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Köln-Marathon auf Rekordkurs: Teilnehmerboom und Angriff auf die Bestzeiten |
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Der Generali Köln Marathon
erlebt einen Ansturm wie nie zuvor. Mehr als 40.000 Menschen haben sich für die
verschiedenen Wettbewerbe am 4. Oktober angemeldet. Während der Halbmarathon
längst ausgebucht ist, will der Veranstalter nun auch sportlich in eine neue
Größenordnung vorstoßen. Das Budget für internationale Spitzenläufer wurde
verdoppelt. Die Streckenrekorde bei Männern und Frauen sollen fallen.
Es ist noch früh am Morgen, als
sich Köln langsam in Bewegung setzt. In Deutz füllen sich die Straßen, auf der
anderen Rheinseite ragen die Türme des Doms über die Dächer. Zehntausende
Läuferinnen und Läufer warten auf ihren Start. Für viele wird es der sportliche
Höhepunkt des Jahres sein. Für einige wenige geht es dagegen um Sekunden,
Siegprämien und möglicherweise einen Eintrag in die Geschichtsbücher.
Wenn am 4. Oktober 2026 die 28.
Ausgabe des Generali Köln Marathon gestartet wird, könnte die Veranstaltung
gleich mehrere Rekorde brechen. Schon mehr als zwei Monate vor dem Rennen steht
fest: So groß war das Interesse noch nie.
Mehr als 40.000 Menschen wollen durch Köln laufen
Über alle Wettbewerbe hinweg
haben sich bereits mehr als 40.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet.
Besonders begehrt ist der Halbmarathon. Rund 20.000 Startplätze sind seit
Monaten vergeben. Mehr Läufer möchte der Veranstalter auf dieser Distanz nicht
zulassen.
Der Grund liegt nicht allein in
der Organisation des Starts. Auch auf der Strecke und im Zielbereich sind die
räumlichen Möglichkeiten begrenzt. Renndirektor Markus Frisch verweist darauf,
dass es bereits im vergangenen Jahr teilweise eng geworden sei. Ein Lauf durch
die Kölner Innenstadt soll schließlich kein Gedränge werden, bei dem jeder
Schritt vom Tempo des
Vordermanns abhängt.
Wer noch auf einen
Halbmarathonplatz hofft, kann lediglich über die offizielle Startplatzbörse
nachrücken.
Überraschender ist die
Entwicklung auf der klassischen Marathondistanz. Rund 12.500 Meldungen liegen
bereits vor. Bis zum Meldeschluss rechnet der Veranstalter mit 13.000 bis 14.000
Teilnehmern. Damit nähert sich Köln wieder jenen Größenordnungen, die der
Marathon kurz nach der Jahrtausendwende erreichte, damals noch ohne die
Konkurrenz eines parallel ausgetragenen Halbmarathons.
Die maximale Teilnehmerzahl für
den Marathon liegt bei 15.000. Davon gehen 14.600 Plätze in den freien Verkauf,
weitere 400 sind für Partner, Sponsoren und Reiseveranstalter vorgesehen.
Der Marathon wird jünger
Hinter dem Anstieg verbirgt
sich mehr als ein kurzfristiger Laufboom. Nach Angaben des Veranstalters trauen
sich vor allem Menschen zwischen 20 und 40 Jahren an die 42,195 Kilometer heran.
Viele von ihnen haben während
der Corona-Jahre mit dem Laufen begonnen. Aus den ersten Trainingsrunden wurden
Zehn-Kilometer-Läufe, später Halbmarathons und nun für immer mehr Läuferinnen
und Läufer der erste Marathon.
Noch vor 20 Jahren galt der
typische Marathonstarter häufig als erfahrener Ausdauersportler zwischen 40 und
55 Jahren. Dieses Bild verändert sich. Die Marathondistanz bleibt eine enorme
Herausforderung, hat aber für eine jüngere Generation offenbar nichts von ihrer
Anziehungskraft verloren.
Genau dieser Zulauf eröffnet
dem Veranstalter neue Möglichkeiten.
Doppelte Investition in die Weltklasse
Die hohen Meldezahlen sorgen
für zusätzliche Einnahmen. Einen Teil davon investiert die Kölner AusdauerSport
GmbH gezielt in den Spitzensport. Das Budget für die Verpflichtung
internationaler Eliteathletinnen und Eliteathleten wurde nach Angaben von
Renndirektor Markus Frisch verdoppelt.
Köln möchte damit nicht nur als
stimmungsvoller Stadtmarathon wahrgenommen werden. Die Veranstaltung soll auch
sportlich stärker mit den großen deutschen Rennen in Berlin, Frankfurt, Hamburg
und München konkurrieren.
"Bei einem Marathon dieser
Größenordnung müssen wir auch hochklassigen Spitzensport bieten", erklärte
Frisch gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger. Das Ziel sei es, in der
internationalen Laufszene mehr Aufmerksamkeit zu erhalten.
Für die Breitensportler besitzt
das Elitefeld ebenfalls einen besonderen Reiz. Anders als im Fußball oder im
Tennis treten Hobbyläufer und Weltklasseathleten beim Marathon tatsächlich im
selben Wettbewerb an. Sie starten auf derselben Strecke, passieren dieselben
Verpflegungsstellen und laufen unter demselben Zielbogen am Dom hindurch.
Nur das Tempo unterscheidet
sich erheblich.
