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Saunieren: Warum Hitze für Läufer mehr ist als Wellness |
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Saunieren: Warum Hitze für Läufer mehr ist als Wellness
Es gibt Tage, an denen ein Lauf nicht
mit einem Hochgefühl endet, sondern mit schweren Beinen, nassen Schuhen und dem
leisen Zweifel, ob das heute wirklich Training oder eher Kampf war. Draußen war
es kalt, windig oder einfach nur ungemütlich. Der lange Lauf steckt noch in den
Knochen. Die Uhr ist gestoppt, der Plan erfüllt, aber der Körper ist noch nicht
wieder angekommen.
Und dann ist da dieser Raum aus Holz.
Warm, still, direkt. Man setzt sich hin, atmet aus und merkt nach wenigen
Minuten, wie der Körper auf eine ganz andere Art zu arbeiten beginnt. Kein
Schritt, keine Pace, kein Blick auf die Zwischenzeit. Nur Wärme, Schweiß und
Ruhe.
Für viele Läuferinnen und Läufer ist
Sauna vor allem Belohnung. Etwas, das man sich nach dem Training gönnt. Ein
Ritual im Winter. Ein kleiner Luxus nach der Dusche. Doch Saunieren ist mehr als
Wellness. Der Körper reagiert auf Hitze erstaunlich aktiv. Der Puls steigt, die
Blutgefäße weiten sich, die Haut wird stärker durchblutet, Schweiß kühlt den
Körper. Was sich äußerlich nach Nichtstun anfühlt, ist innerlich ein deutlicher
Reiz.
Genau deshalb lohnt sich ein genauerer
Blick. Nicht, weil Sauna plötzlich das neue Wundertraining wäre. Sondern weil
sie für Ausdauersportler eine sinnvolle Ergänzung sein kann, wenn man sie
richtig einsetzt.
Die Finnen haben nicht zufällig eine Saunakultur
Wer über Sauna spricht, landet fast
zwangsläufig in Finnland. Dort ist Sauna kein Wellnesstrend, sondern Teil des
Alltags. Man geht nicht in die Sauna, um etwas Besonderes zu inszenieren. Man
geht, weil sie zur Kultur gehört. Vielleicht ist genau das der Grund, warum aus
Finnland einige der bekanntesten Daten zum Thema stammen.
Besonders häufig zitiert wird die
Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor Study, die 2015 im Fachjournal JAMA
Internal Medicine veröffentlicht wurde. Dafür wurden 2.315 Männer aus
Ostfinnland über einen Zeitraum von im Mittel 20,7 Jahren beobachtet. Die Männer
waren zu Beginn zwischen 42 und 60 Jahre alt. Untersucht wurde, ob Häufigkeit
und Dauer von Saunagängen mit tödlichen Herz-Kreislauf-Ereignissen und der
Gesamtsterblichkeit zusammenhängen.
Die Ergebnisse sorgten für
Aufmerksamkeit. Männer, die vier bis sieben Mal pro Woche in die Sauna gingen,
hatten im Vergleich zu Männern mit nur einem Saunagang pro Woche ein um rund 40
Prozent geringeres Risiko, im Beobachtungszeitraum zu sterben. Auch das Risiko
für plötzlichen Herztod, tödliche koronare Herzerkrankungen und tödliche
Herz-Kreislauf-Erkrankungen lag in dieser Gruppe deutlich niedriger.
Das klingt spektakulär. Und ja, diese
Zahlen sind bemerkenswert. Trotzdem muss man sauber bleiben. Die Studie zeigt
einen starken Zusammenhang, aber sie beweist nicht, dass Sauna allein das Leben
verlängert. Menschen, die regelmäßig saunieren, unterscheiden sich
möglicherweise auch in anderen Punkten: Lebensstil, Bewegung, Ernährung,
Stressverhalten, Schlaf oder soziale Einbindung.
Gerade deshalb sollte man die Studie
weder überhöhen noch wegwischen. Sie ist kein Freifahrtschein für einfache
Gesundheitsversprechen, aber ein ernstzunehmender Hinweis. Regelmäßige
Hitzereize scheinen im Körper etwas auszulösen, das gut zu dem passt, was
Sportwissenschaft und Herz-Kreislauf-Forschung seit Jahren beobachten: Der
Organismus wird stärker, wenn er vernünftige Reize bekommt und anschließend
ausreichend Zeit hat, sich anzupassen.
Hitze ist ein Trainingsreiz, aber kein Ersatz für Training
Läufer kennen Belastungsreize. Ein
Tempodauerlauf fordert anders als ein langer Lauf. Berganläufe setzen andere
Impulse als ein lockerer Dauerlauf. Krafttraining belastet Muskeln, Sehnen und
Koordination. Sauna belastet ebenfalls, nur ohne Stoßbelastung. Das macht sie
interessant.
