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Nicht nur Tempo: Das unterscheidet Joggen vom Laufen |
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Nicht nur Tempo: Das unterscheidet Joggen vom Laufen
Es klingt nach einer einfachen
Frage: Joggen ist langsam, Laufen ist schnell. Fertig. Doch so sauber lässt sich
die Grenze nicht ziehen. Wer genauer hinschaut, merkt schnell: Der Unterschied
liegt nicht allein auf der Uhr. Er steckt in der Intensität, im Ziel, in der
Haltung zum Training und manchmal auch im Selbstbild.
Im Alltag wird "Joggen" häufig
für entspanntes, gesundheitsorientiertes Laufen verwendet. "Laufen" klingt
dagegen sportlicher, zielgerichteter, vielleicht auch ehrgeiziger. Aus
trainingswissenschaftlicher Sicht ist die Sache weniger eindeutig.
Gesundheitsorganisationen und sportmedizinische Empfehlungen unterscheiden in
der Regel nicht streng zwischen Joggen und Laufen. Sie sprechen vor allem von
moderater oder intensiver körperlicher Aktivität. Entscheidend ist also nicht
das Etikett, sondern was im Körper passiert.
Joggen beginnt dort, wo ein Gespräch noch möglich ist
Ein praktischer Maßstab ist der
sogenannte Sprechtest. Bei moderater Intensität steigt die Atmung, ein Gespräch
bleibt aber möglich. Singen wäre schon schwierig. Bei hoher Intensität lassen
sich dagegen nur noch wenige Worte sprechen, bevor die nächste Atempause nötig
wird.
Damit wird klar: Joggen ist
weniger eine bestimmte Geschwindigkeit als ein Belastungsbereich. Für einen
trainierten Marathonläufer kann ein Tempo von 5:30 Minuten pro Kilometer
entspannt sein. Für einen Einsteiger kann schon 7:30 Minuten pro Kilometer
anspruchsvoll werden. Beide bewegen sich laufend fort, aber nicht mit derselben
inneren Beanspruchung.
Biomechanisch ist Joggen bereits Laufen
Der Körper macht beim Joggen im
Grundsatz dasselbe wie beim Laufen: Es gibt eine Flugphase, also einen kurzen
Moment, in dem kein Fuß den Boden berührt. Genau das unterscheidet Laufen vom
Gehen. Beim Gehen bleibt immer ein Fuß am Boden, beim Laufen nicht.
Biomechanisch ist Joggen daher keine eigene Bewegungsart zwischen Gehen und
Laufen, sondern eine langsamere Form des Laufens.
Das erklärt auch, warum Joggen
trotz seines gemütlichen Images nicht unterschätzt werden sollte. Die
Stoßbelastung ist höher als beim Gehen, Sehnen, Muskulatur und Gelenke müssen
die Flug- und Landephase verarbeiten. Wer mit dem Joggen beginnt, bewegt sich
also nicht "nur ein bisschen schneller als beim Spaziergang", sondern steigt
bereits in eine belastende Ausdauersportart ein.
Der Unterschied liegt im Zweck
Joggen verfolgt häufig ein
anderes Ziel als leistungsorientiertes Laufen. Es geht um Gesundheit,
Gewohnheit, Ausgleich, Gewichtskontrolle, Stressabbau oder den Einstieg in mehr
Bewegung. Laufen kann all das ebenfalls sein, bekommt aber oft eine zusätzliche
Ebene: Trainingsplan, Pace, Wettkampf, Intervalle, Tempodauerlauf, Bestzeit.
Das ist kein Werturteil. Im
Gegenteil: Viele sehr gute Läufer verbringen den größten Teil ihrer
Trainingszeit in einem Bereich, den Außenstehende vermutlich als Joggen
bezeichnen würden. Der ruhige Dauerlauf bildet die Basis. Dort werden aerobe
Leistungsfähigkeit, Kapillarisierung, Fettstoffwechsel und muskuläre
Belastbarkeit entwickelt. Wer immer nur schnell läuft, trainiert nicht
automatisch besser. Oft trainiert er einfach nur härter.
