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Laufveranstaltung geplant, Hitze angekündigt, was jetzt? |
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Laufveranstaltung geplant, Hitze angekündigt, was jetzt?
Hitzeläufe sind erst einmal
nichts Ungewöhnliches. Es gibt sie überall auf der Welt, sogar an Orten, an
denen Hitze selbst zum Markenzeichen der Veranstaltung geworden ist. Der
Badwater Ultramarathon im Death Valley ist dafür das bekannteste Beispiel. Aber
genau daran lässt sich auch erkennen: Hitze ist kein Spielfeld für
Selbstexperimente. Wer bei hohen Temperaturen an den Start geht, muss wissen,
was er tut.
Für Laufveranstalter wird
dieses Thema immer wichtiger. Heiße Tage sind keine seltene Ausnahme mehr,
sondern etwas, womit auch der Laufsport in Zukunft häufiger rechnen muss. Gerade
Veranstaltungen im Frühjahr und Sommer werden sich darauf einstellen müssen,
dass ein Lauf nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch anders bewertet
werden muss, wenn hohe Temperaturen angekündigt sind.
Die entscheidende Frage lautet
deshalb nicht automatisch: Findet der Lauf statt oder wird er abgesagt? Viel
wichtiger ist zunächst die Frage: Unter welchen Bedingungen ist diese
Veranstaltung noch verantwortbar? Dabei gibt es keine pauschale Antwort. Ein
5-km-Lauf am Abend durch einen schattigen Park ist anders zu bewerten als ein
Halbmarathon über aufgeheizten Asphalt. Auch Startzeit, Streckenlänge,
Schattenanteil, Luftfeuchtigkeit, Wind, Teilnehmerfeld, medizinische Versorgung
und Erreichbarkeit der Strecke spielen eine Rolle.
Genau deshalb brauchen
Veranstalter ein Hitzekonzept, bevor es kritisch wird. Wer erst am
Veranstaltungstag hektisch überlegt, ob noch zusätzliche Wasserstellen aufgebaut
werden können, ist eigentlich schon zu spät. Die Wetterlage sollte einige Tage
vorher aufmerksam verfolgt werden. Bei absehbar hohen Temperaturen müssen
mögliche Maßnahmen frühzeitig vorbereitet und klar kommuniziert werden. Dazu
gehören frühere Startzeiten, zusätzliche Verpflegungspunkte, mehr Wasser auf der
Strecke, mehr Helfer, zusätzliche Sanitätskräfte oder auch eine Verkürzung
einzelner Strecken.
Besonders wichtig ist die
Abkühlung unterwegs. Bei großer Hitze reichen die üblichen Verpflegungsstellen
oft nicht aus. Zusätzliche Wasserstellen, Schwämme, Becher zum Übergießen,
Gartenschläuche, Sprenkelanlagen, Nebelduschen oder provisorische Wasserbrausen
können eine spürbare Entlastung bringen. Auch im Start- und Zielbereich sollten
Schattenzonen, Wasser und Rückzugsmöglichkeiten eingeplant werden. Hitze
betrifft nicht nur die Läufer. Auch Streckenposten, Kampfrichter, Helfer,
Zuschauer und das Organisationsteam selbst stehen unter Belastung.
Eine Absage darf dabei kein
Tabu sein. Sie ist nicht automatisch ein Zeichen von Schwäche oder schlechter
Organisation. Im Gegenteil: Eine rechtzeitige Absage kann Ausdruck einer
verantwortungsvollen Veranstaltungsleitung sein. Das gilt besonders dann, wenn
die medizinische Versorgung nicht mehr ausreichend gewährleistet werden kann,
die Strecke zu wenig Schutz bietet oder die Bedingungen für ein großes
Teilnehmerfeld nicht mehr seriös beherrschbar sind.
Gleichzeitig muss man den
Laufsport nicht bei jedem heißen Tag einstellen. Es geht nicht darum, aus jeder
Sommerveranstaltung ein Problem zu machen. Es geht darum, Hitze ernst zu nehmen
und die Veranstaltung entsprechend anzupassen. Wer gut vorbereitet ist, kann
auch bei warmen Bedingungen laufen. Wer an Hitze gewöhnt ist, sein Tempo
reduziert und auf seinen Körper hört, kommt in der Regel deutlich besser zurecht
als jemand, der unvorbereitet an den Start geht und trotzdem eine Bestzeit
erzwingen will.
Genau hier liegt auch die
Verantwortung der Teilnehmer. Ein Wettkampf bei Hitze ist kein Experiment. Wer
in den Tagen zuvor krank war, Kreislaufprobleme hat, schlecht geschlafen hat
oder sich nicht an Hitze gewöhnt hat, sollte seinen Start sehr kritisch
hinterfragen. Auch falscher Ehrgeiz kann gefährlich werden. Bei hohen
Temperaturen ist es keine Schwäche, langsamer zu laufen, Gehpausen einzulegen
oder aus dem Rennen auszusteigen. Es ist Vernunft.
Veranstalter sollten diese
Botschaft deutlich aussprechen. Nicht belehrend, aber klar. Wer unvorbereitet
und aus völliger Selbstüberschätzung an den Start geht, riskiert nicht nur die
eigene Gesundheit. Im Ernstfall belastet er auch Helfer, Sanitätsdienst,
Organisation und die gesamte Veranstaltung. Ein hitzebedingter Notfall ist nie
nur ein persönliches Problem. Er betrifft immer alle Beteiligten.
Darum gehört zu einem guten
Hitzekonzept auch eine klare Kommunikation. Teilnehmer müssen vorab wissen,
welche Bedingungen erwartet werden, welche Maßnahmen der Veranstalter trifft und
was von ihnen selbst erwartet wird. Dazu zählt auch der Hinweis, dass Bestzeiten
bei großer Hitze zweitrangig sind. Der wichtigste Erfolg ist dann nicht die
persönliche Rekordzeit, sondern ein sicherer Zieleinlauf.
Am Ende geht es um eine
Balance. Laufveranstaltungen sollen möglich bleiben, auch wenn es warm wird.
Aber sie müssen so organisiert sein, dass Hitze nicht unterschätzt wird. Der
Veranstalter trägt Verantwortung für Planung, Sicherheit und Versorgung. Die
Teilnehmer tragen Verantwortung für Vorbereitung, Selbsteinschätzung und
vernünftiges Verhalten im Rennen.
Hitze wird den Laufsport weiter
begleiten. Darauf müssen sich Vereine, Veranstalter und Läufer einstellen. Nicht
panisch, aber konsequent. Denn ein Lauf bei hohen Temperaturen kann
funktionieren, wenn alle Beteiligten vorbereitet sind. Er darf aber niemals zur
Bühne für Selbstüberschätzung werden.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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