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Düsseldorf vor dem Marathon-Sonntag: Wer läuft vorne mit? |
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Düsseldorf vor dem Marathon-Sonntag: Wer läuft vorne mit?
Am 26. April 2026 wird
Düsseldorf wieder zur Laufstadt. Mehr als 23.000 Teilnehmer werden erwartet, der
Halbmarathon ist ausgebucht, und vorne im Feld stehen Namen, die dem Rennen
sportliche Schärfe geben: Simon Boch, Deborah und Rabea Schöneborn sowie Esther
und Hendrik Pfeiffer im Halbmarathon
Es gibt Marathonsonntage, die
riechen schon vor dem Start nach Bestzeit. Düsseldorf könnte so einer werden.
Nicht, weil hier ein Weltrekord angekündigt wäre. Nicht, weil die ganz große
internationale Marathonbühne nach London oder Berlin verlegt wurde. Sondern weil
der Uniper Düsseldorf Marathon 2026 genau jene Mischung mitbringt, die ein
Straßenrennen lebendig macht: ein großes Teilnehmerfeld, eine Stadt am Rhein,
eine dichte Atmosphäre und deutsche Topläufer, die mehr wollen als nur
mitlaufen.
Am Sonntag fällt der
Startschuss für den Halbmarathon um 8 Uhr. Der Marathon über 42,195 Kilometer
beginnt um 9.45 Uhr, die Staffeln starten um 10.15 Uhr. Start ist jeweils am
Joseph-Beuys-Ufer auf Höhe der Tonhalle, das Ziel liegt an der Unteren
Rheinwerft am Rathausufer. Für Düsseldorf ist es nach dem erfolgreichen Comeback
2025 die nächste Bewährungsprobe als große Marathonstadt. Die Zahlen zeigen: Das
Interesse ist da. D.SPORTS meldet mehr als 23.000 Teilnehmer, darunter mehr als
5.000 Anmeldungen für den Marathon und 11.000 für den Halbmarathon.
Doch dieser Sonntag ist mehr
als eine Großveranstaltung. Er ist auch ein sportlicher Prüfstand. Vorne treffen
deutsche Spitzenläufer auf internationale Konkurrenz. Dahinter schreiben
Tausende Teilnehmer ihre ganz eigenen Geschichten. Genau daraus entsteht die
besondere Spannung dieses Rennens: Düsseldorf wird zur Bühne für Bestzeiten,
Comebacks, Debüts und den langen Weg zum Ziel am Rhein.
Simon Boch: der Mann, auf den alle schauen
Der deutsche Name, der im
Marathonfeld sofort heraussticht, ist Simon Boch. Der Läufer von Düsseldorf
Athletics ist Mitglied des Uniper D.RUNNING Teams und peilt laut Veranstalter
über die Marathondistanz eine persönliche Bestzeit an. Das ist keine kleine
Ansage. Boch steht bei World Athletics mit einer Marathon-Bestzeit von 2:08:55
Stunden, gelaufen am 7. Dezember 2025 in Valencia.
Düsseldorf wird für ihn damit
mehr als ein Start vor vertrauter Kulisse. Es ist ein Standorttest. Wie gut ist
die Form? Wie trägt das Frühjahrstraining? Und wie mutig darf ein Läufer
anlaufen, der bereits unter 2:09 Stunden geblieben ist und jetzt in einem Rennen
steht, das nicht nur Stimmung, sondern auch Konkurrenz bietet?
Denn Boch läuft nicht allein
gegen die Uhr. Der Deutsche Leichtathletik-Verband nennt unter anderem Solomon
Mutai aus Uganda und Nguse Amsolom aus Eritrea als Konkurrenten. Mutai bringt
eine Bestzeit von 2:07:41 Stunden mit und wurde 2015 WM-Dritter im Marathon.
Amsolom steht mit 2:10:15 Stunden in der Meldeliste der starken Männer.
Damit ist die Ausgangslage
klar: Boch kann sich nicht verstecken. Mutai bringt internationale Erfahrung und
eine schnellere Bestzeit mit. Amsolom kann ein Rennen stabilisieren, wenn vorne
Tempo gemacht wird. Für Boch dürfte entscheidend werden, ob er früh eine Gruppe
findet, die nicht überzieht, aber auch nicht bremst. Genau dort entstehen im
Marathon oft die besten Zeiten: nicht im Alleingang, sondern in einem
kontrollierten, unaufgeregten Rhythmus.
Die Schöneborn-Schwestern: deutsche Klasse gegen kenianische Stärke
Bei den Frauen ist das Feld aus
deutscher Sicht besonders reizvoll. Deborah Schöneborn und Rabea Schöneborn,
beide SCC Berlin, gehören zu den bekanntesten deutschen Marathonläuferinnen
ihrer Generation. Beide bringen internationale Erfahrung mit, beide können
taktisch laufen, beide wissen, wie sich ein Marathon anfühlt, wenn er ab
Kilometer 30 ehrlich wird.
Deborah Schöneborn hat laut
World Athletics eine Marathon-Bestzeit von 2:24:54 Stunden, gelaufen am 14.
Januar 2024 in Houston. Ihre Halbmarathon-Bestzeit steht bei 1:09:41 Stunden.
Rabea Schöneborn steht mit einer Marathon-Bestzeit von 2:27:03 Stunden in den
Listen, gelaufen 2021 in Enschede. Ihre Halbmarathon-Bestzeit beträgt 1:10:35
Stunden.
