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Überraschung in Hannover, Glanzlauf von Mayer |
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Maru Thomas
Kibet lief auf den letzten Kilometern noch ganz nach vorne |
Maru Thomas Kibet überrascht Hannover, Domenika Mayer schreibt das Rennen groß
Es gibt Marathontage, die
verlaufen nach Plan. Beim ADAC Marathon Hannover, in dessen Rahmen auch die
Deutschen Marathon-Meisterschaften entschieden wurden, schien vieles auf einen
klassischen Favoritentag hinzudeuten. Die Favoriten setzen sich durch, die
Schlagzeilen stehen fast schon vor dem Start fest. Und dann gibt es jene
Sonntage, an denen ein Rennen plötzlich eine andere Richtung nimmt, ein
Außenseiter alle Berechnungen sprengt und eine Topläuferin dem Tag trotzdem
ihren Stempel aufdrückt. Hannover 2026 war genau so ein Sonntag.
Auf den ersten Blick gehört die
Überraschung des Tages Maru Thomas Kibet. Der Kenianer gewann den ADAC Marathon
Hannover bei seinem ersten Start in Deutschland in 2:07:53 Stunden und
verbesserte seine persönliche Bestzeit damit um mehr als neun Minuten. Noch
wenige Kilometer vor dem Ziel sah es eher nach einem Sieg von Godwin Katakura
aus Simbabwe aus, doch Kibet drehte das Rennen noch und setzte sich vor Katakura
in 2:08:46 und Asnake Dubre aus Äthiopien in 2:10:22 durch.
Es war ein starker Siegerlauf.
Aber es war nicht die Geschichte, über die in Hannover am meisten gesprochen
wurde.
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Domenika
Mayer feierte einen großen Sieg in Hannover |
Denn was Domenika Mayer an
diesem Tag zeigte, war mehr als ein weiterer Erfolg. Es war ein Lauf, der in
Erinnerung bleibt. Die Regensburgerin gewann in 2:21:26 Stunden, verbesserte
ihren eigenen Streckenrekord von 2:23:50 klar und schob sich damit auf Platz
zwei der ewigen deutschen Bestenliste. Schneller war in Deutschland bislang nur
Irina Mikitenko mit ihrem Rekord von 2:19:19 Stunden aus dem Jahr 2008.
Schon bei Halbmarathon deutete
sich an, dass Mayer in einer eigenen Liga unterwegs war. Nach 1:10:31 Stunden
passierte sie die Marke, Fabienne Königstein folgte knapp eine Minute später in
1:11:25. Was zunächst wie ein ambitioniertes Meisterschaftsrennen wirkte,
entwickelte sich schnell zu einem souveränen Sololauf an der Spitze. Mayer lief
entschlossen, kontrolliert und mit jener Mischung aus Mut und Ruhe, die große
Marathonleistungen auszeichnet. Erst auf den letzten zehn Kilometern verlor sie
etwas Tempo, ohne dass ihr Auftritt an Glanz einbüßte.
Gerade das macht diese Leistung
so eindrucksvoll. Mayer hatte im Vorfeld angekündigt, ihre Bestzeit deutlich
verbessern zu wollen. In Hannover setzte sie dieses Vorhaben konsequent um. Im
Ziel freute sie sich über Platz zwei in der deutschen Bestenliste, über ihren
Meistertitel und über die Atmosphäre an der Strecke, die sie förmlich getragen
habe.
Hinter ihr zeigte Fabienne
Königstein ein starkes Rennen. Die Läuferin von Hannover 96 lief bei ihrem
Heimauftritt 2:24:31 Stunden und blieb damit nur über ihrer Bestzeit aus Berlin.
Nach einer verletzungsgeprägten Phase war das ein klares Signal. Königstein ging
das Rennen mutig an, musste in der zweiten Hälfte aber dem hohen Anfangstempo
Tribut zollen. Gerade darin lag die Qualität ihres Auftritts. Es war kein Rennen
auf Sicherheit, sondern ein ehrlicher Versuch, um den Titel mitzulaufen.
DM-Bronze ging an Katharina Saathoff, die in 2:30:52 Stunden ihre Bestzeit um
mehr als drei Minuten steigerte.
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| Tom Thurley
feierte den größten Erfolg seiner Karriere |
Während Mayer das Rennen der
Frauen früh prägte, blieb die Entscheidung bei den Männern in der deutschen
Meisterschaft lange offen. Johannes Motschmann machte zunächst das Tempo, musste
das Rennen nach rund 25 Kilometern jedoch vorzeitig beenden. Danach entwickelte
sich ein Duell der Munich Athletics. Tom Thurley setzte sich nach der
30-Kilometer-Marke von Erik Hille ab und lief in 2:11:02 Stunden nicht nur zu
Gold, sondern auch zu einer neuen persönlichen Bestzeit. Hille gewann Silber in
2:12:21, Bronze ging an Lorenz Baum in 2:16:38.
Für Thurley war dieser Titel
mehr als ein weiterer Podestplatz. Nach Bronze und Silber in den vergangenen
Jahren war nun der Sieg fällig. Hannover lieferte ihm genau diesen Moment. Dass
er als Gesamtsechster ins Ziel kam, unterstreicht zugleich die Qualität des
internationalen Feldes. Es zeigt aber auch, dass der deutsche Marathon in der
Breite stärker geworden ist. Zeiten um 2:11 sind längst nicht mehr nur
ordentlich, sie können Meistertitel bringen.
Und dann war da noch die
Kulisse. 33.857 Aktive standen laut Veranstalter bei den verschiedenen
Wettbewerben an der Startlinie. Hannover präsentierte sich damit nicht nur als
Bühne für Spitzenleistungen, sondern auch als Laufereignis von beeindruckender
Breite. Veranstalterin Stefanie Eichel sprach von einem fantastischen Lauffest
und davon, dass sich Hannover einmal mehr als echte Run City gezeigt habe.
Diesmal war das keine Floskel, sondern eine passende Beschreibung für einen Tag,
an dem Leistungssport, deutsche Meisterschaften und Volkslaufstimmung perfekt
zusammenfanden.
Was von diesem Sonntag bleibt,
ist deshalb mehr als eine Ergebnisliste. Bei den Männern gewann mit Maru Thomas
Kibet ein Athlet, den nicht jeder ganz oben erwartet hatte. Bei den Frauen lief
Domenika Mayer in eine neue sportliche Dimension. Und mit Tom Thurley und Mayer
bekamen die Deutschen Meisterschaften zwei Sieger, die ihre Titel mit Leistung
und Haltung untermauerten.
Hannover hat damit einmal mehr
gezeigt, warum der Marathon so fasziniert. Weil er Überraschungen zulässt. Weil
er Größe sichtbar macht. Und weil er an Tagen wie diesem beides zugleich sein
kann.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Fotos: Norbert Wilhelmi
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