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Welcher Sport den Blutdruck besonders effektiv senkt |
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Ausdauertraining kann den Blutdruck senken. Besonders wirksam ist die
Kombination mit isometrischen Übungen wie dem Wandsitz. |
Laufen, Radfahren und Schwimmen gelten seit Langem als besonders herzgesund.
Doch ausgerechnet eine Trainingsform, bei der man sich kaum bewegt, schneidet
bei der Senkung des Blutdrucks erstaunlich gut ab. Was hinter dem Ergebnis
steckt und warum Läufer ihre Schuhe trotzdem nicht an den Nagel hängen sollten.
Wer seinen Blutdruck senken
möchte, bekommt meist einen vertrauten Rat: mehr Bewegung. Regelmäßiges
Ausdauertraining stärkt das Herz, verbessert die Durchblutung und kann dazu
beitragen, erhöhte Blutdruckwerte dauerhaft zu reduzieren. Joggen, zügiges
Gehen, Radfahren oder Schwimmen gehören deshalb zu den klassischen Empfehlungen.
Doch welche Sportart wirkt
besonders gut? Eine große wissenschaftliche Auswertung liefert darauf eine
überraschende Antwort. Nicht das schweißtreibende Intervalltraining und auch
nicht der lange Dauerlauf landeten an der Spitze, sondern sogenannte
isometrische Übungen. Dabei werden Muskeln angespannt, ohne dass eine sichtbare
Bewegung stattfindet.
Der überraschende Sieger im Sportartenvergleich
Ein Forschungsteam aus
Großbritannien wertete 270 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt
15.827 Teilnehmenden aus. Verglichen wurden Ausdauertraining, dynamisches
Krafttraining, eine Kombination aus Kraft und Ausdauer, hochintensives
Intervalltraining und isometrisches Training.
Alle untersuchten
Trainingsformen senkten den Ruheblutdruck. Die größten durchschnittlichen
Veränderungen zeigten sich jedoch beim isometrischen Training. Der systolische
Wert sank in der Auswertung im Mittel um 8,24 mmHg, der diastolische Wert um 4
mmHg. Beim klassischen Ausdauertraining betrug die durchschnittliche
Verringerung rund 4,5 beziehungsweise 2,5 mmHg.
Das klingt zunächst nach einem
klaren Sieg. Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht. Die Zahlen stammen
aus vielen unterschiedlichen Studien mit verschiedenen Trainingsprogrammen,
Altersgruppen und Ausgangswerten. Sie zeigen einen statistischen Durchschnitt,
keine Garantie für den einzelnen Menschen. Trotzdem liefern sie einen starken
Hinweis darauf, dass statische Muskelarbeit bei der Behandlung eines erhöhten
Blutdrucks bislang möglicherweise unterschätzt wurde.
Was isometrisches Training eigentlich ist
Bei einer isometrischen Übung
arbeitet der Muskel, ohne dass sich seine Länge deutlich verändert. Ein
bekanntes Beispiel ist der Wandsitz. Dabei lehnt man mit dem Rücken an einer
Wand und hält die Beine in einer gebeugten Position. Auch der Unterarmstütz,
besser bekannt als Plank, gehört in diese Kategorie. Eine weitere Variante ist
das kräftige Zusammendrücken eines speziellen Handtrainers.
Während der Haltephase steigt
die Spannung im Muskel. Die Blutgefäße werden teilweise zusammengedrückt und der
Blutfluss wird vorübergehend eingeschränkt. Sobald die Spannung nachlässt,
strömt wieder mehr Blut durch das Gewebe. Wiederholt sich dieser Vorgang
regelmäßig, können sich Gefäßfunktion und Blutdruckregulation verbessern.
Entscheidend ist dabei nicht,
eine Position möglichst lange unter Schmerzen auszuhalten. Isometrisches
Training zur Blutdrucksenkung folgt in den Studien meist klar dosierten
Belastungs- und Erholungsphasen. Es unterscheidet sich damit deutlich von einem
spontanen Kräftemessen im Fitnessstudio.
