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Viermal vier Minuten: Was die norwegische 4x4-Methode wirklich bringt |
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| Viermal vier Minuten,
viermal volle Konzentration: Die norwegische 4x4-Methode setzt mit
kontrolliert harten Intervallen einen starken Reiz für Herz, Kreislauf
und maximale Sauerstoffaufnahme |
Vier intensive Laufabschnitte von jeweils vier Minuten sollen die Ausdauer
stärker verbessern als eine lockere Joggingrunde. Die norwegische 4x4-Methode
gilt deshalb als besonders effizientes Training für Herz und Kreislauf. Die
wissenschaftlichen Ergebnisse sind tatsächlich beachtlich. Ganz so eindeutig,
wie manche Schlagzeile vermuten lässt, ist die Sache allerdings nicht.
Vier Minuten können erstaunlich
lang sein. Zu Beginn läuft es noch rund, die Beine fühlen sich frisch an und die
Atmung bleibt kontrolliert. Nach zwei Minuten wird das Sprechen schwierig. In
der letzten Minute scheint die Uhr plötzlich langsamer zu laufen.
Dann folgen drei Minuten
lockeres Traben. Gerade genug Zeit, um wieder etwas Luft zu bekommen. Danach
beginnt das Ganze von vorn. Viermal insgesamt.
Das sogenannte norwegische
4x4-Training ist einfach aufgebaut, benötigt keine komplizierten Geräte und
lässt sich an unterschiedliche Leistungsniveaus anpassen. In sozialen Netzwerken
und Lifestyle-Magazinen wird es inzwischen gerne als besonders wirkungsvolle
Alternative zum gewöhnlichen Joggen dargestellt. Teilweise heißt es sogar, vier
intensive Intervalle seien effektiver als 30 Minuten Dauerlauf.
Hinter dieser Aussage steckt
eine viel zitierte norwegische Studie. Ihre Ergebnisse sprechen klar für
intensives Intervalltraining. Sie bedeuten jedoch nicht, dass lockere Läufe
überflüssig geworden sind.
Was ist die norwegische 4x4-Methode?
Das Grundprinzip ist schnell
erklärt. Nach einem lockeren Aufwärmprogramm folgen vier Belastungen von jeweils
vier Minuten. Zwischen den einzelnen Intervallen wird drei Minuten langsam
getrabt oder gegangen. Zum Abschluss läuft man sich einige Minuten locker aus.
Während der schnellen
Abschnitte soll die Herzfrequenz auf etwa 85 bis 95 Prozent des persönlichen
Maximalpulses steigen. Dieser Bereich wird nicht sofort erreicht. Herzfrequenz
und Sauerstoffaufnahme benötigen etwas Zeit, um auf die Belastung zu reagieren.
Vor allem in der zweiten Hälfte eines Intervalls wird es deshalb anstrengend.
Das Tempo ist hoch, aber
kontrollierbar. Ein Sprint ist ausdrücklich nicht gemeint. Wer bereits in den
ersten Sekunden alles gibt, wird die vier Minuten kaum gleichmäßig durchhalten
und spätestens beim dritten oder vierten Durchgang deutlich einbrechen.
Ohne Pulsmesser hilft das
eigene Belastungsgefühl. Während der schnellen Abschnitte sollten höchstens noch
einzelne Wörter möglich sein. Die Atmung ist kräftig, der Laufstil bleibt aber
stabil. Das Ziel besteht nicht darin, vollkommen erschöpft anzukommen.
Entscheidend ist, alle vier Intervalle in einer vergleichbaren Qualität zu
absolvieren.
Die Studie, die das 4x4-Training bekannt machte
Bekannt wurde die Methode vor
allem durch eine 2007 veröffentlichte Untersuchung des norwegischen
Sportwissenschaftlers Jan Helgerud und seines Forschungsteams. An der Studie
nahmen 40 gesunde, sportlich aktive Männer teil. Sie trainierten acht Wochen
lang dreimal pro Woche und wurden auf vier unterschiedliche Trainingsgruppen
verteilt.
Eine Gruppe absolvierte
längere, lockere Dauerläufe bei moderater Herzfrequenz. Eine zweite Gruppe lief
kontinuierlich im Bereich der anaeroben Schwelle. Die dritte Gruppe wechselte
sehr kurze Belastungsphasen von 15 Sekunden mit ebenso kurzen Erholungsphasen
ab. Die vierte Gruppe trainierte nach dem heute bekannten 4x4-Prinzip.
