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Was Vereinssport für Kinder kostet: Zwischen 60 und 204 Euro im Jahr |
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Gemeinsam
aktiv: Im Leichtathletikverein erleben Kinder Bewegung, Teamgeist und
Freude am Sport. |
Eine Mitgliedschaft im Sportverein gehört für viele Familien
selbstverständlich zum Aufwachsen dazu. Doch wie viel Eltern dafür bezahlen,
hängt offenbar auch vom Wohnort ab. Ein Kostencheck für 20 deutsche Städte zeigt
eine erstaunlich große Spanne. Ganz so eindeutig, wie das Ranking zunächst
wirkt, ist das Ergebnis allerdings nicht.
Ein fester Trainingstag in der
Woche, vertraute Gesichter in der Umkleide und das gute Gefühl, gemeinsam etwas
zu lernen: Für Kinder ist der Sportverein weit mehr als ein Ort, an dem sie
rennen, springen, turnen oder einem Ball hinterherjagen. Hier entstehen
Freundschaften, Kinder erleben Erfolge und Niederlagen, übernehmen Verantwortung
und werden Teil einer Gemeinschaft.
Auch deshalb gehört der
organisierte Sport für Millionen junge Menschen zum Alltag. Nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes waren Anfang 2023 knapp 7,6 Millionen der rund 15,1
Millionen Kinder und Jugendlichen unter 19 Jahren Mitglied in einem Sportverein.
Das entspricht etwa jedem zweiten jungen Menschen in Deutschland. Besonders
häufig waren Kinder und Jugendliche im Fußball, Turnen und Tennis organisiert.
Doch diese Teilhabe hat ihren
Preis. Wie hoch er ausfällt, hat die Preisvergleichsplattform idealo im Rahmen
eines größeren Kostenchecks zum Familienleben in 20 deutschen Städten
untersucht.
Im Durchschnitt werden 98 Euro pro Jahr fällig
Nach der Auswertung kostet die
Mitgliedschaft eines Kindes in einem örtlichen Breitensportverein im
untersuchten Städtevergleich durchschnittlich rund 98 Euro pro Jahr. Das
entspricht etwas mehr als acht Euro im Monat.
Auf den ersten Blick wirkt das
überschaubar. Für Familien sind Vereinsbeiträge jedoch keine einmalige
Anschaffung, sondern eine dauerhaft wiederkehrende Ausgabe. Hinzu können
Sportkleidung, Schuhe, Ausrüstung, Fahrtkosten, Trainingslager, Wettkämpfe oder
Abteilungsbeiträge kommen. Bei mehreren sportlich aktiven Kindern wächst aus
einem kleinen monatlichen Betrag schnell ein spürbarer Posten im Familienbudget.
Genau darum hat idealo den
Vereinsbeitrag nicht isoliert betrachtet. Er ist Teil eines umfangreicheren
Vergleichs typischer Familienausgaben. Dazu gehören unter anderem Kita-Gebühren,
die Mehrkosten für ein Kinderzimmer, ein Zoobesuch, der Preis einer Kugel Eis,
ein Kinderhaarschnitt und die erste Babyausstattung. Die Freizeitausgaben sollen
dabei zeigen, wie stark der finanzielle Spielraum von Familien vom jeweiligen
Wohnort abhängen kann.
Magdeburg ist im Vergleich am günstigsten
Besonders preiswert ist die
untersuchte Kinder-Mitgliedschaft in Magdeburg. Dort werden rund 60 Euro pro
Jahr fällig, also fünf Euro im Monat. Cottbus folgt mit 66 Euro.
In Berlin, Rostock und Erfurt
liegt der Jahresbeitrag bei jeweils etwa 72 Euro. Auch Leipzig bleibt mit 90
Euro unter dem errechneten Bundesdurchschnitt.
