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Berliner City Night: Rekordtempo auf dem Kurfürstendamm |
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Knapp 16.000 Läuferinnen und Läufer verwandelten die Berliner City West in eine riesige Laufarena. Während Kifle Kefyalew über zehn Kilometer einen neuen Streckenrekord aufstellte, gelang Esther Pfeiffer ein überzeugender Formtest auf dem Weg zum Berlin-Marathon.
Es gibt Laufveranstaltungen, bei denen sich die Stadt für einige Stunden zurückzieht. Die Straßen werden gesperrt, Absperrgitter aufgestellt und die Läufer übernehmen den Asphalt. Bei der adidas Runners City Night geschieht jedoch noch etwas anderes: Berlin zieht sich nicht zurück, sondern läuft mit.
Am Samstagabend, dem 1. August 2026, leuchteten die Schaufenster am Kurfürstendamm, Musik dröhnte aus den Cheering Zones und über der breiten Straße lag jene Mischung aus Nervosität, Sommerabend und Wettkampffieber, die Nachtläufe so besonders macht. Knapp 4.400 Aktive starteten über fünf Kilometer. Für den ausverkauften Hauptlauf über zehn Kilometer hatten sich rund 11.600 Menschen einen Startplatz gesichert. Damit stand das größte Läuferfeld in der Geschichte der Veranstaltung bereit.
Doch Masse allein erklärt die Faszination dieser Berliner Nacht nicht. An der Spitze wurde international beachtliches Tempo geboten. Weiter hinten kämpften Tausende um persönliche Bestzeiten, ein gleichmäßiges Rennen oder einfach um den Moment, unter dem beleuchteten Zieltor anzukommen.
Fünf Kilometer zwischen Einstieg und Vollgas
Der erste Laufstart des Abends gehörte um 19 Uhr den Teilnehmern über fünf Kilometer. Die Strecke ist leicht zu verstehen und gerade deshalb schnell. Vom Bereich nahe der Gedächtniskirche führt sie über den Kurfürstendamm bis zum Wendepunkt und anschließend zurück. Große Anstiege oder technisch schwierige Passagen gibt es nicht. Wer seine Kräfte richtig einteilt, kann früh Tempo aufnehmen und bis zum Ziel halten.
Für manche war dieser Lauf der erste offizielle Fünfer. Andere standen mit konkreten Zwischenzeiten und ambitionierten Bestzeitplänen am Start. Diese Mischung prägt das Rennen. Während die Spitze um Sekunden kämpft, erleben nur wenige Meter dahinter zahlreiche Menschen erstmals, wie sich ein Lauf auf einer abgesperrten Großstadtstraße anfühlt.
Bei den Männern setzte sich Elias Kolar von der LG Telis Finanz Regensburg durch. Er erreichte das Ziel nach 14:25 Minuten. Felix Hüttig vom LAC Olympia 88 Berlin blieb lange in Reichweite und wurde in 14:29 Minuten Zweiter. Rang drei belegte Louis Charbonnier mit 14:42 Minuten.
Noch enger fiel die Entscheidung bei den Frauen aus. Anne Gebauer vom Berlin Track Club gewann in 16:46 Minuten. Nur vier Sekunden später folgte Basmala Iraqi von Top4Running. Luisa Mlinzk von der LG Telis Finanz Regensburg komplettierte das Podium in 16:56 Minuten. Zwischen der Siegerin und der Drittplatzierten lagen damit gerade einmal zehn Sekunden.
Das hohe Tempo an der Spitze war allerdings nur ein Teil der Geschichte. Fast 4.400 Menschen füllten den Kurfürstendamm mit Bewegung. Einige kamen mit weit geöffnetem Schritt und letzter Kraft ins Ziel. Andere liefen Hand in Hand oder ließen sich auf den letzten Metern vom Publikum tragen. Genau darin liegt die Stärke des Fünfers: Er kann ein ernsthafter Wettkampf sein, ohne seine Zugänglichkeit zu verlieren.
Der Kurfürstendamm wartet auf den Hauptlauf
Eine Stunde später änderte sich die Atmosphäre. Das Feld wurde größer, die Spannung dichter und die Erwartungen höher. Um 20 Uhr startete der ausverkaufte 10-Kilometer-Lauf.
Anders als die geradlinige Fünf-Kilometer-Runde führt der Hauptlauf sternförmig durch die City West. Die Aktiven passieren zentrale Streckenbereiche mehrfach. Besonders am Adenauerplatz bündelte sich die Stimmung. Musik, Moderation und dicht stehende Zuschauer sorgten dafür, dass selbst die späteren Kilometer kaum still wurden. Die Strecke in dieser Form feierte 2022 ihre Premiere und hat sich inzwischen als ausgesprochen schneller Stadtkurs etabliert.
