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Runner’s Face: Macht Laufen wirklich älter? |
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Runner's Face: Macht Laufen wirklich älter?
Es ist ein Begriff, der in
sozialen Netzwerken regelmäßig auftaucht und dort fast schon wie ein
medizinischer Fakt behandelt wird: "Runner's Face". Gemeint ist das angeblich
eingefallene, faltige Gesicht langjähriger Läufer. Besonders Marathonläufer
werden dabei oft als Beispiel genannt. Hohe Kilometerumfänge, wenig Körperfett
und stundenlanges Training im Freien sollen das Gesicht schneller altern lassen.
Doch wie viel Wahrheit steckt wirklich hinter diesem Mythos?
Die Antwort überrascht: Nach
aktuellem wissenschaftlichem Stand gibt es keine belastbaren Belege dafür, dass
Laufen die Haut schneller altern lässt. Im Gegenteil. Viele Untersuchungen
sprechen eher dafür, dass regelmäßige Bewegung Alterungsprozesse sogar
verlangsamen kann.
Der Mythos vom "Läufergesicht"
Wer den Begriff "Runner's Face"
googelt, findet schnell drastische Vorher-Nachher-Bilder und reißerische
Behauptungen. Dahinter steckt die Vorstellung, dass das ständige Auf und Ab beim
Laufen die Haut erschlaffen lasse. Besonders die Wangenpartie sei betroffen.
Dermatologen und Sportmediziner
sehen das deutlich nüchterner. Mehrere Experten betonen, dass es keine
wissenschaftlichen Nachweise dafür gibt, dass die mechanische Bewegung beim
Laufen die Hautstruktur dauerhaft schädigt.
Warum wirkt der Mythos trotzdem
so glaubwürdig? Weil viele ambitionierte Läufer tatsächlich markantere Gesichter
haben. Doch dafür gibt es andere Gründe.
Wenn weniger Körperfett das Gesicht verändert
Wer regelmäßig läuft und viel
trainiert, reduziert häufig seinen Körperfettanteil. Das betrifft nicht nur
Bauch oder Beine, sondern auch das Gesicht. Die Wangen wirken schmaler, Konturen
treten stärker hervor und das Gesicht erscheint kantiger.
Gerade bei sehr schlanken
Marathon- oder Ultraläufern kann das zu einem älteren Erscheinungsbild führen.
Allerdings handelt es sich dabei nicht um Hautalterung im eigentlichen Sinn,
sondern um eine Veränderung der Gesichtsform durch weniger Unterhautfettgewebe.
Interessant ist dabei: Derselbe
Effekt lässt sich auch bei Menschen beobachten, die stark abnehmen, ohne
überhaupt Sport zu treiben.
Der wahre Faktor heißt UV-Strahlung
Der eigentliche Belastungstest
für die Haut ist beim Laufen meist nicht die Bewegung, sondern die Sonne.
Läufer verbringen viele Stunden
draußen. Gerade im Frühjahr und Sommer trainieren viele regelmäßig unter
intensiver UV-Belastung. Dermatologen sehen deshalb vor allem die
Sonneneinstrahlung als Hauptursache vorzeitiger Hautalterung bei
Outdoor-Sportlern.
UV-Strahlung greift
Kollagenfasern an, fördert Pigmentflecken und beschleunigt die Bildung von
Falten. Wer über Jahre ohne Sonnenschutz trainiert, riskiert sichtbare
Hautschäden. Das gilt allerdings genauso für Radfahrer, Wanderer oder Menschen,
die beruflich viel draußen arbeiten.
Die Konsequenz daraus ist
simpel: Sonnenschutz gehört längst genauso zur Laufausrüstung wie Schuhe oder
Trinkflasche.
Warum Bewegung der Haut sogar helfen kann
Während der Mythos vom Runner's
Face vor allem auf Einzelbeobachtungen basiert, beschäftigen sich inzwischen
mehrere wissenschaftliche Untersuchungen mit den positiven Effekten von Sport
auf die Haut.
Regelmäßige Bewegung verbessert
die Durchblutung. Die Haut wird besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
Gleichzeitig beeinflusst Sport entzündliche Prozesse positiv und kann oxidativen
Stress reduzieren.
Besonders spannend sind
Studien, die Veränderungen der Hautstruktur untersucht haben. Forschende der
McMaster University in Kanada beobachteten, dass regelmäßiges Ausdauertraining
Hautzellen offenbar jünger wirken lässt. Selbst ältere Teilnehmer zeigten nach
mehreren Monaten Training Veränderungen, die normalerweise eher bei deutlich
jüngeren Menschen auftreten.
Auch die Kollagenbildung
scheint durch regelmäßige Bewegung positiv beeinflusst zu werden. Kollagen ist
entscheidend für Elastizität und Spannkraft der Haut.
Der unterschätzte Anti-Stress-Effekt
Ein weiterer Punkt wird häufig
vergessen: Laufen reduziert Stress.
Wer regelmäßig trainiert, senkt
langfristig den Cortisolspiegel. Genau dieses Stresshormon steht im Verdacht,
Hautprobleme wie Akne, Entzündungen oder eine beschleunigte Hautalterung zu
fördern.
Hinzu kommt der bekannte
psychologische Effekt des Laufens. Menschen, die regelmäßig Sport treiben,
schlafen oft besser, fühlen sich ausgeglichener und wirken insgesamt vitaler.
Auch das beeinflusst, wie jung oder alt ein Gesicht wahrgenommen wird.
Warum soziale Medien den Mythos verstärken
Das Thema "Runner's Face"
funktioniert perfekt für TikTok, Instagram und YouTube. Ein zugespitzter
Begriff, extreme Vorher-Nachher-Bilder und eine provokante These erzeugen
Aufmerksamkeit.
Wissenschaftlich bleibt davon
allerdings wenig übrig.
Viele Experten sehen in dem
Begriff deshalb eher einen modernen Fitness-Mythos. Tatsächlich gilt regelmäßige
Bewegung heute als eine der wirksamsten Maßnahmen für gesundes Altern. Davon
profitieren Herz, Stoffwechsel, Psyche und offenbar auch die Haut.
Was Läufer für ihre Haut tun sollten
Wer viel läuft, muss also keine
Angst vor einem "Läufergesicht" haben. Entscheidend sind vielmehr die
Rahmenbedingungen:
- Sonnenschutz verwenden
- Ausreichend trinken
- Nach langen Läufen die Haut pflegen
- Extreme Gewichtsverluste vermeiden
- Regeneration ernst nehmen
Vor allem UV-Schutz spielt eine zentrale Rolle. Dermatologen empfehlen beim
Laufen im Freien Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor sowie Kappen oder
Sonnenvisiere.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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