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Sengbach-Talsperrenlauf 2026: Stark besetzt, hart gelaufen
 
 
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17.08.2026  

 
 

 
Wer am Sengbach eine persönliche Bestzeit plant, hat sich vermutlich den falschen Wettkampf ausgesucht. Wer dagegen wissen möchte, wie sich rund 200 Höhenmeter pro Runde, Waldwege und ein Schlussanstieg auf schnelle Beine auswirken, bekommt beim Sengbach-Talsperrenlauf eine ziemlich ehrliche Antwort.
 
Am Sonntag, 16. August 2026, führte der TV Witzhelden seinen traditionsreichen Sengbach-Talsperrenlauf wieder durch. Im Mittelpunkt stand, was diese Veranstaltung seit vielen Jahren ausmacht: eine anspruchsvolle Strecke rund um die Talsperre und ein Teilnehmerfeld, in dem sich ambitionierte Freizeitläufer mit einigen ausgesprochen schnellen und erfahrenen Athleten mischten.
 
Der Veranstalter bot die Sengbachrunde über 11,3 Kilometer, den Halbmarathon, den 30,9 Kilometer langen Dreiviertelmarathon sowie Walking und zwei Familienläufe an.
 
Und schon ein Blick auf die Namen an der Spitze zeigt: Einige Sieger kamen keineswegs zufällig ganz vorne an.
 
Jamal Sanhaji lässt auf der Sengbachrunde nichts anbrennen
 
Über 11,3 Kilometer setzte sich Jamal Sanhaji von den Sportfreunden Blau-Gelb Marburg in 41:12 Minuten durch. Fast zwei Minuten später folgte Frank Briesenick vom TuS Köln rrh. in 43:11 Minuten, Dritter wurde Florian Färber in 45:18 Minuten.
 
Sanhaji ist in der Laufszene kein Unbekannter. Der 1988 geborene Marburger bringt eine Marathonbestzeit von knapp zweieinhalb Stunden mit und wurde 2014 beim Frankfurt-Marathon hessischer Marathonmeister. Auch mehr als ein Jahrzehnt später läuft er noch auf hohem regionalem Niveau.
 
Dass 41:12 Minuten am Sengbach nicht mit einer gewöhnlichen 11-Kilometer-Zeit gleichgesetzt werden dürfen, versteht man spätestens nach einem Blick auf das Profil. Vom Start geht es zunächst hinunter zum Rundweg der Talsperre. Die eigentliche 9,8-Kilometer-Runde weist in der Summe rund 200 Höhenmeter auf. Danach wartet der Weg zurück nach oben zum Ziel. Fast vollständig wird auf befestigten Waldwegen gelaufen.
 
Auch der Zweitplatzierte hat einen interessanten Hintergrund. Frank Briesenick ist beim TuS Köln rrh. längst mehr als nur Läufer. Er gehört zur Abteilungsleitung, verantwortet dort die sportliche Leitung der Leichtathletik und arbeitet auch als Trainer im Mittel- und Langstreckenbereich. Dass er selbst noch ordentlich Tempo besitzt, hat er bei zahlreichen regionalen Rennen gezeigt.
 
Bei den Frauen fiel die Entscheidung noch deutlicher aus. Anke Brenner vom LT SV Hönningen gewann in 51:37 Minuten vor Janina Kemper in 56:38 und Kristin Rehbach in 57:19 Minuten.
 
378 Teilnehmer waren für die Sengbachrunde erfasst, lediglich einer beendete den Lauf nicht.
 
Marius Trompetter kennt den Weg zum Sieg
 
Im Halbmarathon gab es einen Sieger, der mit dem Sengbach bereits eine kleine gemeinsame Geschichte hat.
 
Marius Trompetter von Milers Colonia 2020 gewann in starken 1:18:12 Stunden. Titus Schauf folgte mit 1:25:34, Dominik Gorka wurde in 1:28:53 Dritter. Trompetters Vorsprung betrug damit mehr als sieben Minuten.
 
