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Wenn der Magen beim Laufen rebelliert: Ursachen, Hilfe und Vorbeugung |
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Übelkeit
beim Laufen ist unangenehm, lässt sich mit der richtigen Vorbereitung
aber häufig vermeiden |
Die Beine fühlen sich gut an, das Tempo stimmt, eigentlich läuft alles nach
Plan. Doch plötzlich meldet sich der Magen. Erst ist da nur ein flaues Gefühl,
wenig später wird jeder Schritt unangenehm. Übelkeit beim Laufen kann einen
guten Trainingslauf abrupt beenden und im Wettkampf alle Zeitziele
zunichtemachen. Meist steckt keine Erkrankung dahinter. Ignorieren solltest du
das Signal trotzdem nicht.
Manche Läufer kennen das
Problem nur nach einem harten Intervalltraining. Andere trifft es bei langen
Läufen, an heißen Tagen oder ausgerechnet im Wettkampf. Bei einigen bleibt es
bei einem leichten Unwohlsein, andere müssen stehen bleiben oder sich sogar
übergeben.
Magen-Darm-Beschwerden gehören
im Ausdauersport zu den häufigsten Begleiterscheinungen. Neben Übelkeit
berichten Läufer von Völlegefühl, Aufstoßen, Sodbrennen, Bauchkrämpfen oder
plötzlichem Stuhldrang. Wie stark die Beschwerden ausfallen, hängt nicht nur vom
Essen ab. Auch Tempo, Temperatur, Flüssigkeitszufuhr, Nervosität und die
Laufbewegung selbst spielen eine Rolle.
Die gute Nachricht: Wer den
eigenen Auslöser kennt, bekommt das Problem häufig in den Griff.
Warum ausgerechnet der Magen streikt
Beim Laufen setzt der Körper
klare Prioritäten. Die arbeitende Muskulatur benötigt mehr Sauerstoff und
Energie. Bei Wärme muss zusätzlich Blut zur Haut transportiert werden, damit der
Körper überschüssige Hitze abgeben kann. Die Verdauung rückt in diesem Moment
nach hinten.
Vor allem bei hoher Intensität
wird der Magen-Darm-Trakt schlechter durchblutet. Gleichzeitig kann sich die
Magenentleerung verlangsamen. Nahrung und Getränke bleiben länger im Magen und
erzeugen ein unangenehmes Druckgefühl. Wird das Tempo weiter erhöht, kann daraus
Übelkeit entstehen.
Hinzu kommt die mechanische
Belastung. Bei jedem Schritt wird der Bauchraum erschüttert. Was beim Radfahren
noch problemlos im Magen bleibt, kann beim Laufen plötzlich stören. Fachleute
unterscheiden deshalb drei große Gruppen von Auslösern: körperliche
Veränderungen wie die verringerte Durchblutung, mechanische Belastungen durch
die Laufbewegung und Ernährungsfehler. Häufig kommen mehrere Faktoren
gleichzeitig zusammen.
Häufigster Auslöser: Das Tempo ist zu hoch
Übelkeit tritt besonders oft
bei intensiven Belastungen auf. Typische Situationen sind harte Intervalle,
Bergsprints, Tempodauerläufe, ein zu schneller Wettkampfstart oder ein langer
Endspurt.
Je höher die Belastung, desto
stärker konzentriert sich der Körper auf Herz, Lunge und Muskulatur.
Gleichzeitig steigt die Ausschüttung von Stresshormonen. Die Verdauung wird
weiter gedrosselt, während sich möglicherweise noch Nahrung oder eine größere
Getränkemenge im Magen befindet.
Deshalb wird manchen Läufern
erst auf den letzten Metern eines Wettkampfs schlecht. Sie erhöhen das Tempo,
obwohl der Körper bereits stark belastet ist. Die Übelkeit ist dann nicht
unbedingt ein Zeichen mangelnder Fitness. Sie zeigt vielmehr, dass das aktuelle
Tempo die Grenze dessen überschreitet, was der gesamte Organismus gerade
verarbeiten kann. Hohe Intensitäten verzögern die Magenentleerung eher als
lockere Belastungen.
Tritt das Problem regelmäßig im
Intervalltraining auf, lohnt sich ein Blick auf die Gestaltung der Einheit.
