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Unstoppable in Delmenhorst: Dietmar Stoppenbach läuft zu DM-Bronze |
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Siegerehrung
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Dietmar Stoppenbach holt Bronze |
Gluthitze, Gewitter und mehr als zwei Stunden Rennunterbrechung: Die Deutsche
Meisterschaft im 24-Stunden-Lauf verlangte den Teilnehmenden alles ab. Dietmar
Stoppenbach vom TV Refrath trotzte nicht nur den Bedingungen, sondern auch einer
alles andere als idealen Vorbereitung. Nach 175,139 Kilometern durfte er über
Bronze in der Altersklasse M55 jubeln. Vereinskollege Niklas von der Assen
erlebte unterdessen ein Rennen voller Zweifel und meldete sich am Morgen
eindrucksvoll zurück.
Es ist kurz nach halb sechs am
Sonntagmorgen, als sich das Feld auf den Graftwiesen in Delmenhorst erneut in
Bewegung setzt. Eigentlich sind die Läuferinnen und Läufer zu diesem Zeitpunkt
seit fast 18 Stunden im Rennen. Doch mehr als zwei Stunden davon haben sie nicht
auf dem rund 1,34 Kilometer langen Rundkurs, sondern in einer nahe gelegenen
Turnhalle verbracht.
Ein aufziehendes Gewitter hatte
die Veranstalter gegen drei Uhr nachts gezwungen, den Wettbewerb zu
unterbrechen. Nun folgt der zweite Start. Die Beine sind müde, der Körper ist
aus dem Rhythmus, doch für einige Teilnehmende wirkt die Pause wie ein Neustart.
Zu ihnen gehören Dietmar
Stoppenbach und Niklas von der Assen vom TV Refrath running team. Beide fühlen
sich nach der Unterbrechung erstaunlich frisch. Was daraus entsteht, hätte
wenige Stunden zuvor wohl keiner von ihnen erwartet.
Aus vier gemeldeten Läufern werden zwei
Ursprünglich wollte der TV
Refrath mit vier Athleten zur Deutschen Meisterschaft reisen. Neben Stoppenbach
und von der Assen waren Alexander Hörniß und Manuel Skopnik gemeldet. Beide
wurden im Vorbericht der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung als Kandidaten für
vordere Platzierungen genannt, mussten jedoch kurzfristig absagen.
Damit blieben nur Stoppenbach
und von der Assen übrig. Zwei Läufer mit unterschiedlichen Voraussetzungen und
zwei Rennverläufe, die kaum gegensätzlicher hätten sein können.
Der Burginsellauf zählt seit
Jahren zu den festen Größen im deutschen Ultrakalender. Gelaufen wird auf einem
flachen und verkehrsfreien Rundkurs durch das Parkgelände rund um die Burginsel.
Viele Abschnitte liegen unter Bäumen. An diesem Wochenende ist der Schatten mehr
als nur angenehm, denn bereits zum Start am Samstagmittag herrschen Temperaturen
von bis zu 37 Grad.
Der Veranstalter hat auf die
Hitze reagiert. Kaltes Wasser, Schwämme und eine Rieseldusche entlang der
Strecke sorgen regelmäßig für Abkühlung. Die Getränke werden gekühlt ausgegeben.
Ohne diese Maßnahmen wäre das Rennen für viele kaum zu bewältigen gewesen.
Kurz vor dem Start erhalten die
beiden Refrather noch wertvolle Hinweise von Ultramarathon-Urgestein Michael
Irrgang. Seine wichtigste Empfehlung: frühzeitig Gehpausen einbauen und nicht
erst warten, bis der Körper sie erzwingt. Stoppenbach und von der Assen nehmen
sich den Rat zu Herzen, setzen ihn im Rückblick jedoch etwas seltener um, als es
bei diesen Bedingungen sinnvoll gewesen wäre.
Stoppenbach bringt sich früh in Position
Die ersten Stunden verlaufen
dennoch vielversprechend. Beide finden ein kontrolliertes Tempo und kommen gut
in den für einen 24-Stunden-Lauf so wichtigen Rhythmus.