Doch auch hier ist das Rennen
keineswegs nur ein nationales Duell. Der DLV nennt Rebecca Chesir aus Kenia mit
einer Bestzeit von 2:24:25 Stunden und Nelly Tirop, ebenfalls Kenia, mit 2:26:14
Stunden. Damit gehört Deborah Schöneborn nach den Meldezeiten zur engsten
Favoritengruppe, während Rabea Schöneborn nah genug dran ist, um bei einem
klugen Rennverlauf eine wichtige Rolle zu spielen.
Spannend wird vor allem die
Frage, wie offensiv die Spitze beginnt. Ein Frauenrennen mit Athletinnen
zwischen 2:24 und 2:27 Stunden kann sehr unterschiedlich verlaufen. Wird früh
auf Tempo gelaufen, trennt sich das Feld schnell. Bleibt es länger zusammen,
steigen die Chancen für Läuferinnen, die taktisch stark sind und ihre Energie
gut einteilen. Gerade die Schöneborn-Schwestern haben in ihrer Karriere gezeigt,
dass sie nicht nur laufen, sondern Rennen lesen können.
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Die beiden Schöneborn-Schwestern
gemeinsam mit Simon Boch |
Halbmarathon mit Pfeiffer-Prominenz
Auch der Halbmarathon hat
prominente Namen. Esther und Hendrik Pfeiffer stehen in Düsseldorf an der
Startlinie, ebenso Hannes Burger aus dem Uniper D.RUNNING Team. Esther Pfeiffer
wurde 2023 Deutsche Marathonmeisterin und ist mittlerweile stärker auf den
Halbmarathon spezialisiert. Hendrik Pfeiffer ist gebürtiger Düsseldorfer und
nahm 2021 am olympischen Marathon in Tokio teil.
Das ist für den Renntag mehr
als sportliche Dekoration. Der Halbmarathon öffnet den Morgen mit Tempo, bevor
der Marathon später seine eigene Dramaturgie entfaltet. Für das Publikum
bedeutet das: Schon früh lohnt sich der Blick an die Strecke. Für Düsseldorf
bedeutet es: Der Tag beginnt nicht mit einem Vorprogramm, sondern gleich mit
Klasse.
Die Strecke als heimlicher Mitspieler
Ein Marathonfeld lässt sich auf
dem Papier leicht sortieren. Bestzeiten, Nationalitäten, Platzierungen,
persönliche Rekorde. Doch sobald der Startschuss fällt, mischt sich ein weiterer
Faktor ein: die Strecke. Düsseldorf ist nicht Berlin, nicht London, nicht
Valencia. Der Kurs hat seinen eigenen Rhythmus, seine eigenen Stimmungsnester,
seine eigenen Momente, in denen ein Rennen kippen kann.
Gerade für die Spitze zählt,
wie gleichmäßig sich das Tempo laufen lässt. Marathonläufer sprechen oft von
Kontrolle, doch Kontrolle ist auf 42,195 Kilometern ein fragiles Gut. Ein paar
Sekunden zu schnell in der Anfangsphase, ein Windstück am falschen Ort, eine
kleine Lücke zur Gruppe, und schon wird aus einem Plan ein Kraftakt. Deshalb
wird es für die Favoriten nicht nur darum gehen, schnell zu laufen. Sie müssen
geduldig bleiben.
Für die deutschen Topläufer ist
Düsseldorf auch deshalb reizvoll, weil die Bühne groß genug ist, um Wirkung zu
erzeugen, aber nicht so überladen, dass sie im Schatten internationaler
Superstar-Felder verschwinden. Simon Boch, Deborah Schöneborn und Rabea
Schöneborn können hier Gesichter des Rennens sein. Das verändert die
Wahrnehmung. Es macht aus einem Start nicht nur eine Leistung, sondern eine
Geschichte.
Das Rennen besitzt dabei einen
eigenen Charakter. Es ist kein reines Elite-Event. Es ist ein Stadtmarathon, der
Profis, ambitionierte Läufer und Freizeitstarter zusammenbringt. Genau daraus
entsteht seine Erzählung. Vorn geht es um Zeiten, Platzierungen und vielleicht
persönliche Bestleistungen. Dahinter geht es um Debüts, Comebacks,
Staffelerlebnisse und den langen Weg zum Ziel.
Das Motto "Run to the Beat"
soll den Tag zusätzlich prägen. Entlang der Strecke sind nach Angaben des
Veranstalters 39 lokale und nationale DJs geplant. Die Strecke wird damit nicht
nur zur sportlichen Linie durch die Stadt, sondern auch zur Bühne.
Marathonrennen werden selten
bei Kilometer fünf entschieden. Aber sie können dort verloren werden. Wer zu
früh zu viel investiert, bezahlt später. In Düsseldorf dürfte deshalb besonders
der Abschnitt nach der Halbmarathonmarke wichtig werden. Dort zeigt sich, ob das
Anfangstempo tragfähig war.
Zwischen Kilometer 25 und 35
beginnt der Marathon, seine Karten aufzudecken. Läufer, die bis dahin scheinbar
mühelos im Feld lagen, verlieren plötzlich den Anschluss. Andere wirken zunächst
unauffällig und werden genau dann stärker, wenn die Konkurrenz unruhig wird. Für
Boch könnte dieser Abschnitt der Moment sein, in dem sich entscheidet, ob aus
dem Ziel persönliche Bestzeit ein konkretes Rennen wird. Für die Frauen könnte
dort die Frage beantwortet werden, ob eine Athletin das Feld sprengen kann oder
ob es auf ein spätes Duell hinausläuft.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Fotos: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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