Laufe dich mindestens zehn bis fünfzehn Minuten locker ein, beginne den ersten
schnellen Abschnitt kontrolliert und prüfe, ob die Erholungspausen lang genug
sind. Ein Tempotraining soll fordern. Es muss aber nicht regelmäßig mit
Brechreiz enden.
Zu spät, zu viel oder das Falsche gegessen
Ein voller Magen und schnelles
Laufen sind selten ein gutes Team. Große Portionen sowie fett-, protein- oder
ballaststoffreiche Speisen benötigen Zeit für die Verdauung. Startest du zu
früh, wird die Mahlzeit bei jedem Schritt spürbar.
Wie viel Abstand zwischen Essen
und Training notwendig ist, lässt sich nicht für alle Läufer gleich beantworten.
Als Orientierung gilt: Eine größere Mahlzeit sollte etwa zwei bis vier Stunden
vor dem Lauf gegessen werden. Je umfangreicher und schwerer verdaulich sie ist,
desto länger sollte die Pause ausfallen. Wer empfindlich reagiert, kann vor
wichtigen oder intensiven Einheiten ballaststoffärmer essen.
Auch das andere Extrem kann
Probleme bereiten. Wer morgens nüchtern zu einem langen oder schnellen Lauf
aufbricht, obwohl der Körper daran nicht gewöhnt ist, kann sich schwach,
schwindelig oder übel fühlen. Ein kleiner, vertrauter Snack ist dann oft besser
als gar nichts.
Gut geeignet sind leicht
verdauliche Lebensmittel, die du bereits aus dem Training kennst. Das kann eine
reife Banane, eine Scheibe helles Brot mit Honig oder eine kleine Portion
Haferbrei sein. Entscheidend ist weniger das vermeintlich perfekte
Läuferfrühstück als die persönliche Verträglichkeit.
Der Wettkampfmorgen ist
jedenfalls der falsche Zeitpunkt für Experimente. Was im Internet, im
Hotelbuffet oder auf der Verpackung eines Sportprodukts überzeugend klingt, muss
noch lange nicht zu deinem Magen passen.
Wenn das Trinken selbst zum Problem wird
Viele Läufer verbinden Übelkeit
zunächst mit Flüssigkeitsmangel. Das kann richtig sein, besonders bei Wärme und
langen Belastungen. Doch auch zu viel Flüssigkeit kann Beschwerden verursachen.
Wer kurz vor dem Start noch
große Mengen trinkt, schickt einen gefüllten Magen auf die Strecke. Das Wasser
schwappt bei jedem Schritt, erzeugt Druck und kann zu Aufstoßen oder Übelkeit
führen. Ähnliches passiert, wenn an einer Verpflegungsstelle mehrere Becher
hastig hintereinander geleert werden.
Besser ist es, bereits vor dem
Lauf normal versorgt zu sein und während längerer Einheiten kleinere Mengen
aufzunehmen. Der individuelle Bedarf hängt unter anderem von Dauer, Temperatur,
Tempo und Schweißrate ab. Eine starre Trinkmenge, die für jeden Läufer und jedes
Wetter passt, gibt es nicht.
Mehr zu trinken als der Körper
verliert, ist keineswegs besonders vorsichtig. Bei langen
Ausdauerveranstaltungen kann eine übermäßige Wasseraufnahme den Natriumgehalt
des Blutes gefährlich verdünnen. Eine solche belastungsbedingte Hyponatriämie
kann zunächst mit Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwäche beginnen. Später können
Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen hinzukommen. Trinken nach
Durst ist deshalb für viele Freizeitläufer bei langen Belastungen eine sinnvolle
Orientierung.
Gels, Sportgetränke und ein überforderter Magen
Gels sind praktisch, leicht und
liefern schnell verfügbare Kohlenhydrate. Sie sind aber hoch konzentriert. Wird
ein Gel ohne Wasser eingenommen oder mit einem stark dosierten Sportgetränk
kombiniert, kann die Mischung schwer im Magen liegen.
Auch mehrere Produkte mit
unterschiedlichen Zuckerarten, Aromen, Süßstoffen oder Koffein können die
Verdauung überfordern. Manche Läufer vertragen Fruktose problemlos, andere
reagieren schon auf kleinere Mengen empfindlich. Hoch konzentrierte Getränke
erhöhen bei anfälligen Sportlern ebenfalls das Risiko für
Magen-Darm-Beschwerden.