Die Einheiten waren so
angelegt, dass der gesamte Energieverbrauch möglichst vergleichbar blieb.
Dadurch sollte verhindert werden, dass eine Gruppe allein deshalb bessere
Ergebnisse erzielte, weil sie deutlich mehr trainierte.
Nach acht Wochen hatte sich die
maximale Sauerstoffaufnahme in der 4x4-Gruppe um durchschnittlich 7,2 Prozent
verbessert. Bei den kurzen 15-Sekunden-Intervallen betrug der Anstieg rund 5,5
Prozent. In den beiden Gruppen mit kontinuierlichem Training stellten die
Wissenschaftler dagegen keine vergleichbare Verbesserung der maximalen
Sauerstoffaufnahme fest.
Auch das Schlagvolumen des
Herzens nahm in den Intervallgruppen zu. Damit ist die Blutmenge gemeint, die
das Herz mit einem einzelnen Schlag in den Kreislauf pumpt. Die Laufökonomie
verbesserte sich hingegen in allen vier Gruppen.
Gerade dieser letzte Punkt wird
in verkürzten Darstellungen häufig übersehen. Auch das weniger intensive
Training zeigte positive Effekte. Die Trainingsformen beeinflussten lediglich
unterschiedliche Bereiche der Ausdauerleistungsfähigkeit.
Was sagt die maximale Sauerstoffaufnahme aus?
Die maximale
Sauerstoffaufnahme, kurz VO?max, beschreibt, wie viel Sauerstoff der Körper
unter höchster Belastung aufnehmen, transportieren und verwerten kann. Sie gilt
als wichtiger Wert für die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems.
Eine hohe VO?max ist besonders
für Läuferinnen und Läufer interessant, weil sie zeigt, wie groß der aerobe
Motor des Körpers ist. Sie allein entscheidet jedoch noch nicht darüber, wie
schnell jemand über fünf Kilometer, einen Halbmarathon oder einen Marathon
laufen kann.
Auch Laufökonomie, Tempohärte,
Muskelkraft, Energiebereitstellung und Ermüdungsresistenz spielen eine wichtige
Rolle. Zwei Menschen mit ähnlicher VO?max können deshalb im Wettkampf deutlich
unterschiedliche Leistungen erreichen.
Das 4x4-Training setzt vor
allem beim Herz-Kreislauf-System an. Während der langen, intensiven Belastungen
muss das Herz über mehrere Minuten eine große Menge Blut durch den Körper
transportieren. Gleichzeitig arbeitet die Muskulatur nahe an ihrer maximalen
aeroben Leistungsfähigkeit.
Ist 4x4 wirklich besser als 30 Minuten Joggen?
Die häufig verwendete Aussage
klingt verlockend, ist wissenschaftlich aber zu pauschal. In der ursprünglichen
Studie gab es keine Gruppe, die einfach 30 Minuten locker joggte. Das moderate
Dauertraining dauerte rund 45 Minuten. Eine komplette 4x4-Einheit benötigte
einschließlich Aufwärmen, Erholungspausen und Auslaufen ebenfalls deutlich mehr
als eine halbe Stunde.
Untersucht wurde also nicht, ob
vier Intervalle grundsätzlich besser sind als jede Form des Dauerlaufs.
Verglichen wurden vier genau festgelegte Trainingsprogramme mit möglichst
ähnlichem Energieverbrauch.
Hinzu kommt, dass
ausschließlich junge, gesunde und sportlich aktive Männer an der Studie
teilnahmen. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf
Laufanfänger, ältere Menschen oder Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen
übertragen.
Auch spätere Untersuchungen
zeichnen ein differenzierteres Bild. Sowohl kontinuierliches Ausdauertraining
als auch hochintensives Intervalltraining können die VO?max verbessern.
Intervalltraining erzielt dabei häufig stärkere Effekte in kürzerer Zeit. Der
Unterschied fällt jedoch nicht in jeder Studie gleich groß aus.
Die norwegische Methode ist
deshalb keine Wunderformel. Sie ist vielmehr eine sehr wirksame Möglichkeit, dem
Körper einen intensiven und klar dosierten Trainingsreiz zu geben.
Warum dauern die Intervalle gerade vier Minuten?
Sehr kurze Sprints fühlen sich
oft härter an. Trotzdem sind sie nicht automatisch besser geeignet, um die
maximale Sauerstoffaufnahme zu steigern.
Der Grund liegt in der Zeit,
die der Körper tatsächlich in einem sehr hohen aeroben Belastungsbereich
verbringt. Bei kurzen Sprints ist die Belastung häufig bereits beendet, bevor
Herzfrequenz und Sauerstoffaufnahme ihr höchstes Niveau erreicht haben.
