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Paris-Marathon: Wasser nur noch zum Selbstzapfen |
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Paris-Marathon: Wasser nur noch zum Selbstzapfen - nachhaltige Idee, gemischte
Reaktionen
Der Paris-Marathon hat in
diesem Jahr nicht nur sportlich für Aufmerksamkeit gesorgt, sondern auch mit
einer organisatorischen Neuerung: An den Verpflegungsstellen gab es keine
klassischen Einwegbecher und keine Wasserflaschen mehr. Stattdessen mussten die
Teilnehmer einen eigenen Behälter mitführen - etwa eine Soft Flask, einen
Faltbecher oder ein anderes Trinkgefäß - und diesen an den Stationen auffüllen
lassen oder selbst befüllen.
Mit diesem Schritt wollte der
Veranstalter vor allem ein Zeichen in Sachen Nachhaltigkeit setzen. Weniger
Müll, weniger Einwegplastik, ein moderneres Konzept - die Stoßrichtung ist klar.
In Zeiten, in denen auch große Laufveranstaltungen stärker auf Umweltaspekte
achten, passt diese Entscheidung durchaus in den Trend. Der Paris-Marathon
positioniert sich damit als Rennen, das nicht nur sportlich, sondern auch
organisatorisch neue Wege gehen will.
Ganz so einfach, wie es auf dem
Papier klingt, ist die Sache allerdings nicht. Denn für viele Läufer ist die
Verpflegung im Rennen ein sensibler Punkt. Wer auf Tempo läuft, möchte an einer
Station möglichst wenig Zeit verlieren, den Rhythmus nicht unterbrechen und ohne
zusätzlichen Aufwand trinken können. Genau hier setzte die Kritik an. Schon vor
dem Start wurde diskutiert, ob das neue System wirklich für alle Teilnehmer
praktikabel ist. Vor allem die Frage nach der Fairness spielte eine Rolle: Wer
gut vorbereitet ist und das passende Equipment dabeihat, kommt mit dem System
eher zurecht. Wer damit weniger Erfahrung hat, könnte dagegen Nachteile haben.
Hinzu kommt, dass das Konzept
offenbar nicht für alle Teilnehmer identisch umgesetzt wurde. Für schnellere
Läufer mit einer angepeilten Zielzeit von unter 2:50 Stunden gab es Berichten
zufolge ein Sondermodell mit vorgefüllten wiederverwendbaren Flaschen. Das
zeigt, dass selbst der Veranstalter anerkannt hat, dass die Wasseraufnahme im
Spitzen- und Ambitionsbereich besonders sensibel ist.
Wie kam die Neuerung nach dem
Rennen an? Die ersten Reaktionen fallen gemischt aus. Einige Teilnehmer
berichteten, das System habe ordentlich funktioniert. Wer vorbereitet gewesen
sei und das richtige Trinkgefäß dabeihatte, sei gut durchgekommen. Andere Läufer
bewerteten die Lösung deutlich kritischer. Sie schilderten, dass das Auffüllen
Zeit koste, Wasser verschüttet werde und der eigene Laufrhythmus leide. Gerade
bei einem Marathon, bei dem jede Kleinigkeit über Wohlbefinden und Leistung
entscheiden kann, wird aus einer gut gemeinten ökologischen Maßnahme schnell ein
praktisches Problem.
Damit steht der Paris-Marathon
exemplarisch für ein Thema, das viele Veranstalter in den kommenden Jahren
beschäftigen dürfte: Wie lassen sich Nachhaltigkeit und Teilnehmerfreundlichkeit
sinnvoll miteinander verbinden? Der Verzicht auf Einwegmaterial ist zweifellos
ein nachvollziehbares Ziel. Gleichzeitig zeigt die Diskussion, dass
Veränderungen an den Verpflegungsstationen besonders sorgfältig geplant werden
müssen. Denn was ökologisch sinnvoll ist, muss im Renngeschehen noch lange nicht
reibungslos funktionieren.
Unterm Strich bleibt ein
spannender, aber umstrittener Vorstoß. Der Paris-Marathon hat mit seinem neuen
Verpflegungskonzept ein deutliches Signal gesetzt. Ob daraus ein Modell für
andere große City-Marathons wird, dürfte auch davon abhängen, wie die
Rückmeldungen der Teilnehmer in den nächsten Tagen und Wochen ausfallen - und ob
es gelingt, Nachhaltigkeit mit einem fairen und flüssigen Ablauf für das gesamte
Feld zu verbinden.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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