In der Sauna muss der Körper
Temperatur regulieren. Die Haut wird stärker durchblutet, der Puls steigt,
Schweißproduktion setzt ein. Das Herz arbeitet spürbar, obwohl man sitzt. Für
gesunde Menschen ist das meist gut verträglich, solange man vernünftig damit
umgeht. Für den Körper ist es eine kontrollierte Stresssituation.
Genau darin liegt die Parallele zum
Training. Nicht jeder Stress ist schlecht. Entscheidend ist die Dosis. Ein
Intervalltraining kann stark machen, wenn es in den Plan passt. Es kann aber
auch zerstören, wenn es zur falschen Zeit kommt. Mit Sauna ist es ähnlich. Nach
einem lockeren Lauf kann sie angenehm und sinnvoll sein. Nach einem
Hitzewettkampf, einem völlig entleerten langen Lauf oder bei beginnendem Infekt
ist sie keine Heldentat, sondern eher ein zusätzlicher Risikofaktor.
Sauna ersetzt keinen Kilometer, kein
Techniktraining und keine Grundlage. Sie kann aber ein Baustein sein. Einer, der
den Körper fordert, ohne die Gelenke weiter zu belasten.
Was Läufer daraus ziehen können
Besonders interessant wird Sauna, wenn
man sie als mildes Hitzetraining betrachtet. Wer schon einmal bei warmem Wetter
einen Halbmarathon oder Marathon gelaufen ist, weiß: Hitze verändert alles.
Plötzlich reicht die gewohnte Form nicht mehr. Der Puls steigt früher, das Tempo
fühlt sich härter an, der Kopf wird unruhig. Wer nicht vorbereitet ist, bezahlt
irgendwann.
Studien mit Ausdauersportlern deuten
darauf hin, dass Saunagänge nach dem Training die Anpassung an Hitze
unterstützen können. In einer Untersuchung mit männlichen Distanzläufern führte
ein dreiwöchiger Block mit Saunagängen nach dem Training zu einer deutlichen
Verbesserung der Laufzeit bis zur Erschöpfung. Gleichzeitig nahm das
Plasmavolumen zu. Mehr Plasmavolumen kann helfen, den Kreislauf stabiler zu
halten und Wärme besser abzugeben.
Eine weitere Studie mit trainierten
Mittelstreckenläuferinnen und Mittelstreckenläufern kam ebenfalls zu
interessanten Ergebnissen. Nach drei Wochen Training plus Sauna nach dem Lauf
zeigten sich Verbesserungen bei der Hitzetoleranz und bei mehreren
Leistungsmarkern. Die Läuferinnen und Läufer reagierten bei Belastung in der
Wärme günstiger, unter anderem mit niedrigerer Herzfrequenz.
Das heißt nicht, dass jeder
Freizeitläufer sofort ein wissenschaftliches Hitzeblockprogramm braucht. Aber es
zeigt: Sauna ist nicht nur Entspannung. Sie kann, klug eingebaut, eine
praktische Form der Hitzeanpassung sein. Besonders vor Sommerläufen,
Marathonstarts mit warmer Prognose oder Reisen in wärmere Regionen kann das
relevant werden.
Regeneration beginnt nicht erst mit der Massagepistole
Im Laufsport wird Regeneration oft
technisch gedacht. Kompressionsstrümpfe, Eisbäder, Massagepistolen,
Schlaftracker, Nahrungsergänzung, Kältebecken. All das kann seinen Platz haben.
Manchmal wird dabei aber übersehen, dass Regeneration auch mit einem einfachen
Zustand beginnt: runterfahren.
Sauna kann genau das leisten. Sie
zwingt zur Unterbrechung. Man sitzt. Man schwitzt. Man redet wenig oder gar
nicht. Das Handy bleibt draußen. Der Körper bekommt Wärme, der Kopf bekommt
Abstand.
Viele Läufer berichten, dass sich die
Muskulatur nach der Sauna lockerer anfühlt. Das ist plausibel. Wärme entspannt,
die Durchblutung steigt, das subjektive Wohlbefinden nimmt zu. Wissenschaftlich
sollte man trotzdem vorsichtig bleiben. Nicht jeder angenehme Effekt bedeutet
automatisch schnellere Reparatur im Muskel. Und nicht jede Studie zeigt klare
Vorteile für die akute Regeneration.
Für die Praxis ist das aber kein
Widerspruch. Sauna muss nicht alles können, um sinnvoll zu sein. Wenn sie hilft,
nach dem Training in die Ruhe zu kommen, besser abzuschalten und den Körper
bewusster wahrzunehmen, ist das bereits ein Wert. Gerade Läufer, die im Alltag
viel leisten, profitieren nicht nur von weiteren Reizen, sondern auch von
Ritualen, die Entlastung schaffen.
Der Detox-Mythos gehört in die Tonne
So wohltuend Sauna sein kann, so
hartnäckig halten sich einige falsche Versprechen. Eines davon heißt Detox. Es
klingt modern, gesund und irgendwie überzeugend. Man schwitzt, also muss etwas
raus. So einfach ist es aber nicht.
