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Nicht nur Tempo: Das unterscheidet Joggen vom Laufen
 
 
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12.05.2026  

 
 

 
Nicht nur Tempo: Das unterscheidet Joggen vom Laufen

 
Es klingt nach einer einfachen Frage: Joggen ist langsam, Laufen ist schnell. Fertig. Doch so sauber lässt sich die Grenze nicht ziehen. Wer genauer hinschaut, merkt schnell: Der Unterschied liegt nicht allein auf der Uhr. Er steckt in der Intensität, im Ziel, in der Haltung zum Training und manchmal auch im Selbstbild.
 
Im Alltag wird "Joggen" häufig für entspanntes, gesundheitsorientiertes Laufen verwendet. "Laufen" klingt dagegen sportlicher, zielgerichteter, vielleicht auch ehrgeiziger. Aus trainingswissenschaftlicher Sicht ist die Sache weniger eindeutig. Gesundheitsorganisationen und sportmedizinische Empfehlungen unterscheiden in der Regel nicht streng zwischen Joggen und Laufen. Sie sprechen vor allem von moderater oder intensiver körperlicher Aktivität. Entscheidend ist also nicht das Etikett, sondern was im Körper passiert.

Joggen beginnt dort, wo ein Gespräch noch möglich ist
 
Ein praktischer Maßstab ist der sogenannte Sprechtest. Bei moderater Intensität steigt die Atmung, ein Gespräch bleibt aber möglich. Singen wäre schon schwierig. Bei hoher Intensität lassen sich dagegen nur noch wenige Worte sprechen, bevor die nächste Atempause nötig wird.
 
Damit wird klar: Joggen ist weniger eine bestimmte Geschwindigkeit als ein Belastungsbereich. Für einen trainierten Marathonläufer kann ein Tempo von 5:30 Minuten pro Kilometer entspannt sein. Für einen Einsteiger kann schon 7:30 Minuten pro Kilometer anspruchsvoll werden. Beide bewegen sich laufend fort, aber nicht mit derselben inneren Beanspruchung.

Biomechanisch ist Joggen bereits Laufen
 
Der Körper macht beim Joggen im Grundsatz dasselbe wie beim Laufen: Es gibt eine Flugphase, also einen kurzen Moment, in dem kein Fuß den Boden berührt. Genau das unterscheidet Laufen vom Gehen. Beim Gehen bleibt immer ein Fuß am Boden, beim Laufen nicht. Biomechanisch ist Joggen daher keine eigene Bewegungsart zwischen Gehen und Laufen, sondern eine langsamere Form des Laufens.
 
Das erklärt auch, warum Joggen trotz seines gemütlichen Images nicht unterschätzt werden sollte. Die Stoßbelastung ist höher als beim Gehen, Sehnen, Muskulatur und Gelenke müssen die Flug- und Landephase verarbeiten. Wer mit dem Joggen beginnt, bewegt sich also nicht "nur ein bisschen schneller als beim Spaziergang", sondern steigt bereits in eine belastende Ausdauersportart ein.

Der Unterschied liegt im Zweck
 
Joggen verfolgt häufig ein anderes Ziel als leistungsorientiertes Laufen. Es geht um Gesundheit, Gewohnheit, Ausgleich, Gewichtskontrolle, Stressabbau oder den Einstieg in mehr Bewegung. Laufen kann all das ebenfalls sein, bekommt aber oft eine zusätzliche Ebene: Trainingsplan, Pace, Wettkampf, Intervalle, Tempodauerlauf, Bestzeit.
 
Das ist kein Werturteil. Im Gegenteil: Viele sehr gute Läufer verbringen den größten Teil ihrer Trainingszeit in einem Bereich, den Außenstehende vermutlich als Joggen bezeichnen würden. Der ruhige Dauerlauf bildet die Basis. Dort werden aerobe Leistungsfähigkeit, Kapillarisierung, Fettstoffwechsel und muskuläre Belastbarkeit entwickelt. Wer immer nur schnell läuft, trainiert nicht automatisch besser. Oft trainiert er einfach nur härter.