Im Wettkampf solltest du
deshalb nur das verwenden, was du zuvor unter ähnlichen Bedingungen getestet
hast. Dazu gehören nicht nur Marke und Geschmack, sondern auch die genaue Menge,
der Zeitpunkt und die Kombination mit Wasser.
Der Magen lässt sich in
gewissem Umfang trainieren. Wer bei langen Trainingsläufen regelmäßig kleine
Mengen Kohlenhydrate zuführt und diese langsam steigert, kann die
Verträglichkeit verbessern. Dieses "Darmtraining" ist besonders für Marathon-
und Ultraläufer interessant. Es funktioniert allerdings nicht in der Theorie,
sondern nur durch wiederholtes Ausprobieren während der Belastung.
Hitze verschärft fast jedes Magenproblem
An heißen Tagen arbeitet der
Körper gleichzeitig an mehreren Baustellen. Die Muskulatur braucht Blut, die
Haut muss Wärme abgeben und der Verdauungstrakt soll weiterhin Flüssigkeit und
Energie aufnehmen. Irgendwann wird das System überfordert.
Mit steigender Körpertemperatur
kann sich die Magenentleerung weiter verlangsamen. Dehydrierung und hohe
Belastungsintensität verstärken diesen Effekt. Ein Gel, das bei 15 Grad
problemlos funktioniert, kann bei 30 Grad plötzlich Übelkeit auslösen.
Wird dir bei Hitze schlecht,
solltest du das nicht als gewöhnliche Begleiterscheinung abtun. Übelkeit,
Kopfschmerzen, Schwindel, ungewöhnliche Schwäche, starker Durst und heftiges
Schwitzen können Anzeichen einer Hitzeerschöpfung sein.
Nimm sofort Tempo heraus und
beende den Lauf, wenn sich dein Zustand nicht rasch bessert. Suche einen kühlen
oder schattigen Ort auf, lockere enge Kleidung und beginne mit der Kühlung.
Verwirrtheit, auffälliges Verhalten, Koordinationsprobleme, Krampfanfälle oder
Bewusstlosigkeit sprechen für einen möglichen Hitzschlag. Das ist ein
medizinischer Notfall.
Auch der Kopf läuft mit
Dass Nervosität auf den Magen
schlägt, ist keine Einbildung. Vor einem wichtigen Wettkampf steigt die innere
Anspannung. Der Appetit verschwindet, die Verdauung verändert sich und der Gang
zur Toilette wird häufiger.
Problematisch wird es, wenn zur
Aufregung ein ungewohntes Frühstück, mehr Kaffee als üblich oder ein hektisch
getrunkenes Sportgetränk hinzukommen. Dann beginnt der Wettkampf mit einem
Magen, der bereits gereizt ist.
Eine feste Routine hilft. Stehe
rechtzeitig auf, iss etwas Vertrautes und plane genug Zeit für Anfahrt,
Startunterlagenausgabe, Toilettengang und Aufwärmen ein. Auch ein kontrollierter
Start entlastet den Magen. Wer auf den ersten Kilometern Zeit gewinnen will,
bezahlt dafür später nicht selten einen hohen Preis.
Vorsicht mit Schmerzmitteln
Manche Läufer nehmen vor einem
langen Lauf vorsorglich Ibuprofen oder andere entzündungshemmende Schmerzmittel
ein. Das ist keine harmlose Absicherung.
Solche Medikamente können den
Magen-Darm-Trakt und die Nieren belasten. Das Risiko kann unter langen
Ausdauerbelastungen, bei Hitze oder Flüssigkeitsmangel steigen.
Übersichtsarbeiten zu Magen-Darm-Problemen im Sport raten deshalb von einer
unkritischen Einnahme nichtsteroidaler Entzündungshemmer ab.
Wer nur mithilfe eines
Schmerzmittels laufen kann, sollte nicht das Warnsignal unterdrücken, sondern
die Ursache der Beschwerden klären lassen.
Was du tun solltest, wenn dir beim Laufen schlecht wird
Der erste Schritt ist einfach:
Nimm Tempo heraus. Wechsle ins Gehen und atme möglichst ruhig. Oft beruhigt sich
der Magen, sobald die Belastung sinkt.