Mehrere weitere Städte bewegen
sich ebenfalls im vergleichsweise günstigen oder mittleren Bereich. Für Kiel und
Saarbrücken nennt die Auswertung jeweils 84 Euro im Jahr. Dresden, Hannover und
Bremen kommen auf jeweils 96 Euro und liegen damit nur knapp unter dem
Durchschnittswert von 98 Euro.
Damit zeigt sich eine
auffällige Tendenz: Mehrere ostdeutsche Städte schneiden bei den untersuchten
Vereinsbeiträgen besonders günstig ab. Das bedeutet jedoch nicht automatisch,
dass Sportvereine dort grundsätzlich billiger sind. Dazu später mehr.
Hamburg ist mit Abstand am teuersten
Am anderen Ende des Vergleichs
steht Hamburg. Dort kostet die untersuchte Vereinsmitgliedschaft 204 Euro im
Jahr. Das sind 17 Euro im Monat und damit mehr als dreimal so viel wie in
Magdeburg.
München folgt mit 132 Euro. In
Köln und Stuttgart werden jeweils rund 120 Euro pro Jahr fällig. Frankfurt am
Main kommt auf 108 Euro.
Knapp über dem
Bundesdurchschnitt liegen Nürnberg, Dortmund und Mainz mit jeweils 102 Euro.
Zwischen dem günstigsten Wert in Magdeburg und dem höchsten Wert in Hamburg
liegen somit 144 Euro pro Kind und Jahr.
Für eine Familie mit zwei
Kindern würde sich dieser Unterschied bereits auf 288 Euro jährlich summieren.
Über mehrere Jahre kann daraus ein vierstelliger Betrag werden.
Die 20 Städte im Überblick
| Stadt |
Jahresbeitrag |
| Magdeburg |
60 Euro |
| Cottbus |
66 Euro |
| Berlin |
72 Euro |
| Rostock |
72 Euro |
| Erfurt |
72 Euro |
| Freiburg |
80 bzw. 84 Euro* |
| Kiel |
84 Euro |
| Saarbrücken |
84 Euro |
| Leipzig |
90 Euro |
| Dresden |
96 Euro |
| Hannover |
96 Euro |
| Bremen |
96 Euro |
| Nürnberg |
102 Euro |
| Dortmund |
102 Euro |
| Mainz |
102 Euro |
| Frankfurt am Main |
108 Euro |
| Köln |
120 Euro |
| Stuttgart |
120 Euro |
| München |
132 Euro |
| Hamburg |
204 Euro |
*In der Pressemitteilung wird Freiburg mit 84 Euro angegeben. Die auf der
Studienseite veröffentlichte Grafik weist dagegen einen Monatsbeitrag von 6,67
Euro und damit rund 80 Euro im Jahr aus.
Warum unterscheiden sich die Beiträge so deutlich?
Ein Sportverein muss weit mehr
finanzieren als nur die eigentliche Trainingsstunde. Je nach Kommune können
Gebühren für Sporthallen und Sportplätze, Energie, Reinigung, Versicherungen,
Verwaltung und Personal anfallen. Auch die Frage, wie stark eine Stadt oder ein
Bundesland den Vereinssport unterstützt, kann sich auf die Beiträge auswirken.
Hinzu kommt das jeweilige
Angebotsprofil. Ein kleiner Verein, der überwiegend ehrenamtlich arbeitet und
kommunale Anlagen günstig nutzen kann, hat eine andere Kostenstruktur als ein
großer Mehrspartenverein mit eigenen Gebäuden, hauptamtlichen Beschäftigten,
Schwimmbadzeiten oder besonders materialintensiven Sportarten.
Der reine Jahresbeitrag sagt
deshalb noch nichts darüber aus, wie viele Trainingseinheiten ein Kind dafür
erhält, welche Anlagen zur Verfügung stehen oder welche zusätzlichen Leistungen
enthalten sind. Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, wie gut die
Trainerinnen und Trainer ausgebildet sind oder wie intensiv ein Verein seine
Nachwuchsarbeit betreibt.
