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Bundesjugendspiele im Wandel: Der Wettkampf kehrt zurück |
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Bundesjugendspiele im Wandel: Der Wettkampf kehrt zurück
Sie gehören zu den
Schulerinnerungen, die kaum jemanden kaltlassen: die Bundesjugendspiele. Für
manche waren sie der Tag, an dem sie endlich zeigen konnten, was in ihnen
steckt. Für andere waren sie ein Pflichttermin mit Bauchschmerzen, roten Köpfen
und der Angst, wieder als Letzter ins Ziel zu kommen. Genau deshalb polarisieren
sie bis heute wie kaum ein anderes Thema im Schulsport.
Nun kehrt Bewegung in die
Debatte zurück. Nachdem die Bundesjugendspiele an Grundschulen zuletzt stärker
auf spielerische Wettbewerbsformen umgestellt wurden, soll der klassische
Wettkampf wieder mehr Raum bekommen. Gemeint ist nicht die vollständige Rückkehr
zu alten Zeiten, aber eine deutliche Öffnung: In den Klassen 3 und 4 sollen
Schulen künftig wieder die Möglichkeit haben, in Leichtathletik und Schwimmen
genauer zu messen, Zeiten zu stoppen und Leistungen nach Punkten zu bewerten.
Damit wird eine Reform
korrigiert, die ab dem Schuljahr 2023/24 für viel Kritik gesorgt hatte. Damals
rückte an Grundschulen der sogenannte Wettbewerb in den Vordergrund. Statt beim
Weitsprung Zentimeter zu messen oder beim Sprint exakte Zeiten zu nehmen, wurden
vielerorts Zonen, spielerische Aufgaben und kindgerechtere Bewertungsformen
eingesetzt. Die Idee dahinter war nachvollziehbar: Kinder sollten Freude an
Bewegung entwickeln, ohne frühzeitig durch schlechte Ergebnisse entmutigt zu
werden.
Doch genau an diesem Punkt
entzündete sich der Streit. Kritiker warfen der Reform vor, Leistung zu
verwischen und Wettbewerb aus der Schule zu verdrängen. Befürworter hielten
dagegen, dass gerade jüngere Kinder nicht auf ihre sportlichen Defizite
reduziert werden dürften. Beide Seiten berühren einen wahren Kern. Ja,
Schulsport darf Kinder nicht bloßstellen. Aber ebenso gilt: Sport ohne Vergleich
verliert einen Teil seines Wesens.
Denn Kinder vergleichen sich
ohnehin. Auf dem Pausenhof, beim Spielen, im Verein, beim Rennen zur nächsten
Ecke. Die Frage ist also nicht, ob sie sich messen. Die Frage ist, wie
Erwachsene diesen Vergleich gestalten. Ein gut organisierter Wettkampf kann
motivieren, Orientierung geben und besondere Leistungen anerkennen. Ein schlecht
organisierter Wettkampf kann beschämen, frustrieren und Kinder dauerhaft vom
Sport entfernen.
Genau deshalb ist die aktuelle
Entscheidung mehr als eine Rolle rückwärts. Künftig sollen Wettbewerb und
Wettkampf wieder nebeneinander möglich sein. Neben spielerischen Formaten kann
also auch der klassische Modus zurückkehren. Dort zählen dann wieder Sekunden,
Meter, Zentimeter und Punkte. Je nach Ergebnis können Urkunden vergeben werden,
die Leistung sichtbar machen.
Der politische Kompromiss hat
allerdings einen Haken. Eine bundesweit einheitliche Rückkehr zum klassischen
Wettkampf ist es nicht. Länder, Schulen und Lehrkräfte behalten Spielräume.
Damit droht erneut ein Flickenteppich. Während an der einen Schule wieder exakt
gestoppt und gemessen wird, bleibt es an der anderen bei Zonen und
Bewegungsaufgaben. Für ein Format, das seit 1951 bundesweit bekannt ist, wirkt
das nur bedingt konsequent.
Baden-Württemberg will offenbar
weitergehen. Dort sollen die Bundesjugendspiele ab Sommer 2027 wieder
verbindlicher und leistungsorientierter ausgerichtet werden. Vorgesehen sind
unter anderem klassische Disziplinen wie 50-Meter-Lauf, Weitsprung und
Schlagball sowie Urkunden in Gold, Silber und Bronze mit genauer Punktezahl. Das
klingt moderner als die alten Begriffe Ehren-, Sieger- und Teilnehmerurkunde,
folgt aber demselben Grundgedanken: Leistung soll erkennbar sein.
Aus Sicht des Sports ist das
grundsätzlich richtig. Nicht, weil jedes Kind zum Leistungssportler werden soll.
Und auch nicht, weil Schule Kinder abhärten muss. Sondern weil Bewegung,
Anstrengung und Verbesserung zusammengehören. Wer weiter springt als beim
letzten Mal, wer schneller läuft, wer sich überwindet und merkt, dass Training
etwas verändert, erlebt Sport als etwas Wirksames.
Die entscheidende Aufgabe liegt
nun bei den Schulen. Bundesjugendspiele werden nicht besser, nur weil wieder
genauer gemessen wird. Sie werden besser, wenn sie gut vorbereitet, fair
durchgeführt und pädagogisch sauber begleitet werden. Dazu gehört, starke
Leistungen zu würdigen, ohne schwächere Kinder abzuwerten. Dazu gehört auch,
Niederlagen einzuordnen und Kindern zu zeigen, dass ein Ergebnis kein Urteil
über ihren Wert ist.
Gerade deshalb beschreibt der
Wandel der Bundesjugendspiele mehr als eine organisatorische Korrektur. Es geht
nicht um eine einfache Rückkehr zu früher, sondern um die Frage, wie viel
Messbarkeit, Vergleich und Leistungsorientierung der Schulsport braucht. Kinder
dürfen erfahren, dass Leistung unterschiedlich ausfällt. Sie dürfen gewinnen,
verlieren, sich verbessern und stolz auf sich sein. Schule sollte ihnen
zutrauen, mit solchen Erfahrungen umzugehen, statt sie davor zu schützen, dass
Sport messbar ist.
Am Ende geht es bei den
Bundesjugendspielen nicht um ein paar Zentimeter in der Sandgrube oder eine
gestoppte Sprintzeit. Es geht um die Haltung, die Schule zum Sport vermittelt.
Wenn Wettkampf fair organisiert wird, kann er Kinder stark machen. Nicht alle
werden mit einer besonderen Urkunde nach Hause gehen. Aber alle können lernen,
dass Anstrengung zählt. Und genau das wäre eine gute Nachricht für den
Schulsport.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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