Stoppenbach läuft von Beginn an
konzentriert und unauffällig. Er vermeidet unnötige Tempowechsel, versorgt sich
regelmäßig und arbeitet eine Runde nach der anderen ab. Schon früh zeichnet sich
ab, dass er in der Altersklasse M55 um eine Medaille kämpfen kann.
Bei Niklas von der Assen wird
die Lage komplizierter. Seine Altersklasse M40 ist stark besetzt, eine vordere
Platzierung rückt schnell in weite Ferne. Damit verliert auch das ursprüngliche
sportliche Ziel an Bedeutung.
Das kann bei einem
24-Stunden-Lauf zum Problem werden. Wer über Stunden auf einem kurzen Rundkurs
unterwegs ist, braucht nicht nur Ausdauer, sondern immer wieder einen Grund, die
nächste Runde zu beginnen. Fehlt dieser Grund, werden selbst wenige Kilometer
plötzlich lang.
Nach Sonnenuntergang
verschwindet zwar die direkte Sonneneinstrahlung, doch die Temperaturen bleiben
zunächst hoch. Von der Assen gerät zunehmend in ein Motivationsloch. Schließlich
korrigiert er sein Ziel deutlich nach unten: 100 Kilometer erreichen, dann
aufhören.
In diesem Moment ist das kein
Zeichen von Schwäche, sondern eine Möglichkeit, das Rennen gedanklich wieder
beherrschbar zu machen. Nicht mehr bis Sonntagmittag denken. Nur noch bis
Kilometer 100.
Das Gewitter verändert das Rennen
Als die Rennleitung den
Wettbewerb gegen drei Uhr nachts unterbricht, steht von der Assen bei etwa 97
Kilometern. Lediglich drei Kilometer fehlen noch zu seinem inzwischen einzigen
Ziel.
Mehr als zwei Stunden
verbringen die Teilnehmenden in der Turnhalle. Die Pause nimmt ihnen den
Rhythmus, schenkt den Beinen aber zugleich eine unerwartete Erholung. Als das
Rennen um 5.30 Uhr fortgesetzt wird, will von der Assen nur noch die fehlenden
drei Kilometer absolvieren.
Doch im Licht des neuen Morgens
verändert sich seine Stimmung. Die Beine fühlen sich besser an als erwartet, der
Kopf wird wieder klar. Kaum sind die 100 Kilometer erreicht, entsteht ein neues
Ziel: 100 vollständige Runden.
Auch dabei bleibt es nicht.
Von der Assen läuft weiter,
immer weiter. Am Ende stehen 145,460 Kilometer und mehr als 108 absolvierte
Runden in der Ergebnisliste. Damit belegt er den 40. Gesamtrang, wird 33. bei
den Männern und Siebter in der M40.
Das stärkste Zeichen setzt er
ganz zum Schluss. Seine letzten drei Runden sind zugleich die schnellsten des
gesamten Rennens. Nach einem Tag voller Hitze, Müdigkeit und Zweifel absolviert
er sie im Schnitt von rund 4:30 Minuten pro Kilometer.
Wenige Stunden zuvor wollte er
nach 100 Kilometern aussteigen. Nun beendet er das Rennen mit einem Tempo, das
viele Läufer bereits zu Beginn nicht erreicht hätten.
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Niklas von
der Assen und Dietmar Stoppenbach |
Bronze trotz schwieriger Vorbereitung
Während von der Assen durch
große mentale Schwankungen geht, bleibt Dietmar Stoppenbach seinem Rhythmus
treu. Dabei war seine Vorbereitung alles andere als optimal.
Eine Knieoperation hatte seine
Trainingsplanung erheblich beeinträchtigt. Lange Läufe und die für einen
24-Stunden-Wettkampf notwendige Gewöhnung an stundenlange Belastungen waren nur
eingeschränkt möglich. Unter normalen Umständen ist das eine denkbar schlechte
Voraussetzung für eine Deutsche Meisterschaft.
