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Köln im Triathlonfieber: Kull und Jendryschick krönen einen Rekordtag am Rhein |
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4.200 Teilnehmer, Tausende Zuschauer und zwei Rennen auf der Mitteldistanz, die bis zum Laufen offenblieben: Der Köln-Triathlon hat bei seiner fünften Auflage einen neuen Melderekord erreicht. Alexander Kull feierte nach einer langen Verletzungspause seinen ersten Profisieg. Jenny Jendryschick legte den Grundstein für ihren Erfolg mit einer beeindruckenden Radleistung.
Als Alexander Kull am Sonntagvormittag in den Tanzbrunnen einläuft, liegt hinter ihm weit mehr als ein schneller Triathlon. 3:25:05 Stunden zeigt die Uhr. Der 26-Jährige vom HSV Weimar hat gerade die Mitteldistanz des Köln-Triathlons gewonnen und damit seinen ersten Sieg in einem Profirennen gefeiert.
Noch wichtiger ist allerdings die Geschichte hinter dieser Zeit.
Kull hatte seit Anfang 2024 mit hartnäckigen Problemen an der Achillessehne zu kämpfen und musste nach Angaben des Veranstalters mehr als ein Jahr auf Wettkämpfe verzichten. In Köln meldete er sich nun nicht irgendwo im Mittelfeld zurück, sondern ganz vorne. Sein Ziel sei das Podium gewesen, erklärte er nach dem Rennen. Vom Sieg habe er zwar geträumt, ihn aber offenbar nicht als Selbstverständlichkeit eingeplant.
Dabei sah es lange danach aus, als würde ein anderer das Rennen bestimmen.
Der Führende wird auf der Laufstrecke gestellt
Hannes Butter hatte seine Stärken im Wasser und auf dem Rad ausgespielt. Als es zum abschließenden Lauf ging, lag Kull noch hinter ihm. Für Außenstehende ist genau das einer der Reize einer Mitteldistanz: Selbst ein deutlicher Eindruck nach zwei Disziplinen muss wenig darüber aussagen, wer am Ende gewinnt.
Nach dem Schwimmen und knapp 88 Kilometern auf dem Rad waren die Beine schließlich noch längst nicht am Ziel. Jetzt musste gelaufen werden.
Und dort verschob sich das Kräfteverhältnis.
Kull übernahm in der zweiten Laufrunde die Führung und gab sie nicht mehr ab. Butter erreichte das Ziel nach 3:25:53 Stunden, nur 48 Sekunden hinter dem Sieger. Weitere 17 Sekunden später folgte Paul Weigand in 3:26:10 Stunden.
Zwischen dem Ersten und Dritten lagen damit gerade einmal 65 Sekunden. Nach mehr als dreieinhalb Stunden Wettkampf.
Für Kull dürfte diese eine Minute besonders viel bedeutet haben. Wer nach einer langen Verletzungspause überhaupt wieder konkurrenzfähig werden will, denkt zunächst kaum an Profisiege. In Köln wurde aus dem Comeback ein Sieg.
Jendryschick entscheidet das Rennen auf dem Rad
Auch bei den Frauen blieb die Mitteldistanz spannend. Jenny Jendryschick vom TriTeam Hamburg gewann in 3:49:29 Stunden vor der Dänin Anastacia Damm Nielsen, die nach 3:50:12 Stunden ins Ziel kam. Carolin Meyer vom Triathlon Jena wurde in 3:51:01 Stunden Dritte.
Damit trennten auch hier die ersten drei Frauen weniger als zwei Minuten.
Der entscheidende Abschnitt lag diesmal vor dem Laufen.
Jendryschick absolvierte die Radstrecke laut Veranstalter in 2:07:05 Stunden. Der ausgewiesene Schnitt von 41,5 km/h zeigt, auf welchem Niveau auf der Kölner Mitteldistanz inzwischen gefahren wird. Dort erarbeitete sie sich den Vorsprung, den ihre Konkurrentinnen anschließend nicht mehr vollständig schließen konnten.