Ein vierminütiges Intervall ist
dagegen lang genug, um den Kreislauf hochzufahren und anschließend noch eine
gewisse Zeit nahe der maximalen Sauerstoffaufnahme zu trainieren. Gleichzeitig
ist es kurz genug, um das Tempo über mehrere Wiederholungen aufrechterhalten zu
können.
Eine neuere Untersuchung mit
gut trainierten Männern bestätigte diesen Ansatz. Nach acht Trainingswochen
verbesserte die 4x4-Gruppe ihre VO?max deutlicher als Vergleichsgruppen, die
kürzere und schnellere Sprintintervalle absolvierten. Auch die Leistung über
3.000 Meter entwickelte sich positiv.
Für Läuferinnen und Läufer
bedeutet das: Schneller ist nicht automatisch wirksamer. Ein kontrolliertes
Tempo, das vier Minuten lang gehalten werden kann, bringt für das aerobe System
häufig mehr als ein kurzer Sprint, nach dem die Qualität der folgenden
Wiederholungen deutlich nachlässt.
So findest du das passende Tempo
Eine allgemeingültige
Kilometerzeit gibt es nicht. Das richtige Tempo hängt vom Trainingszustand, vom
Untergrund, von der Temperatur und von der persönlichen Tagesform ab.
Bei erfahrenen Läuferinnen und
Läufern kann es ungefähr im Bereich des aktuellen Drei- bis
Fünf-Kilometer-Tempos liegen. Diese Orientierung ist jedoch nicht für jeden
geeignet. Besonders Laufanfänger sollten sich stärker am Belastungsgefühl als an
einer bestimmten Geschwindigkeit orientieren.
Auf einer Skala von eins bis
zehn sollte sich das Tempo gegen Ende eines Intervalls ungefähr wie eine Acht
anfühlen. Die Atmung ist deutlich beschleunigt, längere Sätze sind nicht mehr
möglich und die Konzentration liegt vollständig auf dem Laufen. Dennoch bleiben
Schritt, Haltung und Armführung kontrolliert.
Das erste Intervall darf sich
fast etwas zu leicht anfühlen. Im vierten Durchgang sollte die Belastung
deutlich spürbar sein, ohne dass das Tempo auf den letzten Metern völlig
zusammenbricht. Wer alle vier Abschnitte annähernd gleichmäßig laufen kann, hat
die Intensität gut gewählt.
So sieht eine vollständige Einheit aus
Eine klassische 4x4-Einheit
beginnt mit zehn bis fünfzehn Minuten lockerem Einlaufen. Anschließend können
zwei oder drei kurze Steigerungsläufe folgen, damit sich der Körper auf das
höhere Tempo einstellt.
Danach beginnt der Hauptteil:
4 Minuten zügig laufen
3 Minuten sehr locker traben oder gehen
4 Wiederholungen insgesamt
Nach dem letzten Intervall folgen mindestens fünf bis zehn Minuten lockeres
Auslaufen.
Die intensive Belastungszeit
beträgt lediglich 16 Minuten. Zusammen mit dem Aufwärmen, den Trabpausen und dem
Auslaufen dauert die gesamte Einheit meist zwischen 40 und 50 Minuten.
Eine sinnvolle Einstiegsversion
Wer bisher überwiegend locker
gelaufen ist, sollte nicht sofort versuchen, vier Intervalle bei sehr hoher
Herzfrequenz durchzuziehen. Kreislauf, Muskulatur, Sehnen und Gelenke müssen
sich zunächst an die zusätzliche Belastung gewöhnen.
Ein vorsichtiger Einstieg kann so aussehen:
Woche 1 und 2: drei Intervalle
von jeweils drei Minuten
Woche 3 und 4: vier Intervalle von jeweils drei Minuten
Ab Woche 5: vier Intervalle von jeweils vier Minuten
Die Erholungspausen können jeweils drei Minuten dauern. Auch längere Pausen sind
zu Beginn möglich, wenn sie dabei helfen, die folgenden Belastungen technisch
sauber zu absolvieren.
Für die meisten Freizeitläufer
reicht zunächst eine intensive Einheit pro Woche. Zwischen dem Intervalltraining
und der nächsten fordernden Laufeinheit sollten mindestens ein bis zwei ruhige
Tage liegen.