Weltmeister gegen Streckenrekordhalter
Bei den Männern hat Köln ein
Feld zusammengestellt, das den erst 2025 aufgestellten Streckenrekord ernsthaft
gefährden kann.
Damals lief Barnaba Kipkoech
aus Kenia nach 2:06:53 Stunden ins Ziel. Trotz Wind und Regen verbesserte er die
bisherige Bestmarke und stellte zugleich eine persönliche Bestzeit auf. Nun
kehrt der Titelverteidiger nach Köln zurück.
Sein prominentester
Herausforderer ist Victor Kiplangat. Der Ugander gewann 2023 bei den
Weltmeisterschaften in Budapest den Marathontitel. Seine persönliche Bestzeit
von 2:05:09 Stunden stellte er 2022 in Hamburg auf.
Der dritte große Name ist
Bernard Koech. Der Kenianer gewann den Hamburg Marathon 2023 und 2024. Mit einer
Bestzeit von 2:04:09 Stunden ist er auf dem Papier der schnellste Läufer des
bislang bekannten Kölner Feldes.
Ein Titelverteidiger, ein
Weltmeister und ein Mann mit einer Zeit von knapp über 2:04 Stunden: Die
Botschaft des Veranstalters ist eindeutig. Der Männerrekord soll nicht nur knapp
verbessert werden. Köln möchte die eigene Bestmarke möglichst auf ein
international deutlich höheres Niveau bringen.
Vier Frauen können den Rekord angreifen
Noch aussichtsreicher erscheint
der Rekordversuch bei den Frauen. Die bisherige Bestzeit von 2:25:34 Stunden
stammt aus dem Jahr 2012. Damals gewann die Kenianerin Helena Kirop.
Mehrere Starterinnen des
diesjährigen Feldes sind bereits deutlich schneller gelaufen.
Titelverteidigerin Fantu Shugi
gewann 2025 in Köln in 2:29:12 Stunden. Beim Dubai Marathon steigerte die
Äthiopierin ihre Bestzeit anschließend auf 2:23:29 Stunden.
Noch schneller war Agnes Keino.
Die erfahrene Kenianerin lief beim Frankfurt Marathon 2024 nach 2:22:53 Stunden
ins Ziel. Jackline Chepngeno reist mit einer Bestzeit von 2:24:21 Stunden an.
Faith Chepkoech, im vergangenen Jahr Dritte in Köln, komplettiert das
Spitzenquartett mit einer persönlichen Bestmarke von 2:26:22 Stunden.
Damit stehen gleich drei Frauen
an der Startlinie, die den Kölner Streckenrekord bereits an anderer Stelle
unterboten haben. Entscheidend wird sein, ob das Rennen schnell genug angelaufen
wird und ob die äußeren Bedingungen mitspielen.
Köln besitzt mehr als eine schnelle Strecke
Rein sportlich bietet der Kurs
gute Voraussetzungen. Die Strecke gilt als flach und führt von Deutz durch
Rodenkirchen, Lindenthal, Ehrenfeld und Nippes zurück in die Innenstadt. Das
Ziel liegt unmittelbar am Kölner Dom. :contentReference[oaicite:10]{index=10}
Doch Köln lebt nicht allein von
schnellen Kilometern. Bands, Musikgruppen, Veedelsvereine und unzählige private
Unterstützer verwandeln den Marathon traditionell in ein langes Straßenfest. Für
die Spitzenläufer bedeutet die Atmosphäre zusätzliche Motivation. Für viele
Freizeitläufer ist sie der Grund, warum sie schwierige Phasen zwischen Kilometer
30 und 40 überhaupt überstehen.
Die große Herausforderung für
die Veranstalter besteht deshalb darin, beides miteinander zu verbinden: einen
internationalen Spitzenmarathon und ein Laufevent für Zehntausende Menschen,
deren persönlicher Sieg vielleicht erst nach vier, fünf oder sechs Stunden
feststeht.
Ein Rennen zwischen Masse und Weltklasse
Der Köln Marathon steht 2026 an
einem bemerkenswerten Punkt seiner Entwicklung. Die Teilnehmerzahlen erreichen
neue Dimensionen. Der Halbmarathon ist an seiner Kapazitätsgrenze angekommen.
Gleichzeitig erlebt die klassische Distanz einen Zulauf, den viele deutsche
Marathonveranstalter seit Jahren vermissen.
Nun soll auch die sportliche
Spitze folgen.
Ob am 4. Oktober tatsächlich
beide Streckenrekorde fallen, hängt von vielen Faktoren ab. Das Wetter muss
passen, die Tempomacher müssen zuverlässig arbeiten und die Favoriten dürfen
sich nicht zu früh in taktischen Spielchen verlieren.
Die Voraussetzungen sind jedoch
besser als seit Langem. Bei den Männern trifft der Titelverteidiger auf einen
Weltmeister und einen 2:04-Stunden-Läufer. Bei den Frauen stehen mehrere
Athletinnen am Start, deren Bestzeiten deutlich unter dem bestehenden Kölner
Rekord liegen.
Für die Zuschauer könnte daraus
ein ungewöhnlicher Marathontag entstehen. Erst jagen die Besten der Welt in kaum
vorstellbarem Tempo durch die Stadt. Danach folgen Zehntausende Läuferinnen und
Läufer mit ihren eigenen Zielen, Geschichten und Hoffnungen.
Und am Ende führt ihr Weg
dorthin, wo in Köln große Geschichten besonders gerne enden: direkt vor den Dom.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Foto: Detlev Ackermann, laufen-in-Koeln
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