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Langsamer als mancher Spaziergänger: Warum Slow Jogging trotzdem wirkt |
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Spaziergänger, aber dennoch wirksam: Super-Slow-Jogging ermöglicht ein
gelenkschonendes Ausdauertraining bei ruhigem Tempo und eignet sich
besonders für Einsteiger und Wiedereinsteiger |
Joggen mit drei bis fünf Kilometern pro Stunde klingt zunächst wie ein
Widerspruch. Dennoch kann das ungewöhnlich langsame Lauftempo den Kreislauf
fordern, die Ausdauer verbessern und den Einstieg ins Lauftraining erleichtern.
Mitunter ist sogar von einer maximalen Fettverbrennung die Rede. Ganz so einfach
ist es allerdings nicht.
Auf dem Parkweg zieht ein
Spaziergänger an dir vorbei. Kurz darauf folgt eine Frau mit Hund. Du selbst
läufst weiter, obwohl dein Tempo kaum schneller wirkt als ein gemütlicher Gang
zum Bäcker.
Deine Schritte sind klein, die
Füße lösen sich nur kurz vom Boden und die Atmung bleibt ruhig. Für einen
Kilometer brauchst du vielleicht 15 Minuten. Manche Menschen gehen deutlich
schneller.
Genau darin liegt die
Besonderheit des sogenannten Slow Joggings. Es ist nicht einfach nur ein sehr
langsamer Dauerlauf, sondern eine eigene Bewegungsform. Gelaufen wird in einem
Geschwindigkeitsbereich, den wir normalerweise mit Gehen verbinden.
In aktuellen Berichten wird der
Methode einiges zugeschrieben. Bereits ein Tempo von drei bis fünf Kilometern
pro Stunde soll demnach genügen, um besonders viel Fett zu verbrennen. Außerdem
werden positive Effekte auf Ausdauer, Stoffwechsel und Blutdruck genannt.
Doch gibt es tatsächlich ein
ideales Fettverbrennungstempo? Und kann ein Lauf, bei dem Spaziergänger mühelos
vorbeiziehen, überhaupt als wirksames Training gelten?
Was Slow Jogging vom normalen Dauerlauf unterscheidet
Bekannt gemacht wurde die
Methode durch den japanischen Sportwissenschaftler Hiroaki Tanaka von der
Universität Fukuoka. Sein Grundgedanke war einfach: Menschen sollen so langsam
joggen, dass sie sich dabei wohlfühlen, lächeln und problemlos unterhalten
können.
In Japan wird dieses Tempo als
"Niko-Niko-Pace" bezeichnet. "Niko Niko" lässt sich sinngemäß mit "lächelnd"
übersetzen. Gemeint ist eine Belastung, die deutlich unterhalb einer
anstrengenden Trainingsintensität bleibt.
Entscheidend ist dabei nicht
allein die Geschwindigkeit, sondern die Bewegungsform. Beim Gehen hat immer
mindestens ein Fuß Kontakt zum Boden. Beim Joggen gibt es dagegen eine kurze
Flugphase. Selbst wenn diese kaum sichtbar ist und ein Spaziergänger schneller
vorankommt, handelt es sich biomechanisch weiterhin um Laufen.
Die Schritte bleiben kurz, der
Oberkörper aufrecht und die Schultern locker. Der Fuß setzt möglichst nah unter
dem Körperschwerpunkt auf. Weite Schritte nach vorn sind unerwünscht, weil sie
den Bewegungsfluss bremsen und die Belastung erhöhen können.
Häufig wird eine
Schrittfrequenz von etwa 180 Schritten pro Minute empfohlen. Diese Zahl ist
jedoch keine Pflicht. Körpergröße, Beinlänge, Lauferfahrung und das gewählte
Tempo beeinflussen die individuell angenehme Frequenz. Wichtiger ist, dass sich
die Bewegung locker und kontrolliert anfühlt.
Warum langsames Joggen mehr Energie kostet als Gehen
Wer mit vier Kilometern pro
Stunde spazieren geht, bewegt sich in der Regel mit relativ geringem
Energieaufwand. Beginnt dieselbe Person bei gleichem Tempo zu joggen, verändert
sich der Bewegungsablauf deutlich.
