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Unstoppable in Delmenhorst: Dietmar Stoppenbach läuft zu DM-Bronze
 
 
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09.07.2026  

 
 

Siegerehrung - Dietmar Stoppenbach holt Bronze

 
Gluthitze, Gewitter und mehr als zwei Stunden Rennunterbrechung: Die Deutsche Meisterschaft im 24-Stunden-Lauf verlangte den Teilnehmenden alles ab. Dietmar Stoppenbach vom TV Refrath trotzte nicht nur den Bedingungen, sondern auch einer alles andere als idealen Vorbereitung. Nach 175,139 Kilometern durfte er über Bronze in der Altersklasse M55 jubeln. Vereinskollege Niklas von der Assen erlebte unterdessen ein Rennen voller Zweifel und meldete sich am Morgen eindrucksvoll zurück.
 
Es ist kurz nach halb sechs am Sonntagmorgen, als sich das Feld auf den Graftwiesen in Delmenhorst erneut in Bewegung setzt. Eigentlich sind die Läuferinnen und Läufer zu diesem Zeitpunkt seit fast 18 Stunden im Rennen. Doch mehr als zwei Stunden davon haben sie nicht auf dem rund 1,34 Kilometer langen Rundkurs, sondern in einer nahe gelegenen Turnhalle verbracht.
 
Ein aufziehendes Gewitter hatte die Veranstalter gegen drei Uhr nachts gezwungen, den Wettbewerb zu unterbrechen. Nun folgt der zweite Start. Die Beine sind müde, der Körper ist aus dem Rhythmus, doch für einige Teilnehmende wirkt die Pause wie ein Neustart.
 
Zu ihnen gehören Dietmar Stoppenbach und Niklas von der Assen vom TV Refrath running team. Beide fühlen sich nach der Unterbrechung erstaunlich frisch. Was daraus entsteht, hätte wenige Stunden zuvor wohl keiner von ihnen erwartet.

Aus vier gemeldeten Läufern werden zwei
 
Ursprünglich wollte der TV Refrath mit vier Athleten zur Deutschen Meisterschaft reisen. Neben Stoppenbach und von der Assen waren Alexander Hörniß und Manuel Skopnik gemeldet. Beide wurden im Vorbericht der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung als Kandidaten für vordere Platzierungen genannt, mussten jedoch kurzfristig absagen.
 
Damit blieben nur Stoppenbach und von der Assen übrig. Zwei Läufer mit unterschiedlichen Voraussetzungen und zwei Rennverläufe, die kaum gegensätzlicher hätten sein können.
 
Der Burginsellauf zählt seit Jahren zu den festen Größen im deutschen Ultrakalender. Gelaufen wird auf einem flachen und verkehrsfreien Rundkurs durch das Parkgelände rund um die Burginsel. Viele Abschnitte liegen unter Bäumen. An diesem Wochenende ist der Schatten mehr als nur angenehm, denn bereits zum Start am Samstagmittag herrschen Temperaturen von bis zu 37 Grad.
 
Der Veranstalter hat auf die Hitze reagiert. Kaltes Wasser, Schwämme und eine Rieseldusche entlang der Strecke sorgen regelmäßig für Abkühlung. Die Getränke werden gekühlt ausgegeben. Ohne diese Maßnahmen wäre das Rennen für viele kaum zu bewältigen gewesen.
 
Kurz vor dem Start erhalten die beiden Refrather noch wertvolle Hinweise von Ultramarathon-Urgestein Michael Irrgang. Seine wichtigste Empfehlung: frühzeitig Gehpausen einbauen und nicht erst warten, bis der Körper sie erzwingt. Stoppenbach und von der Assen nehmen sich den Rat zu Herzen, setzen ihn im Rückblick jedoch etwas seltener um, als es bei diesen Bedingungen sinnvoll gewesen wäre.
 