Warum Laufen trotzdem eine hervorragende Wahl bleibt
Für Läufer gibt es keinen
Grund, nun sämtliche Dauerläufe gegen den Wandsitz einzutauschen. In der
wissenschaftlichen Auswertung gehörte das Laufen ebenfalls zu den besonders
wirksamen Einzeldisziplinen. Während der Wandsitz beim systolischen Blutdruck am
besten abschnitt, erreichte das Laufen beim diastolischen Wert die höchste
Platzierung.
Der systolische Wert beschreibt
den Druck in den Gefäßen, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in den
Kreislauf pumpt. Der diastolische Wert zeigt den Druck während der
Entspannungsphase des Herzens. Beide Werte sind wichtig und sollten immer
gemeinsam betrachtet werden.
Regelmäßiges Lauftraining hat
außerdem Wirkungen, die weit über die reinen Messwerte hinausgehen. Es
verbessert die Ausdauerleistungsfähigkeit, unterstützt die Gewichtskontrolle,
stärkt den Herzmuskel und kann helfen, Stress abzubauen. Auch zügiges Gehen ist
wirksam und für viele Menschen der bessere Einstieg. Die American Heart
Association empfiehlt Erwachsenen grundsätzlich mindestens 150 Minuten Bewegung
mit moderater Intensität pro Woche oder 75 Minuten intensivere
Ausdauerbelastung. Ergänzend sollte an mindestens zwei Tagen die Muskulatur
trainiert werden.
Die entscheidende Frage lautet
deshalb nicht, ob Laufen oder isometrisches Training besser ist. Sinnvoller ist
es, beide Trainingsformen miteinander zu verbinden.
Die Mischung macht den Unterschied
Ein praxistaugliches Programm
könnte aus drei bis fünf moderaten Ausdauereinheiten pro Woche und zwei kurzen
Krafteinheiten bestehen. Läufer müssen dafür nicht zusätzlich stundenlang im
Fitnessstudio trainieren. Einige kontrolliert ausgeführte Halteübungen lassen
sich problemlos nach einem lockeren Lauf oder an einem separaten Tag einbauen.
Einsteiger können
beispielsweise mit einem moderaten Wandsitz beginnen. Die Position sollte nur so
tief gewählt werden, dass sie stabil und ohne Gelenkschmerzen gehalten werden
kann. Auch ein Plank auf den Knien oder an einer erhöhten Unterlage ist eine
mögliche Variante. Wichtig ist, die Belastung langsam zu steigern und zwischen
den Wiederholungen ausreichend zu pausieren.
Besonders entscheidend ist die
Atmung. Wer bei einer anstrengenden Halteübung unbewusst die Luft anhält, kann
den Blutdruck kurzfristig stark ansteigen lassen. Deshalb sollte während der
gesamten Übung ruhig und gleichmäßig weitergeatmet werden. Auch beim dynamischen
Krafttraining sind Pressatmung und unkontrollierte Maximalkraftversuche für
Menschen mit erhöhtem Blutdruck ungeeignet. Die American Heart Association rät
ausdrücklich dazu, während des Trainings regelmäßig zu atmen, da Luftanhalten
den Blutdruck erhöhen kann.
Warum der Blutdruck beim Sport zunächst ansteigt
Dass Bewegung den Blutdruck
senken kann, wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Schließlich steigt der
systolische Wert während eines Laufes oder einer Kraftübung deutlich an. Das ist
zunächst eine normale Reaktion. Die arbeitende Muskulatur benötigt mehr
Sauerstoff, das Herz pumpt schneller und kräftiger.
Entscheidend ist, was nach der
Belastung und durch regelmäßiges Training passiert. Die Gefäße können sich
besser erweitern, der Widerstand im Gefäßsystem nimmt ab und das Herz arbeitet
wirtschaftlicher. Bei vielen Menschen liegt der Blutdruck nach einer
Trainingseinheit für mehrere Stunden unter dem Ausgangswert. Langfristig kann
daraus ein niedrigerer Ruheblutdruck entstehen.