Der Körper wird bei jedem
Schritt leicht angehoben. Waden, Oberschenkel, Gesäß und Rumpfmuskulatur
arbeiten anders als beim Gehen. Die kurze Flugphase muss abgefangen und der
nächste Schritt vorbereitet werden.
Deshalb kann langsames Joggen
trotz identischer Geschwindigkeit erheblich mehr Energie verlangen als Gehen.
Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass der Energieverbrauch beim Joggen mit
etwa drei bis sechs Kilometern pro Stunde rund 1,6-mal höher sein kann als beim
Gehen im gleichen Tempo.
Bemerkenswert ist, dass die
Testpersonen die subjektive Anstrengung teilweise ähnlich einschätzten. Genau
das macht die Methode interessant: Der Körper erhält einen stärkeren
Trainingsreiz, während die Belastung weiterhin gut kontrollierbar bleibt.
Du musst nicht nach Luft
ringen, um Ausdauer und Muskulatur zu fordern.
Sind drei bis fünf Kilometer pro Stunde das ideale Fettverbrennungstempo?
An dieser Stelle lohnt sich ein
genauer Blick auf die Begriffe.
Der Körper gewinnt während des
Trainings Energie hauptsächlich aus Fetten und Kohlenhydraten. Bei sehr
niedriger Intensität stammt ein relativ großer Anteil der benötigten Energie aus
Fett. Mit zunehmender Belastung steigt zunächst häufig auch die absolute Menge
des verbrannten Fettes, weil der gesamte Energiebedarf wächst.
Wird die Belastung noch
intensiver, greift der Körper verstärkt auf Kohlenhydrate zurück. Der Anteil der
Fettverbrennung geht dann wieder zurück.
Die Intensität, bei der pro
Minute die größte Fettmenge umgesetzt wird, bezeichnen Sportwissenschaftler als
Fatmax. Sie liegt meistens im niedrigen bis mittleren Ausdauerbereich. Eine
allgemeingültige Geschwindigkeit gibt es dafür jedoch nicht.
Trainingszustand, Alter,
Geschlecht, Körperzusammensetzung, Ernährung und Stoffwechselgesundheit
beeinflussen, bei welcher Belastung die höchste Fettoxidation erreicht wird.
Auch Schlaf, Tagesform und die Mahlzeiten vor dem Training können eine Rolle
spielen.
In wissenschaftlichen
Untersuchungen lag die Fatmax-Intensität häufig zwischen etwa 47 und 75 Prozent
der maximalen Sauerstoffaufnahme. Gleichzeitig zeigten sich große Unterschiede
zwischen einzelnen Personen. Bei manchen Menschen wird die höchste
Fettverbrennung bereits beim zügigen Gehen erreicht. Andere müssen dafür
deutlich schneller laufen oder Rad fahren.
Die Aussage, drei bis fünf
Kilometer pro Stunde seien für jeden Menschen das optimale
Fettverbrennungstempo, greift deshalb zu kurz.
Für manche Einsteiger kann Slow
Jogging tatsächlich genau im passenden Intensitätsbereich liegen. Bei gut
trainierten Läufern ist das gleiche Tempo dagegen möglicherweise so niedrig,
dass der gesamte Energieverbrauch vergleichsweise gering bleibt.
Fettverbrennung ist nicht dasselbe wie Fettabbau
Ein hoher Fettanteil an der
Energiebereitstellung bedeutet nicht automatisch, dass besonders viel Körperfett
verloren geht.
Bei einem sehr langsamen
Training kann ein großer Teil der benötigten Energie aus Fett stammen. Weil der
gesamte Energieverbrauch gering bleibt, wird möglicherweise trotzdem weniger
Fett umgesetzt als bei einer etwas intensiveren oder längeren Einheit.
Ein einfaches Beispiel
verdeutlicht das: Wenn bei einer lockeren Belastung 70 Prozent von 200
verbrauchten Kilokalorien aus Fett stammen, ist das nicht automatisch mehr als
45 Prozent von 500 Kilokalorien bei einer fordernderen Einheit.
Für eine Gewichtsabnahme zählt
deshalb nicht nur, welche Energiequelle der Körper während einzelner
Trainingsminuten nutzt. Entscheidend ist die Energiebilanz über Tage und Wochen.