Hast du gerade ein Gel, viel
Flüssigkeit oder ein konzentriertes Sportgetränk aufgenommen, solltest du dem
Magen zunächst Zeit geben. Nimm nicht sofort das nächste Produkt zu dir. Bei
Durst sind kleine Schlucke sinnvoller als eine große Menge auf einmal.
Bei Wärme suchst du Schatten
und kühlst dich. Wird die Übelkeit stärker, musst du dich mehrfach übergeben
oder kommen Schwindel, starke Kopfschmerzen, auffällige Schwäche oder
Orientierungsschwierigkeiten hinzu, ist der Lauf beendet.
Auch wenn der Ehrgeiz etwas
anderes sagt: Ein abgebrochenes Training richtet weniger Schaden an als der
Versuch, ein ernstes Warnsignal zu überlaufen.
So findest du deinen persönlichen Auslöser
Wenn dir wiederholt beim Laufen
übel wird, hilft ein kleines Protokoll. Notiere nach den betreffenden Einheiten:
- Zeitpunkt und Zusammensetzung
der letzten Mahlzeit
- Getränke und Sportprodukte
- Trainingsdauer und Intensität
- Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit
- Stress, Nervosität und Schlaf
- Koffein, Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente
- Zeitpunkt, Art und Dauer der Beschwerden
Oft wird nach wenigen Einträgen ein Muster sichtbar. Vielleicht tritt die
Übelkeit immer nach dem gleichen Gel auf, nur bei Intervallen am frühen Morgen
oder sobald du bei Wärme ein bestimmtes Tempo überschreitest.
Verändere anschließend nicht
alles gleichzeitig. Teste zunächst einen Faktor, etwa einen größeren Abstand zur
Mahlzeit oder eine geringere Gelmenge. Nur so erkennst du, was tatsächlich
hilft.
Wann du die Beschwerden
abklären lassen solltest
Gelegentliche leichte Übelkeit
nach einem zu schnellen Intervall oder einer ungünstig gelegenen Mahlzeit ist
meist noch kein Grund zur Sorge. Anders sieht es aus, wenn die Beschwerden
regelmäßig auftreten, bereits bei kurzen und lockeren Läufen beginnen oder trotz
veränderter Ernährung und Belastungssteuerung bestehen bleiben.
Ärztlich abgeklärt werden sollten besonders:
- wiederholtes oder anhaltendes
Erbrechen
- starke oder zunehmende Bauchschmerzen
- Brustschmerzen, Atemnot, Ohnmacht oder Verwirrtheit
- Blut im Erbrochenen oder im Stuhl
- Fieber oder Beschwerden, die auch in Ruhe auftreten
- auffällig dunkler, colaähnlicher Urin nach starker Belastung
- die Unfähigkeit, Flüssigkeit bei sich zu behalten
Nicht jede Übelkeit beim Sport kommt vom Sport selbst. Auch Infekte,
Unverträglichkeiten, Reflux, Migräne, Medikamente oder Erkrankungen des
Verdauungstrakts können dahinterstecken. Besonders Beschwerden, die neu,
ungewöhnlich stark oder zunehmend sind, gehören nicht in ein Trainingsprotokoll,
sondern in medizinische Hände.
Der Magen gehört zum Ausdauersystem
Übelkeit beim Laufen hat selten
nur eine Ursache. Häufig treffen mehrere ungünstige Faktoren aufeinander: etwas
zu schnell gestartet, zu spät gegessen, das Gel zu konzentriert, zu viel auf
einmal getrunken und vielleicht noch ungewöhnlich hohe Temperaturen.
Genau darin liegt die Chance.
Fast alle diese Faktoren lassen sich beeinflussen.
Wer seine Verpflegung im
Training erprobt, das Tempo an Wetter und Tagesform anpasst, ausreichend Abstand
zur Mahlzeit hält und Warnzeichen ernst nimmt, kann viele Magenprobleme
vermeiden.
Denn beim Laufen entscheiden
nicht nur Herz, Lunge und Beine darüber, wie weit und wie schnell du kommst.
Auch der Magen läuft mit. Behandelst du ihn nicht als lästigen Mitfahrer,
sondern als Teil deines Ausdauersystems, bleibt er im entscheidenden Moment
meist ruhig.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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