Ein höherer Beitrag ist daher
nicht automatisch überzogen. Ein niedriger Beitrag ist umgekehrt nicht zwingend
ein Zeichen dafür, dass alle tatsächlichen Kosten vollständig abgedeckt sind.
Viele Vereine können ihre Angebote nur deshalb günstig halten, weil
Übungsleiter, Vorstände, Eltern und weitere Helfer einen großen Teil der Arbeit
ehrenamtlich übernehmen.
Der Vergleich hat eine wichtige Einschränkung
Die Bezeichnung
?Durchschnittsbeitrag einer Stadt? kann leicht den Eindruck erwecken, idealo
habe sämtliche oder zumindest zahlreiche Sportvereine vor Ort untersucht. Das
ist nach der veröffentlichten Methodik jedoch nicht der Fall.
Für jede Stadt wurde der
Mitgliedsbeitrag eines exemplarisch ausgewählten lokalen Sportvereins erfasst.
Jahresbeiträge wurden anschließend auf Monatswerte umgerechnet. Der
Sportvereinsbeitrag floss als ein Indikator in den Bereich der Freizeitausgaben
ein. Die Datenerhebung erfolgte im April und Mai 2026.
Der Kostencheck ist damit eine
interessante Momentaufnahme, aber keine vollständige Erhebung der örtlichen
Vereinslandschaft. Innerhalb derselben Stadt können sich die Beiträge je nach
Verein, Sportart, Alter, Trainingsumfang und Familienrabatt erheblich
unterscheiden.
Gerade in Großstädten gibt es
häufig Vereine, die deutlich unter oder über dem angegebenen Wert liegen. Wer
einen passenden Sportverein für sein Kind sucht, sollte deshalb nicht allein auf
den genannten Städtebetrag schauen, sondern mehrere Angebote direkt vergleichen.
Warum selbst kleine Beiträge eine Hürde sein können
98 Euro im Jahr wirken zunächst
nicht wie eine Summe, an der die sportliche Teilhabe eines Kindes scheitern
müsste. Doch Familien betrachten eine Vereinsrechnung nicht unabhängig von
Miete, Lebensmitteln, Schulmaterial, Mobilität und anderen Freizeitkosten.
Das Statistische Bundesamt
meldete für das Jahr 2024, dass 15,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen in
Deutschland armutsgefährdet waren. Rund fünf Prozent der unter 16-Jährigen
lebten in Haushalten, die aus finanziellen Gründen auf regelmäßige
Freizeitaktivitäten wie eine Sportvereinsmitgliedschaft oder Kinobesuche
verzichten mussten.
Dass Geld den Zugang zum Sport
beeinflusst, zeigt auch das Forschungsprojekt MOVE FOR HEALTH der Deutschen
Sportjugend. Danach treiben Jugendliche aus finanziell schlechter gestellten
Familien seltener Sport. Zugleich berichten sportlich aktive Jugendliche und
Vereinsmitglieder häufiger von höherer Lebenszufriedenheit, weniger Stress,
geringerer Einsamkeit und einer stärkeren sozialen Einbindung.
Der Beitrag ist damit nicht
bloß eine private Freizeitentscheidung. Er kann darüber mitentscheiden, ob ein
Kind Zugang zu Bewegung, Freundschaften und einem wichtigen sozialen Lernort
erhält.
Unterstützung durch das Bildungspaket
Familien mit geringem Einkommen
sollten prüfen, ob sie Leistungen für Bildung und Teilhabe erhalten können. Für
die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben stehen anspruchsberechtigten
Kindern und Jugendlichen pauschal 15 Euro pro Monat zur Verfügung. Das Geld kann
unter anderem für eine Mitgliedschaft im Sportverein eingesetzt werden.