Die Bedingungen spielten ebenfalls mit. Rund 20 Grad bedeuteten für einen Sommerabend vergleichsweise angenehme Temperaturen. Zusätzliche Wasserduschen vor den Versorgungsstellen boten eine kurze Abkühlung. Für Spitzenzeiten braucht es jedoch mehr als gutes Wetter und eine flache Strecke. Es braucht Mut vom ersten Kilometer an.
Kifle Kefyalew brachte genau diesen Mut mit.
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| Kifle Kefyalew |
Kifle Kefyalew läuft in eine neue Dimension
Der Äthiopier, der für den SV Fun-Ball Dortelweil startet, übernahm an der Spitze früh Verantwortung. Sein Ziel war nicht nur der Sieg. Der Streckenrekord von Hendrik Pfeiffer stand bei 28:27 Minuten und war erst ein Jahr alt. Um diese Marke zu unterbieten, durfte Kefyalew im Durchschnitt kaum mehr als 2:50 Minuten pro Kilometer benötigen.
Er hielt das Tempo.
Nach 28:03 Minuten überquerte Kefyalew die Ziellinie. Damit verbesserte er den bisherigen Rekord um deutliche 24 Sekunden und stellte zugleich eine persönliche Bestzeit auf. Umgerechnet entspricht seine Leistung einem Kilometerschnitt von rund 2:48 Minuten. Die Grenze von 28 Minuten, die bei einem deutschen Straßenrennen nur selten in Reichweite gerät, fehlte am Ende lediglich um drei Sekunden.
Auch hinter dem Sieger wurde schnell gelaufen. Aaron Bienenfeld von Düsseldorf Athletics belegte in 28:29 Minuten den zweiten Platz und verbesserte seine persönliche Bestleistung um zwei Sekunden. Der Brite Jake Smith folgte in 28:31 Minuten. Jona Bodirsky vom TSV Bayer 04 Leverkusen wurde in 28:38 Minuten Vierter, Haftom Welday vom TB Hamburg Eilbeck erreichte nach 28:51 Minuten als Fünfter das Ziel. Bodirsky und Welday stellten ebenfalls persönliche Bestzeiten auf.
Dass gleich mehrere Athleten unter 29 Minuten blieben, zeigt die sportliche Qualität des Rennens. Zugleich demonstrierte Kefyalews Sololauf, welches Potenzial die Berliner Strecke besitzt. Unter passenden Bedingungen erscheint nun sogar eine Zeit unter 28 Minuten möglich.
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| Esther
Pfeiffer |
Esther Pfeiffer gewinnt mit kontrollierter Stärke
Bei den Frauen galt Esther Pfeiffer schon vor dem Start als klare Favoritin. Die Läuferin von Düsseldorf Athletics hatte ihre persönliche Bestzeit im April im spanischen Laredo auf 30:45 Minuten gesteigert. Damit gehört sie über zehn Kilometer zu den schnellsten deutschen Straßenläuferinnen überhaupt.
In Berlin ging es für sie jedoch nicht ausschließlich um eine neue Bestmarke. Die City Night war ein wichtiger Test innerhalb ihrer Vorbereitung auf den Berlin-Marathon am 27. September. Ein Zehn-Kilometer-Rennen aus dem Marathontraining heraus kann viel verraten. Es zeigt, wie gut die Grundschnelligkeit erhalten bleibt, wie der Körper auf hohes Tempo reagiert und ob sich die Form in die gewünschte Richtung entwickelt.
Pfeiffer bestand diesen Test überzeugend. Nach 31:20 Minuten erreichte sie als klare Siegerin das Ziel. Es war die zweitschnellste Zeit ihrer Karriere und zugleich die zweitschnellste Frauenzeit in der Geschichte der City Night. Nur die Belgierin Chloé Herbiet war 2025 mit ihrem Streckenrekord von 31:12 Minuten schneller gewesen. Gegenüber ihrem dritten Platz im Vorjahr verbesserte sich Pfeiffer auf derselben Veranstaltung um 19 Sekunden.
Auch Fabienne Königstein konnte zufrieden auf den Abend zurückblicken. Die Läuferin von Hannover 96 wurde in persönlicher Bestzeit von 31:57 Minuten Zweite. Für sie war das Rennen der letzte wichtige Formtest vor dem Marathon bei den Europameisterschaften in Birmingham. Anna Langerwisch vom SCC Berlin und Marathon Team Berlin steigerte sich auf 32:17 Minuten und sicherte sich den dritten Platz.
Damit erzielten alle drei Frauen auf dem Podium Zeiten unter 32:20 Minuten. Vor allem Königsteins Bestleistung aus dem laufenden Marathontraining und Pfeiffers souveräner Sieg machten deutlich, dass ein schneller Zehner weit mehr sein kann als ein isoliertes Ergebnis. Er kann zum präzisen Standorttest für die kommenden 42,195 Kilometer werden.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Fotos: SCC EVENTS / Tilo Wiedensohler
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