| |
|
|
 |
|
 |
Deutscher W70-Rekord: Antje Wietscher läuft 22:18,18 Minuten über 5000 Meter |
| |
Antje Wietscher wollte in Grefrath-Oedt eigentlich nur wieder einmal ein
Bahnrennen laufen. Nach 12,5 Runden stand für die Läuferin des TV Refrath
running team eine neue deutsche W70-Bestleistung über 5000 Meter: 22:18,18
Minuten.
Manchmal entstehen große
Leistungen auf einer Bühne, die zunächst ganz unscheinbar wirkt. Kein
Meisterschaftsfinale, kein großes Stadion, kein grelles Rampenlicht. Sondern
eine Saisoneröffnung am Niederrhein, 12,5 Runden auf der Bahn und eine Läuferin,
die nach eigener Einschätzung "nach ewigen Zeiten" wieder einmal ein Bahnrennen
bestreiten wollte.
Antje Wietscher vom TV Refrath
running team war zur Bahneröffnung 2026 nach Grefrath-Oedt gereist. Ihre Vorgabe
war klar: Die 5000 Meter sollten möglichst unter 22:30 Minuten gelingen. Wer
diese Distanz auf der Bahn kennt, weiß, wie ehrlich dieses Rennen ist. Es gibt
keine Ablenkung durch wechselnde Streckenbilder, keine wellige Passage, hinter
der man sich verstecken könnte. Es gibt nur die Bahn, den Rhythmus der Runden,
die Uhr und die Frage, ob das Tempo bis zum Ende trägt.
Bei Wietscher trug es
eindrucksvoll. Nach 12,5 Runden blieb die Uhr bei 22:18,18 Minuten stehen. Damit
unterbot die W70-Läuferin die bisherige deutsche Bestmarke von Margret Göttnauer,
die bei 22:28,83 Minuten stand, um 10,65 Sekunden. Aus einem geplanten
kontrollierten Rennen wurde ein deutscher Rekordabend.
Die Zeit ist auch deshalb
bemerkenswert, weil sie nicht aus dem Nichts kam. Bereits Anfang März hatte
Wietscher beim Straßenlauf "Rund um das Bayer-Kreuz" in Leverkusen über 5
Kilometer 22:13 Minuten erreicht. Auch dort zeigte sie bereits, dass sie in der
Altersklasse W70 derzeit zu außergewöhnlichen Leistungen fähig ist. Die 22:18,18
Minuten von Grefrath bestätigen nun auf der Bahn, dass diese Form kein Zufall
war.
Für viele Außenstehende mag
eine 22er-Zeit über fünf Kilometer zunächst nur eine Zahl sein. Im Laufsport
erzählt sie mehr. Sie bedeutet einen Kilometerschnitt von rund 4:28 Minuten,
Runde für Runde ein Tempo von etwa 1:47 Minuten über 400 Meter. Und das in einer
Altersklasse, in der es längst nicht mehr selbstverständlich ist, überhaupt noch
regelmäßig Wettkämpfe zu bestreiten, geschweige denn nationale Bestmarken
anzugreifen.
Gerade darin liegt die
besondere Kraft dieser Leistung. Antje Wietscher zeigt, dass ambitioniertes
Laufen keine Frage des Geburtsjahres allein ist. Natürlich verändern sich
Körper, Regeneration und Trainingsbelastbarkeit mit den Jahren. Doch Erfahrung,
Ausdauer, kluge Renneinteilung und die Bereitschaft, sich weiter Ziele zu
setzen, können auch im höheren Alter noch zu Leistungen führen, die weit über
das Gewöhnliche hinausgehen.
Für das TV Refrath running team
ist der Rekord ein weiterer sportlicher Glanzpunkt. Der Verein ist seit Jahren
in der Masters- und Straßenlaufszene stark vertreten. Wietschers Auftritt in
Grefrath passt in dieses Bild, weil er nicht laut daherkommt, sondern sportlich
klar überzeugt: anreisen, starten, Tempo finden, Rekord laufen.
Und vielleicht war dieser Abend
am Niederrhein noch nicht das letzte Ausrufezeichen. Die Saison ist jung. Wer im
März auf der Straße 22:13 Minuten läuft und im Mai auf der Bahn eine deutsche
W70-Bestleistung über 5000 Meter erzielt, hat offenbar noch einiges vor. Antje
Wietscher hat in Grefrath nicht nur einen Rekord verbessert. Sie hat auch
gezeigt, dass die Jagd nach schnellen Zeiten im Masterslauf noch lange nicht
altersmüde sein muss.
__________________________________
Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Foto: TV Refrath
|
|
|
|
 |
|