Stoppenbach lässt sich davon
jedoch nichts anmerken. Er läuft kontrolliert, vermeidet Übermut und versucht
nicht, fehlende Trainingskilometer durch ein zu hohes Tempo auszugleichen. Seine
Stärke liegt an diesem Wochenende in der Beständigkeit.
Runde für Runde verteidigt er
seine Position in der M55. Auch als die Temperaturen am Sonntag wieder steigen,
bleibt er im Rennen.
Nach 24 Stunden werden für ihn
175,139 Kilometer gewertet. Stoppenbach erreicht damit den zwölften Gesamtrang,
wird Zehnter bei den Männern und gewinnt Bronze in seiner Altersklasse. Nur Dirk
Minnebusch mit 189,168 Kilometern und Klaus Haake mit 182,359 Kilometern legen
in der M55 eine größere Distanz zurück.
Aus "Stoppi", wie ihn seine
Vereinskollegen nennen, wird in Delmenhorst "Un-Stoppible".
Ein Geburtstag an der Strecke
Einen wichtigen Anteil am
Erfolg der beiden Refrather hat Simone van Raak. Die Vereinskollegin ist eigens
nach Delmenhorst gereist, um Stoppenbach und von der Assen während des gesamten
Rennens zu unterstützen.
Bei einem 24-Stunden-Lauf
bedeutet Betreuung weit mehr, als gelegentlich eine Trinkflasche anzureichen.
Mit zunehmender Renndauer verändern sich die Bedürfnisse. Mal sind Getränke
gefragt, dann Gels, Nudeln oder Rührei. Hinzu kommen Kühlung, trockene Kleidung,
Motivation und die Fähigkeit, auch in schwierigen Momenten die richtigen Worte
zu finden.
Van Raak übernimmt all das. Sie
bleibt große Teile der Nacht wach, organisiert die Verpflegung und sorgt für
gute Stimmung an der Strecke. Dabei erlebt sie sogar den Beginn ihres eigenen
Geburtstags auf den Graftwiesen. Statt zu feiern, kümmert sie sich weiter um
ihre beiden Vereinskollegen.
Ohne ihre Unterstützung wäre
die Nacht für beide deutlich härter geworden.
Mehr als die Summe der Kilometer
Die Gesamtsiege bei der
Deutschen Meisterschaft gehen an Matthias Krah mit 211,884 Kilometern und an
Titelverteidigerin Katrin Ochs, die 202,469 Kilometer erreicht. Trotz der
extremen Hitze und der nächtlichen Unterbrechung übertreffen vier Athletinnen
und Athleten die Marke von 200 Kilometern.
Doch auch weiter hinten im Feld
entstehen Geschichten, die in Erinnerung bleiben.
Dietmar Stoppenbach gewinnt
nach einer Knieoperation und mit einer stark eingeschränkten Vorbereitung eine
Bronzemedaille. Niklas von der Assen kämpft sich aus einem tiefen
Motivationsloch, verwirft seinen geplanten Ausstieg und läuft fast 50 Kilometer
weiter als zunächst vorgesehen.
Dazwischen liegen ein heißer
Tag, eine schlaflose Nacht, mehr als hundert Runden und ein Gewitter, das das
Rennen für über zwei Stunden zum Stillstand bringt.
Der Burginsellauf zeigt damit
erneut, weshalb der 24-Stunden-Lauf eine besondere Disziplin ist. Es geht nicht
allein darum, möglichst viele Kilometer zu sammeln. Entscheidend ist die
Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren, Krisen auszuhalten und Ziele neu zu
setzen.
Für Stoppenbach führt dieser
Weg zu DM-Bronze. Von der Assen findet nach einer schwierigen Nacht noch einmal
zu neuer Stärke. Und Simone van Raak beweist, wie wichtig die Menschen sind, die
bei einem solchen Rennen nicht auf der Strecke, sondern an ihrem Rand alles
geben.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Foto: TV Refrath
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