Hinzu kommen die Ernährung, die gesamte Alltagsbewegung, der Schlaf und der
Erhalt der Muskelmasse.
Slow Jogging ist daher kein
Stoffwechseltrick, der Körperfett ohne weiteres Zutun verschwinden lässt. Es
kann aber dabei helfen, regelmäßig und länger in Bewegung zu bleiben. Genau das
ist für viele Menschen der entscheidende Vorteil.
Was die Forschung zum langsamen Joggen zeigt
Der Nutzen von Slow Jogging
beschränkt sich nicht auf den Energieverbrauch.
In einer zwölfwöchigen
Untersuchung mit 81 älteren Erwachsenen wechselte die Trainingsgruppe jeweils
eine Minute langsames Joggen mit einer Minute Gehen ab. Insgesamt kamen die
Teilnehmenden pro Woche auf 90 Minuten Joggen und 90 Minuten Gehen.
Nach Abschluss des Programms
hatte sich ihre aerobe Leistungsfähigkeit deutlicher verbessert als in der
Kontrollgruppe. Auch bei einem Test, bei dem die Teilnehmenden wiederholt von
einem Stuhl aufstehen mussten, erzielte die Trainingsgruppe bessere Ergebnisse.
Darüber hinaus fanden die
Forschenden Hinweise auf günstige Veränderungen der Muskelzusammensetzung im
Oberschenkel. Bestimmte Fetteinlagerungen innerhalb und zwischen den Muskeln
gingen zurück.
Solche Ergebnisse sind für die
Praxis bedeutsam. Gerade im höheren Alter geht es nicht nur um Laufzeiten.
Ausdauer, Beinkraft und die Fähigkeit, alltägliche Bewegungen sicher
auszuführen, entscheiden wesentlich über Selbstständigkeit und Lebensqualität.
Warum die Methode gerade Einsteigern helfen kann
Viele Laufanfänger scheitern
nicht an mangelnder Motivation, sondern an einem zu schnellen Einstieg.
Sie laufen los, orientieren
sich am Tempo anderer und geraten bereits nach wenigen Minuten außer Atem. Die
Beine werden schwer, die Atmung hektisch und der erste Lauf endet als
frustrierender Wechsel aus Überforderung und langen Gehpausen.
Slow Jogging dreht dieses
Prinzip um. Nicht das Tempo steht im Mittelpunkt, sondern die kontrollierte
Bewegung.
Wer langsam genug läuft, kann
eine Laufbewegung ausführen, ohne ständig gegen Atemnot anzukämpfen. Das
Training fühlt sich weniger bedrohlich an und lässt sich leichter wiederholen.
Besonders geeignet ist die
Methode für Menschen, die bislang kaum Ausdauersport betrieben haben, nach einer
längeren Pause zurückkehren oder beim gewöhnlichen Joggen schnell überfordert
sind. Auch bei höherem Körpergewicht oder im fortgeschrittenen Alter kann sie
eine Brücke zwischen Gehen und kontinuierlichem Laufen bilden.
Erfahrene Läufer können Slow
Jogging als sehr lockere Regenerationseinheit nutzen. Auch nach
Verletzungspausen oder an Tagen, an denen die Beine müde sind, kann das extrem
ruhige Tempo eine Alternative zum vollständigen Ruhetag sein.
Ist Slow Jogging automatisch gelenkschonend?
Ein geringes Tempo klingt
zunächst nach einer besonders sanften Belastung. Biomechanisch ist die Sache
jedoch komplizierter.
Beim Joggen entstehen auch bei
niedriger Geschwindigkeit andere Kräfte als beim Gehen. Durch die kurze
Flugphase muss das Körpergewicht bei jeder Landung aufgefangen werden.
Untersuchungen zeigen deshalb, dass die vertikalen Belastungsspitzen beim sehr
langsamen Joggen höher sein können als beim Gehen mit derselben Geschwindigkeit.
Das bedeutet nicht, dass Slow
Jogging grundsätzlich schädlich ist. Regelmäßiges Freizeitlaufen ist nach dem
derzeitigen Forschungsstand nicht automatisch mit einem erhöhten Risiko für
Kniearthrose verbunden. Entscheidend sind die individuelle Belastbarkeit,
mögliche Vorerkrankungen und ein vernünftiger Trainingsaufbau.