Die Uhr allein entscheidet nicht
 
In vielen Ratgebern wird Joggen ungefähr zwischen 6,4 und 9,7 Kilometern pro Stunde eingeordnet. Alles darüber wird dann gern als Laufen bezeichnet. Solche Grenzen können Orientierung geben, bleiben aber grob. Sie ersetzen nicht den Blick auf die individuelle Anstrengung.
 
Auch die Einordnung über den Energieverbrauch zeigt, wie fließend die Übergänge sind. Langsames Joggen, ruhiger Dauerlauf und zügiges Laufen liegen nicht in getrennten Welten. Sie bilden ein Kontinuum. Mit zunehmender Geschwindigkeit steigt der Aufwand deutlich. Ob sich eine bestimmte Pace leicht oder hart anfühlt, hängt jedoch stark von Trainingszustand, Alter, Gewicht, Laufökonomie, Tagesform und Gelände ab.

Joggen ist nicht weniger wert
 
Der vielleicht wichtigste Unterschied ist kulturell. "Ich gehe nur joggen" klingt oft bescheidener als "ich gehe laufen". Dabei ist genau dieses "nur" fehl am Platz. Schon regelmäßiges, moderates Laufen kann für Gesundheit, Fitness und Wohlbefinden viel bewirken. Es stärkt Herz und Kreislauf, verbessert die Ausdauer, kann beim Stressabbau helfen und schafft eine Routine, die vielen Menschen langfristig leichter fällt als harte Trainingseinheiten.
 
Gerade deshalb ist Joggen für den Laufsport so wichtig. Es ist niedrigschwellig, braucht wenig Ausrüstung und kann fast überall beginnen. Es verlangt keine Startnummer, keinen Trainingsplan und keine Bestzeit. Es verlangt vor allem Regelmäßigkeit und die Bereitschaft, dem Körper Zeit zur Anpassung zu geben.

Laufen beginnt oft im Kopf
 
Viele Menschen wechseln irgendwann innerlich vom Joggen zum Laufen. Nicht, weil sie plötzlich eine magische Pace unterschreiten, sondern weil sich ihr Verhältnis zur Bewegung verändert. Der Kalender bekommt Lauftermine. Die Schuhe werden bewusster ausgewählt. Aus "mal eine Runde drehen" wird ein Rhythmus. Vielleicht kommt ein Volkslauf hinzu, später ein Zehn-Kilometer-Lauf, ein Halbmarathon oder einfach der Wunsch, kontrollierter zu trainieren.
 
Dieser Übergang ist fließend. Er ist nicht an eine Startnummer gebunden und auch nicht an eine bestimmte Kilometerzeit. Wer regelmäßig läuft, auf den Körper achtet, Belastung steuert und Ziele entwickelt, ist längst im Laufsport angekommen, auch wenn das Tempo noch gemütlich ist.
 
Was im Training daraus folgt
 
Für Einsteiger kann Joggen der bessere Begriff sein, wenn er Druck herausnimmt. Behutsam loslaufen, Gehpausen zulassen, regelmäßig bleiben und den Bewegungsapparat anpassen lassen: Das ist sinnvoller, als möglichst schnell "richtig laufen" zu wollen.
 
Für Fortgeschrittene bleibt das, was viele Jogging nennen, ein zentraler Trainingsbaustein. Es ist die Einheit, die nicht glänzt, aber trägt. Wer gezielt schneller werden möchte, braucht irgendwann mehr Struktur: ruhige Läufe, längere Läufe, gelegentliche Temporeize, Kraft und Beweglichkeit. Dann wird aus Bewegung Training. Aber auch dann bleibt der entspannte Dauerlauf die Grundlage. Im besten Training steckt mehr Gelassenheit, als viele glauben.

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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln


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