer traditionellen Lebensweise zu.
 
Das Rennen ist daher nicht nur ein sportliches Ereignis, sondern auch ein Versuch, Aufmerksamkeit zu schaffen und Unterstützung zu leisten. Für viele internationale Teilnehmer wird diese Realität erst vor Ort greifbar.
 
   
    Zurück zum Ursprung
 
Der Ultra Caballo Blanco ist kein gewöhnlicher Ultramarathon. Er ist rau, fordernd und organisatorisch anspruchsvoll. Genau das macht ihn so faszinierend. Wer hier an den Start geht, sucht selten nur eine Bestzeit. Es geht um Erfahrung, Begegnung und Perspektive.
 
Vielleicht ist es diese Mischung, die das Rennen so einzigartig macht. Die Verbindung aus Natur, Kultur und Bewegung.
 
Am Ende steht nicht die Frage nach der Zeit, sondern die Erkenntnis, warum man überhaupt läuft. Und genau deshalb bleibt der Ultra Caballo Blanco für viele nicht nur ein Rennen, sondern eine Geschichte, die weitergetragen wird.
 
ACHTUNG: Dieser Lauf ist kein "einfach anmelden und hinfahren"-Event. Wer dort starten will, muss früh planen, Reise und Unterkunft mitdenken, und sich bewusst sein, dass es eher Expedition als Wettkampf ist. Es gibt oft All-inklusive-Pakete, weil die Logistik komplex ist. Plätze sind begrenzt und häufig früh ausgebucht. (Anmeldung: www.ultrasignup.com)


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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln


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