Problematisch wird es vor allem
dann, wenn Einsteiger sofort lange Einheiten absolvieren oder bewusst auf dem
Vorfuß landen, obwohl Waden und Achillessehnen diese Belastung nicht gewohnt
sind.
Der Fußaufsatz sollte nicht
künstlich erzwungen werden. Für die meisten Läufer ist es sinnvoller, auf kurze
Schritte und einen Aufsatz nahe unter dem Körper zu achten. So wird starkes
Abbremsen vermieden.
Schmerzen sind dabei kein
notwendiger Bestandteil der Eingewöhnung. Treten Beschwerden auf, sollte der
Trainingsumfang reduziert und die Ursache geklärt werden.
So gelingt der Einstieg ins Slow Jogging
Für die erste Einheit reichen
15 bis 20 Minuten.
Beginne mit einer Minute sehr
langsamem Joggen und gehe anschließend eine Minute. Wiederhole diesen Wechsel
acht- bis zehnmal. Das Lauftempo ist richtig, wenn du noch in vollständigen
Sätzen sprechen kannst und jederzeit das Gefühl hast, weiterlaufen zu können.
Es ist völlig in Ordnung, wenn
dein Joggingtempo langsamer ist als dein normales Gehtempo. Genau darum geht es
bei dieser Methode.
Nach einigen Einheiten kannst
du die Laufabschnitte vorsichtig verlängern. Laufe zunächst zwei Minuten und
gehe anschließend eine Minute. Später können fünf Minuten Joggen und eine Minute
Gehen folgen.
Erhöhe zuerst die Dauer der
Laufabschnitte und erst danach das Tempo. Wenn du dich nach dem Training
erschöpft fühlst oder am nächsten Tag deutliche Beschwerden hast, war die
Belastung zu hoch.
Zwei bis drei Einheiten pro
Woche sind für den Einstieg ausreichend. Ergänzend lohnt sich ein regelmäßiges
Krafttraining für Beine, Füße, Hüfte und Rumpf.
Auch die Schrittfrequenz sollte
sich nach und nach entwickeln. Du musst nicht vom ersten Tag an exakt 180
Schritte pro Minute erreichen. Kurze, lockere Schritte sind wichtiger als eine
bestimmte Zahl auf der Uhr.
Slow Jogging ersetzt kein vielseitiges Lauftraining
Wer seine Wettkampfleistung
verbessern möchte, wird mit ausschließlich sehr langsamen Einheiten irgendwann
an Grenzen stoßen.
Für schnellere Laufzeiten
benötigt der Körper auch andere Reize. Dazu gehören längere Dauerläufe,
Tempowechsel, Intervalle, Krafttraining und ausreichende Erholung.
Slow Jogging ist deshalb kein
geheimes Trainingssystem, das alle anderen Inhalte überflüssig macht. Seine
Stärke liegt an einer anderen Stelle: Es ermöglicht Menschen den Einstieg, die
sich von klassischem Lauftraining bisher überfordert fühlten.
Und es erinnert erfahrene
Läufer daran, dass nicht jede Einheit schnell oder anstrengend sein muss, um
einen Wert zu besitzen.
Das eigentliche Geheimnis liegt nicht im Tempo
Drei bis fünf Kilometer pro
Stunde sind keine magische Zone, in der der Körper automatisch maximal viel Fett
verbrennt. Dafür unterscheiden sich Menschen, Stoffwechsel und Trainingszustand
zu stark.
Trotzdem kann Slow Jogging
wirksam sein.
Wer langsam genug läuft, bleibt
häufig länger in Bewegung. Wer sich nicht überfordert, trainiert regelmäßiger.
Und wer regelmäßig trainiert, verbessert mit der Zeit seine Ausdauer, seine
Muskelarbeit und seine allgemeine Belastbarkeit.
Vielleicht wirst du dabei von
Spaziergängern überholt. Das spielt keine Rolle.
Du trainierst nicht gegen die
Menschen auf dem Parkweg, sondern für einen Körper, der auch morgen wieder Lust
auf Bewegung hat.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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