Stoppenbach bringt sich früh in Position
 
Die ersten Stunden verlaufen dennoch vielversprechend. Beide finden ein kontrolliertes Tempo und kommen gut in den für einen 24-Stunden-Lauf so wichtigen Rhythmus.
 
Stoppenbach läuft von Beginn an konzentriert und unauffällig. Er vermeidet unnötige Tempowechsel, versorgt sich regelmäßig und arbeitet eine Runde nach der anderen ab. Schon früh zeichnet sich ab, dass er in der Altersklasse M55 um eine Medaille kämpfen kann.
 
Bei Niklas von der Assen wird die Lage komplizierter. Seine Altersklasse M40 ist stark besetzt, eine vordere Platzierung rückt schnell in weite Ferne. Damit verliert auch das ursprüngliche sportliche Ziel an Bedeutung.
 
Das kann bei einem 24-Stunden-Lauf zum Problem werden. Wer über Stunden auf einem kurzen Rundkurs unterwegs ist, braucht nicht nur Ausdauer, sondern immer wieder einen Grund, die nächste Runde zu beginnen. Fehlt dieser Grund, werden selbst wenige Kilometer plötzlich lang.
 
Nach Sonnenuntergang verschwindet zwar die direkte Sonneneinstrahlung, doch die Temperaturen bleiben zunächst hoch. Von der Assen gerät zunehmend in ein Motivationsloch. Schließlich korrigiert er sein Ziel deutlich nach unten: 100 Kilometer erreichen, dann aufhören.
 
In diesem Moment ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Möglichkeit, das Rennen gedanklich wieder beherrschbar zu machen. Nicht mehr bis Sonntagmittag denken. Nur noch bis Kilometer 100.

Das Gewitter verändert das Rennen
 
Als die Rennleitung den Wettbewerb gegen drei Uhr nachts unterbricht, steht von der Assen bei etwa 97 Kilometern. Lediglich drei Kilometer fehlen noch zu seinem inzwischen einzigen Ziel.
 
Mehr als zwei Stunden verbringen die Teilnehmenden in der Turnhalle. Die Pause nimmt ihnen den Rhythmus, schenkt den Beinen aber zugleich eine unerwartete Erholung. Als das Rennen um 5.30 Uhr fortgesetzt wird, will von der Assen nur noch die fehlenden drei Kilometer absolvieren.
 
Doch im Licht des neuen Morgens verändert sich seine Stimmung. Die Beine fühlen sich besser an als erwartet, der Kopf wird wieder klar. Kaum sind die 100 Kilometer erreicht, entsteht ein neues Ziel: 100 vollständige Runden.
 
Auch dabei bleibt es nicht.
 
Von der Assen läuft weiter, immer weiter. Am Ende stehen 145,460 Kilometer und mehr als 108 absolvierte Runden in der Ergebnisliste. Damit belegt er den 40. Gesamtrang, wird 33. bei den Männern und Siebter in der M40.
 
Das stärkste Zeichen setzt er ganz zum Schluss. Seine letzten drei Runden sind zugleich die schnellsten des gesamten Rennens. Nach einem Tag voller Hitze, Müdigkeit und Zweifel absolviert er sie im Schnitt von rund 4:30 Minuten pro Kilometer.
 
Wenige Stunden zuvor wollte er nach 100 Kilometern aussteigen. Nun beendet er das Rennen mit einem Tempo, das viele Läufer bereits zu Beginn nicht erreicht hätten.
 

Niklas von der Assen und Dietmar Stoppenbach

 
Bronze trotz schwieriger Vorbereitung
 
Während von der Assen durch große mentale Schwankungen geht, bleibt Dietmar Stoppenbach seinem Rhythmus treu. Dabei war seine Vorbereitung alles andere als optimal.
 
Eine Knieoperation hatte seine Trainingsplanung erheblich beeinträchtigt. Lange Läufe und die für einen 24-Stunden-Wettkampf notwendige Gewöhnung an stundenlange Belastungen waren nur eingeschränkt möglich. Unter normalen Umständen ist das eine denkbar schlechte Voraussetzung für eine Deutsche Meisterschaft.
 