Bemerkenswert war auch das Bild unmittelbar nach dem Rennen. Damm Nielsen gratulierte ihrer Konkurrentin direkt hinter der Ziellinie zu deren Radleistung. Leistungssport kann ausgesprochen eng sein, ohne dass daraus künstlich eine Feindschaft konstruiert werden muss.
Jana Uderstadt, im vergangenen Jahr noch Zweite in Köln, belegte diesmal in 3:53:01 Stunden Rang vier.
4.200 Teilnehmer verändern die Dimension der Veranstaltung
Die beiden Profirennen waren der sportliche Höhepunkt des Tages. Sie erzählen jedoch nur einen Teil dessen, was am 6. September in Köln stattfand.
Rund 4.200 Teilnehmer gingen über Mitteldistanz, Olympische Distanz, Sprint und in den Staffeln an den Start. So viele waren es bei keiner der vorherigen Austragungen. Der WDR ordnet den Köln-Triathlon inzwischen unter die drei teilnehmerstärksten Triathlonveranstaltungen Deutschlands ein. In Nordrhein-Westfalen ist er nach Angaben des Veranstalters die größte Veranstaltung seiner Art.
Und das bei gerade einmal fünf Austragungen.
Das ist vielleicht die erstaunlichste Zahl dieses Tages.
Der Köln-Triathlon lebt nicht von einer jahrzehntelangen Tradition. Er hat sich innerhalb weniger Jahre eine Größe erarbeitet, für die andere Veranstaltungen deutlich länger benötigen.
Ein Grund liegt in seinem Aufbau. Wer sich die Mitteldistanz noch nicht zutraut, kann über die Olympische Distanz oder den Sprint einsteigen. Dazu kommen Staffeln. Gleichzeitig erhält die Mitteldistanz durch ein stärker werdendes Profifeld eine sportliche Bedeutung, die über einen klassischen Breitensport-Triathlon hinausgeht.
So stehen am selben Tag Athleten mit völlig unterschiedlichen Ambitionen an der Startlinie. Für den einen geht es um einen Profisieg, für den nächsten vielleicht nur darum, erstmals drei Sportarten hintereinander erfolgreich zu bewältigen.
Köln ist nicht nur Veranstaltungsort, sondern Teil des Rennens
Für einen City-Triathlon braucht es mehr als einen geeigneten See und ein paar abgesperrte Straßen. Köln hat inzwischen eine Streckenführung entwickelt, bei der die Stadt selbst einen erheblichen Teil der Wirkung ausmacht.
Die längeren Wettbewerbe starten im Deutzer Hafen. Geschwommen wird im Rhein beziehungsweise in den Hafenbereichen. Danach wechseln die Athleten auf das Rad und bekommen etwas, das im normalen Kölner Straßenverkehr schwer vorstellbar ist: weitgehend für den Wettkampf reservierte Straßen.
Beim Laufen wird die Kulisse noch deutlicher. Rhein, Hohenzollernbrücke und Dom bestimmen das Bild, bevor im Tanzbrunnen die Ziellinie wartet.
Der WDR berichtete bereits am Vormittag von einem neuen Teilnehmerrekord und Tausenden Besuchern. Für den Verkehr bedeutete das erhebliche Einschränkungen in Deutz, der Innenstadt und im Kölner Norden. Genau darin zeigt sich aber auch die organisatorische Dimension einer Veranstaltung mit 4.200 Aktiven. Ein solcher Triathlon lässt sich nicht neben dem normalen Stadtbetrieb abwickeln.
Der Veranstalter sprach am Abend von 25 Grad, blauem Himmel und Tausenden Zuschauern entlang der Strecke. Das sind naturgemäß Angaben des Veranstalters, die Bilder eines voll besetzten Tanzbrunnens und die Dimension des Teilnehmerfeldes zeigen aber, welchen Stellenwert die Veranstaltung inzwischen erreicht hat.