Die Uhr allein entscheidet nicht
In vielen Ratgebern wird Joggen
ungefähr zwischen 6,4 und 9,7 Kilometern pro Stunde eingeordnet. Alles darüber
wird dann gern als Laufen bezeichnet. Solche Grenzen können Orientierung geben,
bleiben aber grob. Sie ersetzen nicht den Blick auf die individuelle
Anstrengung.
Auch die Einordnung über den
Energieverbrauch zeigt, wie fließend die Übergänge sind. Langsames Joggen,
ruhiger Dauerlauf und zügiges Laufen liegen nicht in getrennten Welten. Sie
bilden ein Kontinuum. Mit zunehmender Geschwindigkeit steigt der Aufwand
deutlich. Ob sich eine bestimmte Pace leicht oder hart anfühlt, hängt jedoch
stark von Trainingszustand, Alter, Gewicht, Laufökonomie, Tagesform und Gelände
ab.
Joggen ist nicht weniger wert
Der vielleicht wichtigste
Unterschied ist kulturell. "Ich gehe nur joggen" klingt oft bescheidener als "ich gehe laufen". Dabei ist genau dieses
"nur" fehl am Platz. Schon
regelmäßiges, moderates Laufen kann für Gesundheit, Fitness und Wohlbefinden
viel bewirken. Es stärkt Herz und Kreislauf, verbessert die Ausdauer, kann beim
Stressabbau helfen und schafft eine Routine, die vielen Menschen langfristig
leichter fällt als harte Trainingseinheiten.
Gerade deshalb ist Joggen für
den Laufsport so wichtig. Es ist niedrigschwellig, braucht wenig Ausrüstung und
kann fast überall beginnen. Es verlangt keine Startnummer, keinen Trainingsplan
und keine Bestzeit. Es verlangt vor allem Regelmäßigkeit und die Bereitschaft,
dem Körper Zeit zur Anpassung zu geben.
Laufen beginnt oft im Kopf
Viele Menschen wechseln
irgendwann innerlich vom Joggen zum Laufen. Nicht, weil sie plötzlich eine
magische Pace unterschreiten, sondern weil sich ihr Verhältnis zur Bewegung
verändert. Der Kalender bekommt Lauftermine. Die Schuhe werden bewusster
ausgewählt. Aus "mal eine Runde drehen" wird ein Rhythmus. Vielleicht kommt ein
Volkslauf hinzu, später ein Zehn-Kilometer-Lauf, ein Halbmarathon oder einfach
der Wunsch, kontrollierter zu trainieren.
Dieser Übergang ist fließend.
Er ist nicht an eine Startnummer gebunden und auch nicht an eine bestimmte
Kilometerzeit. Wer regelmäßig läuft, auf den Körper achtet, Belastung steuert
und Ziele entwickelt, ist längst im Laufsport angekommen, auch wenn das Tempo
noch gemütlich ist.
Was im Training daraus folgt
Für Einsteiger kann Joggen der
bessere Begriff sein, wenn er Druck herausnimmt. Behutsam loslaufen, Gehpausen
zulassen, regelmäßig bleiben und den Bewegungsapparat anpassen lassen: Das ist
sinnvoller, als möglichst schnell "richtig laufen" zu wollen.
Für Fortgeschrittene bleibt
das, was viele Jogging nennen, ein zentraler Trainingsbaustein. Es ist die
Einheit, die nicht glänzt, aber trägt. Wer gezielt schneller werden möchte,
braucht irgendwann mehr Struktur: ruhige Läufe, längere Läufe, gelegentliche
Temporeize, Kraft und Beweglichkeit. Dann wird aus Bewegung Training. Aber auch
dann bleibt der entspannte Dauerlauf die Grundlage. Im besten Training steckt
mehr Gelassenheit, als viele glauben.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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