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Die blaue Linie ist zurück: Münster im Marathonfieber |
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Noch sind es einige Tage bis zum Start des 24. Volksbank-Münster-Marathons. Doch wer an diesem Mittwochmorgen durch Münster fährt, läuft oder zur Arbeit geht, kann kaum übersehen, dass der Countdown begonnen hat. Über den Asphalt zieht sich wieder jene blaue Linie, die für viele Münsteraner längst mehr ist als eine Streckenmarkierung. Seit mehr als 20 Jahren kündigt sie an: Der Marathon kommt.
Der Regen hatte den Organisatoren zunächst noch einen kleinen Strich durch die Rechnung zu machen gedroht. Doch rechtzeitig trocknete der Asphalt ab. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch konnte die inzwischen legendäre blaue Linie wie geplant auf die Straßen gebracht werden.
42,195 Kilometer durch Münster, einmal die gesamte Marathonstrecke entlang. Die Linie kennzeichnet dabei den kürzesten Weg über den Kurs und dient den Läuferinnen und Läufern am Wettkampftag zugleich als Orientierung.
In diesem Jahr waren die Organisatoren bei ihrer nächtlichen Tour nicht allein. Neben der obligatorischen Polizeieskorte schlossen sich einige Läufer dem Tross an. Zumindest die rund zehn Kilometer lange Innenstadtrunde wollten sie mitlaufen. Die passende Kleidung gehörte für sie selbstverständlich dazu: ein Shirt des Volksbank-Münster-Marathons. Das bringe Glück für den bevorstehenden Lauf, lautet die Überzeugung der Teilnehmer.
Auch einige Radfahrer machten sich mit auf den Weg. Einfach hinterherrollen konnten sie allerdings nicht. Gerade auf den langen Geraden entwickelte der Markierungstross ein Tempo, das auf dem Fahrrad durchaus Einsatz verlangte. Mit gelben Warnwesten sorgten die Begleiter zugleich für zusätzliche Sichtbarkeit der Eskorte.
Vom „Eisenschwein“ zur Rekordfahrt
Kaum jemand verbindet die Geschichte der blauen Linie so sehr mit dem Münster-Marathon wie Jürgen Sieme und Michael Brinkmann. Seit 2003 begleiten die beiden die nächtliche Markierungsfahrt. Damals, bei der zweiten Auflage des Marathons, wurde die Linie erstmals gezogen.
Die Technik war zu dieser Zeit noch deutlich rustikaler. Zum Einsatz kam zunächst ein aus Berlin stammendes Markierungsgerät, das liebevoll „Eisenschwein“ genannt wurde. Das historische Gerät sorgte bisweilen für lange Nächte. Reparaturen unterwegs konnten dazu führen, dass die Mannschaft erst gegen drei Uhr morgens wieder zurück war.
Mehr als zwei Jahrzehnte später hat sich technisch einiges verändert. Und das zeigte sich in diesem Jahr eindrucksvoll: Nach gerade einmal 2:09 Stunden war die komplette Markierung erledigt.
Eine bemerkenswerte Zahl, denn 2:09 Stunden liegt ungefähr in jenem Bereich, den die Organisatoren auch für die Siegerzeit des Marathons erwarten.
„Das war auch für uns Rekordzeit“, stellte Jürgen Sieme anschließend fest.
Sieme begleitet die Veranstaltung inzwischen aus seinem „Marathon-Ruhestand“. Früher gehörte er zu den prägenden Köpfen hinter den Kulissen, war EDV-Chef und Geschäftsführer des Münster-Marathon e.V. Michael Brinkmann steht dagegen weiterhin an zentraler Stelle der Organisation.
Eine Linie, die in Münster jeder kennt
Wie tief sich dieses Ritual inzwischen in das Bewusstsein der Stadt eingeprägt hat, bemerkte Brinkmann bereits am nächsten Morgen.
„Auf meinem Weg zum Marathonbüro bin ich vielen in der Stadt begegnet, die sich gefreut haben: Hey, die blaue Linie ist da.“
Das klingt zunächst nach einer kleinen Randgeschichte aus der Vorbereitung eines großen Laufevents. Tatsächlich beschreibt sie ziemlich genau, was den Münster-Marathon seit Jahren auszeichnet. Der Lauf findet nicht nur auf den Straßen der Stadt statt. Er ist für einige Tage sichtbar Teil des Stadtbildes.
Wenn morgens die Sonne auf den noch frischen blauen Strich fällt, wird aus einer abstrakten Strecke plötzlich etwas Greifbares. Hier werden am 13. September Tausende Menschen laufen. Hier werden Zuschauer stehen. Hier werden sich persönliche Geschichten um Bestzeiten, Durchhaltewillen und die letzten schweren Kilometer abspielen.
Der 24. Volksbank-Münster-Marathon findet am Sonntag, 13. September 2026, statt. Der Start des Marathons ist für 9 Uhr vorgesehen.
Dabei besteht das Wochenende längst nicht nur aus den klassischen 42,195 Kilometern. Zum Programm gehören neben dem Marathon unter anderem ein 1,5-Kilometer-Kids-Marathon, ein Gesundheitslauf über 6,5 Kilometer, ein Charitylauf über zehn Kilometer, der 2/3-Marathon über 28 Kilometer sowie die Marathonstaffel.
Über die verschiedenen Wettbewerbe hinweg rechnet der Veranstalter in diesem Jahr mit rund 12.500 Läuferinnen und Läufern. Entsprechend groß dürfte auch die Zahl der Menschen sein, die an der Strecke stehen und die Teilnehmer unterstützen.
Für den klassischen Marathon beginnt die Reise am Schlossplatz. Die Strecke verbindet Stadt und Umland, bevor der lange Weg schließlich zurück ins Zentrum führt. Das Ziel auf dem Prinzipalmarkt gehört zu den charakteristischen Bildern der Veranstaltung.
Diesmal bekommt der Marathon auch seinen eigenen Sound
Dass sich ein Marathon nicht allein über Kilometer und Zielzeiten definiert, zeigt in Münster noch eine weitere Neuerung. 2026 soll die Veranstaltung auch musikalisch eine eigene Handschrift erhalten.
Der Münsteraner Dr. Markus Müller hat dafür einen neuen Start- und Zielsong konzipiert. „Run the Dream“ und „Münster’s so proud“ greifen genau jene beiden Seiten auf, von denen der Münster-Marathon lebt: den persönlichen Traum der Menschen, die sich auf die 42,195 Kilometer oder einen der anderen Wettbewerbe vorbereiten, und den Stolz einer Stadt auf ihr großes Laufwochenende.
Bis diese Musik am 13. September zu hören sein wird, übernimmt zunächst die blaue Linie die Rolle des Vorboten.
Sie liegt jetzt auf dem Asphalt. Sie führt durch die Innenstadt, hinaus auf die Strecke und irgendwann wieder zurück Richtung Ziel. Für Autofahrer ist sie ein blauer Strich auf der Straße. Für viele Läufer ist sie bereits der Anfang ihres Marathons.
Und für Münster offenbar das sicherste Zeichen dafür, dass die Stadt wieder im Marathonmodus angekommen ist.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Fotos: Münster-Marathon e.V.
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