Natürlich verliert der Körper in der
Sauna Flüssigkeit. Je nach Dauer, Temperatur und individueller Schweißrate kann
das erheblich sein. Aber Schweiß ist kein magischer Reinigungsstrom. Die
Hauptarbeit bei der Entgiftung leisten Leber und Nieren. Wer nach der Sauna
weniger wiegt, hat vor allem Wasser verloren. Kein Fett. Keine schlechte
Ernährung. Keine Sünden der vergangenen Woche.
Für Läufer ist dieser Punkt besonders
wichtig. Viele kommen bereits leicht dehydriert aus dem Training. Wer dann noch
mehrere Saunagänge anhängt und zu wenig trinkt, tut sich keinen Gefallen.
Kopfschmerzen, Schwindel, schwere Beine oder ein ungewöhnlich hoher Ruhepuls am
nächsten Morgen können Hinweise sein, dass die Belastung zu viel war.
Sauna ist kein Trick zum Abnehmen. Sie
ist auch keine Abkürzung zur Gesundheit. Sie ist ein Wärmereiz. Und wie jeder
Reiz braucht sie Maß.
Wie man Sauna in den Laufalltag einbaut
Der häufigste Fehler sportlicher
Menschen ist, aus allem einen Wettbewerb zu machen. Auch aus der Sauna. Wer
sitzt am längsten oben? Wer geht am kältesten duschen? Wer hält noch einen
Aufguss aus? Das mag für den Stammtisch taugen, nicht für vernünftiges Training.
Für Einsteiger reichen fünf bis zehn
Minuten völlig aus. Wer Sauna gewohnt ist, kann länger bleiben, sollte aber
nicht gegen den Körper arbeiten. Bei Schwindel, Unwohlsein, Herzrasen oder
Atemproblemen ist Schluss. Danach langsam abkühlen, trinken und dem Körper Zeit
geben.
Für Läufer bietet sich Sauna besonders
nach lockeren Einheiten an. Ein ruhiger Dauerlauf, anschließend trinken, kurz
herunterkommen und dann ein oder zwei moderate Saunagänge. Das kann gut passen.
Auch an Regenerationstagen kann Sauna sinnvoll sein, wenn sie nicht wieder zum
Belastungsprojekt wird.
Nach harten Intervallen, langen Läufen
bei Hitze oder Wettkämpfen sollte man vorsichtiger sein. Der Körper ist dann
ohnehin gefordert. Wer dehydriert, erschöpft oder kreislaufmäßig angeschlagen
ist, braucht zuerst Flüssigkeit, Kohlenhydrate, Ruhe und Abkühlung. Sauna kann
warten.
Vor wichtigen Wettkämpfen gilt die
alte Läuferregel: nichts Neues ausprobieren. Wer Sauna gewohnt ist, kann sein
Ritual beibehalten. Wer sie nicht gewohnt ist, sollte nicht zwei Tage vor dem
Marathon damit beginnen.
Für wen Vorsicht gilt
Für gesunde Menschen ist Saunieren in
der Regel gut verträglich, wenn sie vernünftig damit umgehen. Trotzdem gibt es
Grenzen. Wer Herz-Kreislauf-Erkrankungen, stark erhöhten oder sehr niedrigen
Blutdruck, frische Infekte, Fieber, neurologische Erkrankungen oder relevante
Medikamente hat, sollte ärztlich abklären, ob Sauna sinnvoll ist.
Auch Alkohol und Sauna sind keine gute
Kombination. Alkohol beeinflusst Kreislauf, Flüssigkeitshaushalt und
Risikowahrnehmung. Was in geselliger Runde harmlos wirken kann, wird in der
Hitze schnell unvernünftig.
Und noch etwas: Ein Infekt lässt sich
nicht ausschwitzen. Wer krank ist, gehört nicht in die Sauna und nicht ins
Training. Der Körper braucht dann keine Zusatzreize, sondern Erholung.
Warum Sauna so gut zum Laufen passt
Vielleicht passt Sauna deshalb so gut
zum Laufen, weil sie eine Gegenbewegung ist. Laufen ist Vorwärtsdrang. Sauna ist
Stillstand. Laufen misst Zeit, Strecke, Tempo. Sauna entzieht sich dieser Logik.
Man kann dort nichts gewinnen, außer vielleicht ein besseres Gefühl für sich
selbst.
In einer Sportwelt, in der immer mehr
gemessen wird, ist das nicht wenig. Viele Läuferinnen und Läufer wissen sehr
genau, welche Pace sie bei Kilometer 13 gelaufen sind, aber nicht immer, wie
müde sie wirklich sind. Sauna kann ein Ort sein, an dem man den Körper wieder
wahrnimmt, ohne ihn sofort bewerten zu müssen.
Der Nutzen liegt also nicht nur in
Studienwerten, Plasmavolumen oder Herzfrequenz. Er liegt auch im Ritual. Im
bewussten Ende einer Einheit. Im Übergang vom Leisten zum Loslassen.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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