Mehr Intensität bedeutet nicht
automatisch mehr Fortschritt. Wer zu häufig hart trainiert, riskiert anhaltende
Müdigkeit, nachlassende Leistung und Beschwerden am Bewegungsapparat.
Warum lockere Dauerläufe weiterhin wichtig sind
Wer ausschließlich auf die
Entwicklung der VO?max schaut, könnte den Eindruck gewinnen, lockeres Laufen sei
weniger wertvoll. Für ein langfristig erfolgreiches Training wäre diese
Schlussfolgerung falsch.
Ruhige Dauerläufe ermöglichen
es, regelmäßig Kilometer zu sammeln, ohne den Körper jedes Mal stark zu
belasten. Sie verbessern die Grundlagenausdauer, fördern die Nutzung von Fetten
zur Energiegewinnung und stärken die Belastbarkeit von Muskeln, Sehnen und
Gelenken.
Zudem schaffen sie etwas, das
keine einzelne Intervalleinheit ersetzen kann: längere Zeit auf den Beinen.
Gerade für Halbmarathon- und
Marathonläufer ist diese Anpassung entscheidend. Ein großer aerober Motor hilft
wenig, wenn die Muskulatur nach 25 oder 30 Kilometern nicht mehr in der Lage
ist, den Laufstil aufrechtzuerhalten.
Auch die norwegische Studie
zeigte, dass sich die Laufökonomie bei allen untersuchten Trainingsformen
verbesserte. Das moderate Training war also keineswegs wirkungslos. Es setzte
lediglich andere Schwerpunkte.
Ein ausgewogener Trainingsplan
kombiniert deshalb ruhige Läufe mit gezielten intensiven Reizen. Die lockeren
Kilometer bilden das Fundament. Die 4x4-Einheit sorgt dafür, dass der Körper
dieses Fundament leistungsfähiger nutzen kann.
Für wen eignet sich die Methode?
Die 4x4-Methode eignet sich vor
allem für gesunde Läuferinnen und Läufer, die bereits eine gewisse
Grundlagenausdauer besitzen und ihr Herz-Kreislauf-System gezielt fordern
möchten.
Auch ambitionierte Einsteiger
können von der Trainingsform profitieren, wenn sie Belastungsdauer und Tempo
zunächst reduzieren. Das Prinzip lässt sich außerdem auf andere Sportarten
übertragen. Möglich sind beispielsweise Einheiten auf dem Fahrrad, dem
Crosstrainer, dem Ruderergometer oder an einer längeren Steigung.
Vorsicht ist geboten, wenn
längere Zeit kein Sport betrieben wurde oder bekannte
Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen. Auch bei auffälligem Blutdruck,
Brustschmerzen, Schwindel oder ungeklärter Atemnot sollte vor dem Einstieg
ärztlicher Rat eingeholt werden.
Gleiches gilt bei akuten
Beschwerden an Muskeln, Sehnen oder Gelenken. Mit zunehmender Geschwindigkeit
steigen die Kräfte, die auf den Bewegungsapparat wirken. Eine gute Ausdauer
allein schützt nicht vor Überlastungen.
Was von der großen Schlagzeile übrig bleibt
Die norwegische 4x4-Methode
gehört zu den wirkungsvollsten und zugleich einfachsten Formen des intensiven
Ausdauertrainings. Vier kontrolliert harte Belastungen reichen aus, um einen
starken Reiz auf Herz und Kreislauf zu setzen. Wer die Einheit regelmäßig und
gut dosiert absolviert, kann seine maximale Sauerstoffaufnahme und damit seine
aerobe Leistungsfähigkeit spürbar verbessern.
Die Behauptung, vier Intervalle
seien grundsätzlich besser als 30 Minuten Joggen, greift dennoch zu kurz. Die
zugrunde liegende Studie untersuchte andere Trainingszeiten, eine kleine und
sehr einheitliche Teilnehmergruppe sowie vor allem die Entwicklung der VO?max.
Die entscheidende Frage lautet
deshalb nicht: Intervalltraining oder Dauerlauf?
Gutes Lauftraining braucht
beides. Die ruhigen Kilometer machen den Körper belastbar, schaffen Ausdauer und
ermöglichen eine verlässliche Trainingsroutine. Die schnellen Abschnitte setzen
gezielte Reize, die mit lockerem Laufen allein nur schwer zu erreichen sind.
Viermal vier Minuten können
tatsächlich viel bewirken. Sie ersetzen aber nicht das gesamte Training. Richtig
eingesetzt sind sie der kräftige Impuls auf einem Fundament, das weiterhin aus
vielen ruhigen Kilometern besteht.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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