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Baumanns Rekord fällt - Abdilaahi unter 27 Minuten über 10.000 Meter |
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Abdilaahi unter 27 Minuten über 10.000 Meter
Baumanns Rekord fällt
Es gibt Leistungen, die sind
mehr als nur Zahlen. Sie sind ein Signal. Ein Aufbruch. Was sich in einer warmen
Nacht im kalifornischen San Juan Capistrano abspielte, gehört genau in diese
Kategorie. Mohamed Abdilaahi hat die 10.000 Meter neu definiert. Für sich. Für
Deutschland.
Als Mohamed Abdilaahi die
Ziellinie überquert, bleibt die Uhr bei 26:56,58 Minuten stehen. Unter 27
Minuten. Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte. Damit unterbietet der
27-Jährige den fast 29 Jahre alten Rekord von Dieter Baumann deutlich, und das
nicht knapp, sondern um fast 25 Sekunden. Nach 29 Jahren ist damit Baumanns
Uralt-Rekord gefallen. Ein Lauf, der lange als unmöglich galt und nun Realität
ist. Besonders beeindruckend: Abdilaahi lief das Rennen nahezu konstant auf
Weltklasseniveau, ohne Einbruch auf den letzten Runden.
Die 10.000 Meter sind 25 Runden
am Limit. Weltklasse bedeutet hier etwa 27 Minuten Laufzeit. Unter dieser Marke
zu bleiben, heißt: konstant rund 64 Sekunden pro Runde. Das verlangt nicht nur
physische Stärke, sondern eine außergewöhnliche Kombination aus Ausdauer,
Effizienz und mentaler Kontrolle. Unter 27 Minuten läuft man nicht einfach. Man
wächst in dieses Niveau hinein.
Abdilaahis Entwicklung kam
nicht überraschend. Er hatte im Vorfeld selbst eine Zeit unter 27 Minuten
angepeilt und traf sie nahezu punktgenau. Deutscher Rekord über 5.000 Meter,
deutscher Rekord über 10 Kilometer auf der Straße, jetzt der nächste Schritt auf
der Bahn. Hinzu kommen Trainingslager auf höchstem Niveau und ein
internationales Umfeld, das genau auf solche Leistungen ausgerichtet ist. Dieser
Lauf war kein Zufall, sondern die logische Konsequenz einer konsequenten
Entwicklung. Bereits zuvor hatte er mit seinem deutschen Rekord über 10
Kilometer auf der Straße angedeutet, welches Potenzial in ihm steckt.
Deutschland war auf der
Langstrecke lange Zuschauer. Abdilaahi zeigt, dass wieder Anschluss an die
Weltspitze möglich ist. Er steht für eine neue Generation von Läufern, die
international denkt, professionell arbeitet und den Anspruch hat, vorne
mitzulaufen. Nicht irgendwann, sondern jetzt.
Eine Zeit unter 27 Minuten
bringt Abdilaahi in eine neue Liga. Doch bei Weltmeisterschaften zählen keine
Zeiten, sondern Platzierungen. Dort entscheiden Tempowechsel, Rennhärte und ein
starker letzter Kilometer. Die entscheidende Frage lautet daher: Kann er diese
Leistung auch unter taktischen Bedingungen abrufen?
26:56 Minuten sind mehr als ein
Rekord. Sie sind ein Signal. Dass Grenzen verschiebbar sind und dass eine neue
Generation bereit ist, sie zu verschieben. Vielleicht war dieser Lauf nicht der
Höhepunkt, sondern der Anfang.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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