Der Kölner ist keineswegs erst seit gestern schnell. Aus seiner Zeit auf der Bahn stehen unter anderem 15:05 Minuten über 5000 Meter und 3:55 Minuten über 1500 Meter in den Ergebnisdatenbanken. Später gehörte er zu den Athleten, mit denen Milers Colonia 2020 in die nordrheinische Laufszene einstieg.
 
Noch interessanter ist allerdings seine Sengbach-Vergangenheit: Bereits 2022 gewann Trompetter hier den 30,9 Kilometer langen Dreiviertelmarathon. Damals benötigte er 2:00:28 Stunden. Vier Jahre später entschied er nun den Halbmarathon für sich.
 
Das ist eine schöne sportliche Verbindung. Denn wer diese Strecke über drei Runden kennt, weiß ziemlich genau, wann Zurückhaltung sinnvoll ist und an welchem Anstieg ein zu forscher Beginn später teuer werden kann.
 
Bei den Frauen lief Svantje Eyring ein starkes Rennen. Sie gewann in 1:32:54 Stunden vor Ronja Marte in 1:35:09 und Jolanta Bartel in 1:44:45.
 
227 Teilnehmer standen in der Halbmarathon-Ergebnisliste, fünf erreichten das Ziel nicht.
 
Beim Dreiviertelmarathon treffen Straße und Ultra aufeinander
 
Die vielleicht spannendste Besetzung gab es über 30,9 Kilometer.
 
Manuel Skopnik vom TV Refrath setzte sich bei den Männern in 2:08:53 Stunden durch. Stephan Bützler von den Selbstläufern Altenahr benötigte 2:19:02, Jan Schneider folgte in 2:23:13 Stunden.
 
Zehn Minuten Vorsprung auf dieser Strecke sind eine Ansage. Bei Skopnik überrascht allerdings weniger, dass er lange laufen kann, sondern eher, auf wie vielen unterschiedlichen Distanzen er konkurrenzfähig ist.
 
Der 1972 geborene Refrather gehört seit Jahren zur deutschen Ultramarathonszene. 2025 legte er bei der deutschen Meisterschaft im Sechs-Stunden-Lauf 76,972 Kilometer zurück, belegte damit Rang fünf im Gesamteinlauf und gewann den deutschen Meistertitel der M50. Im Frühjahr 2026 lief er außerdem den Hannover-Marathon in 2:46:20 Stunden.
 
Seine Stärke liegt damit ziemlich genau in dem Bereich, den der Sengbach verlangt: Tempo ist notwendig, aber wer seine Kräfte nicht einteilen kann, wird auf der dritten Runde bestraft.
 
Noch hochklassiger liest sich die Frauenkonkurrenz.
 
Alexandra Krämer vom LC Rapid gewann in 2:21:58 Stunden. Nur 2:37 Minuten dahinter folgte Sarah Napiwotzki vom Craft-Team in 2:24:35 Stunden. Lena Bagdaschwilli vom ATV Hückeswagen komplettierte das Podium in 2:34:57 Stunden.
 
Krämer kommt ursprünglich deutlich stärker von den klassischen Laufdistanzen. Für sie sind unter anderem 17:08,55 Minuten über 5000 Meter und 36:10 Minuten über zehn Kilometer dokumentiert. Eine solche Grundschnelligkeit auf 30,9 welligen Kilometern umzusetzen, ist eine andere Aufgabe. Am Sengbach gelang ihr genau das.
 
Mit Sarah Napiwotzki hatte sie allerdings eine Gegnerin hinter sich, deren sportliche Heimat eher dort beginnt, wo normale Straßenläufe längst aufgehört haben. Napiwotzki gehört zum Craft Elite Run Team Germany und ist regelmäßig bei internationalen Trail- und Ultratrailrennen unterwegs.
 