Stoppenbach lässt sich davon jedoch nichts anmerken. Er läuft kontrolliert, vermeidet Übermut und versucht nicht, fehlende Trainingskilometer durch ein zu hohes Tempo auszugleichen. Seine Stärke liegt an diesem Wochenende in der Beständigkeit.
 
Runde für Runde verteidigt er seine Position in der M55. Auch als die Temperaturen am Sonntag wieder steigen, bleibt er im Rennen.
 
Nach 24 Stunden werden für ihn 175,139 Kilometer gewertet. Stoppenbach erreicht damit den zwölften Gesamtrang, wird Zehnter bei den Männern und gewinnt Bronze in seiner Altersklasse. Nur Dirk Minnebusch mit 189,168 Kilometern und Klaus Haake mit 182,359 Kilometern legen in der M55 eine größere Distanz zurück.
 
Aus "Stoppi", wie ihn seine Vereinskollegen nennen, wird in Delmenhorst "Un-Stoppible".
 
Ein Geburtstag an der Strecke
 
Einen wichtigen Anteil am Erfolg der beiden Refrather hat Simone van Raak. Die Vereinskollegin ist eigens nach Delmenhorst gereist, um Stoppenbach und von der Assen während des gesamten Rennens zu unterstützen.
 
Bei einem 24-Stunden-Lauf bedeutet Betreuung weit mehr, als gelegentlich eine Trinkflasche anzureichen. Mit zunehmender Renndauer verändern sich die Bedürfnisse. Mal sind Getränke gefragt, dann Gels, Nudeln oder Rührei. Hinzu kommen Kühlung, trockene Kleidung, Motivation und die Fähigkeit, auch in schwierigen Momenten die richtigen Worte zu finden.
 
Van Raak übernimmt all das. Sie bleibt große Teile der Nacht wach, organisiert die Verpflegung und sorgt für gute Stimmung an der Strecke. Dabei erlebt sie sogar den Beginn ihres eigenen Geburtstags auf den Graftwiesen. Statt zu feiern, kümmert sie sich weiter um ihre beiden Vereinskollegen.
 
Ohne ihre Unterstützung wäre die Nacht für beide deutlich härter geworden.
 
Mehr als die Summe der Kilometer
 
Die Gesamtsiege bei der Deutschen Meisterschaft gehen an Matthias Krah mit 211,884 Kilometern und an Titelverteidigerin Katrin Ochs, die 202,469 Kilometer erreicht. Trotz der extremen Hitze und der nächtlichen Unterbrechung übertreffen vier Athletinnen und Athleten die Marke von 200 Kilometern.
 
Doch auch weiter hinten im Feld entstehen Geschichten, die in Erinnerung bleiben.
 
Dietmar Stoppenbach gewinnt nach einer Knieoperation und mit einer stark eingeschränkten Vorbereitung eine Bronzemedaille. Niklas von der Assen kämpft sich aus einem tiefen Motivationsloch, verwirft seinen geplanten Ausstieg und läuft fast 50 Kilometer weiter als zunächst vorgesehen.
 
Dazwischen liegen ein heißer Tag, eine schlaflose Nacht, mehr als hundert Runden und ein Gewitter, das das Rennen für über zwei Stunden zum Stillstand bringt.
 
Der Burginsellauf zeigt damit erneut, weshalb der 24-Stunden-Lauf eine besondere Disziplin ist. Es geht nicht allein darum, möglichst viele Kilometer zu sammeln. Entscheidend ist die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren, Krisen auszuhalten und Ziele neu zu setzen.
 
Für Stoppenbach führt dieser Weg zu DM-Bronze. Von der Assen findet nach einer schwierigen Nacht noch einmal zu neuer Stärke. Und Simone van Raak beweist, wie wichtig die Menschen sind, die bei einem solchen Rennen nicht auf der Strecke, sondern an ihrem Rand alles geben.

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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
Foto: TV Refrath

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