Anspruch kann beispielsweise
bestehen, wenn eine Familie Bürgergeld, Sozialhilfe, Wohngeld, Kinderzuschlag
oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhält. Die konkrete
Abwicklung erfolgt je nach Wohnort über das Jobcenter, die Stadt, die Gemeinde
oder den Landkreis.
Mit bis zu 180 Euro im Jahr
würde diese Unterstützung den im Kostencheck ermittelten Beitrag in 19 der 20
untersuchten Städte vollständig abdecken. Lediglich beim Hamburger
Vergleichswert von 204 Euro bliebe eine Differenz.
Allerdings bestehen die
tatsächlichen Sportkosten häufig nicht nur aus dem Grundbeitrag. Schuhe,
Kleidung, Ausrüstung oder Fahrten können weiterhin zur Belastung werden. Hier
sind auch die Vereine gefragt. Familienbeiträge, Geschwisterrabatte,
Sozialtarife, Leihbörsen und vereinseigene Ausrüstung können verhindern, dass
Kinder aus finanziellen Gründen außen vor bleiben.
Wo sich sparen lässt und wo nicht gespart werden sollte
Florian Kriegel, Preisexperte
bei idealo, fasst die gesellschaftliche Bedeutung des Themas so zusammen:
?Vereinssport stiftet Gemeinschaft
und sollte deshalb für keine Familie eine Frage des Geldbeutels sein.
Einsparpotenziale gibt es eher bei planbaren Anschaffungen, etwa bei
Trainingsbekleidung und Sportausrüstung. Wer Preisvergleiche nutzt, um passende
Angebote zu finden, entlastet sein Budget und schafft mehr Spielraum für
Freizeitangebote.?
Tatsächlich müssen gerade
Kinder nicht in jeder Saison mit der teuersten Kollektion ausgestattet werden.
Viele Vereine organisieren Tauschbörsen, geben gebrauchte Trikots weiter oder
verleihen Ausrüstung. Gerade bei schnell wachsenden Kindern sind gut erhaltene
Secondhand-Schuhe, Trainingsjacken oder Schläger häufig die vernünftigere
Lösung.
Beim Vereinsbeitrag selbst ist
die Sache komplizierter. Er finanziert im Idealfall nicht nur eine
Dienstleistung, sondern eine gemeinschaftliche Struktur. Trainerinnen und
Trainer müssen qualifiziert, Sportstätten gepflegt, Versicherungen bezahlt und
Angebote organisiert werden. Wer Beiträge dauerhaft zu niedrig ansetzt, riskiert
deshalb, dass Vereine an anderer Stelle sparen müssen oder Angebote ganz
verschwinden.
Entscheidend ist nicht nur der Preis
Der idealo-Kostencheck macht
sichtbar, wie unterschiedlich die laufenden Ausgaben junger Familien in
Deutschland sein können. Die Spanne von 60 bis 204 Euro zeigt zugleich, dass
selbst ein grundsätzlich günstiges Freizeitangebot regional sehr verschieden
bepreist wird.
Das Ranking sollte jedoch nicht
als abschließendes Urteil über einzelne Städte oder deren Vereine gelesen
werden. Dafür ist die Datenbasis mit jeweils einem exemplarisch ausgewählten
Sportverein zu schmal. Als Denkanstoß ist der Vergleich dennoch wertvoll.
Denn hinter jeder Zahl steht
eine größere Frage: Wie viel darf gesellschaftliche Teilhabe kosten?
Kinder brauchen Bewegung. Sie
brauchen Orte, an denen sie dazugehören, sich ausprobieren und gemeinsam mit
anderen wachsen können. Ein guter Sportverein bietet all das. Sein Wert lässt
sich deshalb kaum in Euro messen.
Umso wichtiger ist es, dass
Mitgliedsbeiträge transparent, sozial ausgewogen und für Familien mit
unterschiedlichen Einkommen tragbar bleiben. Vereinssport sollte nicht kostenlos
sein müssen. Er sollte aber auch kein Privileg werden.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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