Damit trafen am Sengbach zwei durchaus unterschiedliche läuferische Profile unmittelbar aufeinander: vorne die schnelle Straßen- und Bahnläuferin Krämer, dahinter die international erfahrene Ultraläuferin Napiwotzki. Auf 30,9 Kilometern mit den vielen Höhenmetern lagen am Ende gerade einmal zweieinhalb Minuten zwischen ihnen.
 
114 Läuferinnen und Läufer stellten sich der längsten Distanz des Tages.
 
Erst hinunter, am Ende wieder hinauf
 
Das Grundprinzip des Sengbachlaufs klingt zunächst harmlos. Vom Veranstaltungsgelände in Brachhausen geht es hinunter zur Talsperre. Dort wird die 9,8 Kilometer lange Runde gegen den Uhrzeigersinn gelaufen: einmal bei der Sengbachrunde, zweimal im Halbmarathon und dreimal beim Dreiviertelmarathon. Danach geht es zurück zum Ziel.
 
Der entscheidende Satz steckt in diesem letzten Teil: Es geht zurück nach oben.
 
Pro Runde summieren sich nach Angaben des Veranstalters etwa 200 Höhenmeter. Wer über 30,9 Kilometer startet, sammelt entsprechend einiges davon. Die Strecke führt fast vollständig über befestigte Waldwege und ist aufgrund des Landschaftsschutzgebietes komplett autofrei. Zwei Verpflegungsstellen stehen auf der Runde zur Verfügung.
 
Technisch ist das kein alpiner Trail. Läuferisch gemütlich ist es deshalb noch lange nicht.
 
Gerade die Mischung macht die Strecke schwierig. Auf gut laufbaren Passagen lässt sich Tempo aufnehmen. Genau das verführt dazu, mehr zu investieren, als später gut ist. Steigungen unterbrechen den Rhythmus und jede Runde verändert die Wahrnehmung derselben Strecke. Was beim ersten Umlauf noch wie eine harmlose Welle aussieht, kann sich beim dritten Besuch erstaunlich ausgewachsen anfühlen.
 
Auch die Walker gehören dazu
 
42 Teilnehmer gingen über die Sengbachrunde als Walker auf die Strecke. Schnellster war Andreas Volkmer in 1:24:52 Stunden. Lukas Steinjan folgte in 1:27:00, Udo Stollwerk vom RTB Remscheid benötigte 1:28:42 Stunden.
 
Der Veranstalter integriert das Walking bewusst in die 11,3-Kilometer-Strecke. Gestartet wird gemeinsam mit den Läufern am Ende des Feldes. Walkingstöcke sind auf der Strecke allerdings nicht zugelassen.
 
Damit reicht das sportliche Spektrum an einem Vormittag von schnellen 41 Minuten über die Sengbachrunde bis zu Athleten, die sonst 100 Kilometer, sechs Stunden oder sogar weit mehr als 100 Kilometer durch die Berge laufen.
 
Ein Traditionslauf, der seine Landschaft nicht als Dekoration braucht
 
Der Sengbach-Talsperrenlauf lebt nicht von breiten Innenstadtstraßen, Musikgruppen an jeder Kreuzung oder einem Zieleinlauf zwischen hohen Tribünen. Seine Bühne ist seit Jahrzehnten dieselbe: Wald, Wasser, Staumauer und Höhenmeter.
 
Die Ergebnisse von 2026 zeigen auch sportlich, wie breit dieser Lauf aufgestellt ist. Ein ehemaliger hessischer Marathonmeister gewinnt die kurze Runde. Ein Läufer mit 15-Minuten-Niveau über 5000 Meter entscheidet den Halbmarathon für sich. Ein deutscher Altersklassenmeister im Sechs-Stunden-Lauf dominiert die längste Distanz. Dahinter liefern sich eine schnelle Straßenläuferin und eine international erfahrene Ultraläuferin ein enges Rennen.
 
Und am Ende gilt für sie alle dieselbe Regel:
 
Wer hinunter zur Sengbachtalsperre läuft, muss irgendwann wieder hinauf.

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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln


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