Auch auf den kürzeren Distanzen ging es knapp zu
Während sich bei der Mitteldistanz die Profis duellierten, wurden auf zwei weiteren Strecken Sieger gesucht.
Die Olympische Distanz gewann Max Menzel vom TSV Bayer 04 Leverkusen in 2:00:09 Stunden. Sebastian Feser vom KTT01 folgte in 2:02:15 Stunden vor seinem Vereinskollegen Kenneth Warmuth in 2:02:51 Stunden.
Bei den Frauen setzte sich Johanna Lorenz vom MTC München in 2:23:43 Stunden durch. Annika Perk vom MACH 3 benötigte 2:24:12 Stunden, Johanna Schramm von der Reisegruppe Langdistanz 2:26:38 Stunden.
Auf der Sprintdistanz gewann Tjelle Fengler von Trijunion/Trimagos Magdeburg in 1:07:56 Stunden vor dem Kölner Thilo Knipping in 1:08:23 Stunden. Dritter wurde Maximilian Jockers in 1:09:54 Stunden.
Bei den Frauen war Anna Brehler vom MACH 3 in 1:11:11 Stunden die Schnellste. Vera Benkwitz vom KTT01 wurde in 1:15:03 Stunden Zweite, Melissa Rubio aus Kolumbien in 1:17:47 Stunden Dritte.
Damit hatte der Tag nicht nur zwei prominente Sieger auf der Mitteldistanz, sondern sportlich hochwertige Rennen über alle drei angebotenen Formate.
Ein Ministerpräsident am Sprintstart
Beim Start der Sprintdistanz unter der Deutzer Brücke war am Nachmittag auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst zu Gast.
Wüst nutzte den Besuch unter anderem, um die Bedeutung solcher Großveranstaltungen für Nordrhein-Westfalen und die Olympiabewerbung KölnRheinRuhr hervorzuheben. Das ist politische Einordnung und muss als solche verstanden werden. Für den Köln-Triathlon selbst zeigt der Besuch dennoch, welche Wahrnehmung die Veranstaltung inzwischen erreicht hat.
Aus einem noch jungen Rennen ist innerhalb weniger Jahre ein Sportereignis geworden, bei dem 4.200 Menschen selbst teilnehmen und große Teile der Innenstadt für mehrere Stunden auf Triathlon umgestellt werden.
Der vielleicht stärkste Sieger des Tages heißt Entwicklung
Natürlich bleiben am Abend Namen stehen.
Alexander Kull, der nach einer schwierigen Zeit zurückkommt und seinen ersten Profisieg feiert.
Jenny Jendryschick, die auf dem Rad die Grundlage für einen knappen Sieg legt.
Max Menzel, Johanna Lorenz, Tjelle Fengler und Anna Brehler als Sieger der weiteren Distanzen.
Doch für den Köln-Triathlon selbst könnte eine andere Zahl langfristig wichtiger sein: 4.200.
Bei der fünften Austragung hat das Rennen einen neuen Teilnehmerrekord erreicht. Der Sprung vom jungen City-Triathlon zu einer der größten Veranstaltungen Deutschlands ist damit kaum noch eine Zukunftsvision. Er ist bereits passiert.
Und vielleicht liegt die besondere Stärke des Rennens genau darin, dass Köln seine bekanntesten Orte nicht lediglich als hübschen Hintergrund benutzt.
Der Rhein wird durchschwommen. Die Straßen werden zur Radstrecke. Am Dom wird vorbeigelaufen. Im Tanzbrunnen wird gewonnen, verloren und gefinisht.
An diesem Sonntag war die Stadt nicht die Kulisse des Triathlons.
Sie war ein Teil davon.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Foto: Kölner AusdauerSport GmbH
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