Dieser Effekt entwickelt sich
allerdings nicht nach einer einzelnen Einheit. Der Körper braucht wiederkehrende
Trainingsreize. Regelmäßigkeit ist daher wichtiger als ein gelegentliches
besonders hartes Training.
Mehr Intensität bringt nicht automatisch mehr
Gerade sportlich ambitionierte
Menschen neigen dazu, Trainingswirkungen über Tempo, Gewichte oder Erschöpfung
zu definieren. Beim Blutdruck gilt jedoch nicht: Je härter, desto besser. Auch
hochintensives Intervalltraining senkte den Blutdruck in der großen
Vergleichsstudie, schnitt aber nicht besser ab als moderates Ausdauertraining
oder isometrische Übungen.
Für den Alltag bedeutet das:
Man muss sich nicht bei jeder Einheit völlig verausgaben. Moderate Belastungen,
die sich zuverlässig in die Woche integrieren lassen, sind häufig die
nachhaltigere Lösung. Beim Laufen bietet der sogenannte Sprechtest eine einfache
Orientierung. Wer noch kurze Sätze sprechen kann, aber kein entspanntes längeres
Gespräch mehr führen möchte, bewegt sich meist in einem moderaten Bereich. Auch
die American Heart Association empfiehlt, Trainingsumfang und Intensität
schrittweise zu steigern.
Wann vor dem Trainingsbeginn ärztlicher Rat sinnvoll ist
Gesunde Erwachsene können in
der Regel ohne umfangreiche Untersuchungen mit moderater Bewegung beginnen. Wer
jedoch bereits an Bluthochdruck, einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder anderen
chronischen Beschwerden leidet, sollte die geplante Belastung medizinisch
abklären lassen. Das gilt besonders nach längerer Sportpause oder wenn deutlich
erhöhte Ruhewerte gemessen werden.
Auch Schwindel, Brustschmerzen,
ungewöhnliche Atemnot, Herzrhythmusstörungen oder starke Kopfschmerzen während
der Belastung sind keine normalen Trainingserscheinungen. In solchen Fällen
sollte das Training beendet und die Ursache ärztlich untersucht werden.
Verschriebene
Blutdruckmedikamente dürfen nicht eigenständig reduziert oder abgesetzt werden,
nur weil regelmäßig Sport getrieben wird. Bewegung kann eine medizinische
Behandlung wirksam ergänzen, ersetzt sie aber nicht automatisch.
Der beste Sport ist der, der regelmäßig stattfindet
Isometrische Übungen sind der
überraschende Gewinner des wissenschaftlichen Vergleichs. Sie benötigen wenig
Zeit, kaum Platz und meist keine Geräte. Gerade deshalb können sie eine
wertvolle Ergänzung zu einem bestehenden Trainingsprogramm sein.
Für die langfristige Gesundheit
bleibt jedoch ein vielseitiger Ansatz am sinnvollsten. Ausdauertraining stärkt
Herz und Kreislauf, Krafttraining erhält die Muskulatur und kurze isometrische
Einheiten können zusätzliche Impulse für die Blutdruckregulation setzen. Die
Weltgesundheitsorganisation betont, dass regelmäßige körperliche Aktivität in
jedem Alter erhebliche gesundheitliche Vorteile bietet und langes Sitzen
möglichst reduziert werden sollte.
Die wichtigste Erkenntnis
lautet daher nicht, dass der Wandsitz das Laufen ersetzt. Vielmehr zeigt die
Forschung, dass ein gutes Blutdrucktraining überraschend abwechslungsreich sein
darf. Wer regelmäßig läuft, zügig geht oder Rad fährt und das Ausdauerprogramm
gezielt um wenige Halteübungen ergänzt, verbindet die Stärken mehrerer
Trainingsformen.
Manchmal beginnt wirksames
Herz-Kreislauf-Training also mit Bewegung. Und manchmal damit, für einige
Sekunden ganz bewusst stillzuhalten.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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