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1 km, 3 Jahresbestzeiten und 1 Rekord: Refrath macht sich sein eigenes Rennen
 
 
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01.10.2026  

 
 

 
Weil im Wettkampfkalender weit und breit kein passender 1000-Meter-Lauf zu finden war, organisierte der TV Refrath kurzerhand selbst einen. Was zunächst nach einer pragmatischen Lösung für einige Mastersläufer klang, wurde in der Bergisch Gladbacher BELKAW Arena zu einem bemerkenswerten Abend: Bruno Scheja und Johannes Ritter setzten sich an die Spitze ihrer deutschen Altersklassen-Jahresbestenlisten. Antje Wietscher lief als erste deutsche W70-Athletin den Kilometer unter vier Minuten.**
 
Manchmal braucht es kein großes Meeting, keine volle Tribüne und kein dichtes Wettkampfprogramm. Eine Bahn, eine elektronische Zeitmessung, ein paar Läufer mit einem sehr konkreten Ziel und Menschen, die bereit sind, dafür einen offiziellen Wettkampf auf die Beine zu stellen, reichen.
 
Genau so entstand der Refrather 1000m Lauf am Dienstag, 29. September, in Bergisch Gladbach. Jochen Baumhof, Trainer und Abteilungsleiter des TV Refrath running teams, hatte nach einem geeigneten 1000-Meter-Wettkampf gesucht. Da sich kein passendes Angebot fand, organisierte der Verein selbst ein Meeting. Nur eine Strecke, nur 1000 Meter.
 
Es sollte allerdings kein vereinsinterner Testlauf werden. Der Wettkampf wurde beim Leichtathletik-Verband Nordrhein angemeldet, mit elektronischer Zeitmessung und Zielkamera durchgeführt. Detlev Ackermann war als Kampfrichter im Einsatz. Auch im offiziellen Wettkampfkalender des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ist die Veranstaltung mit Ergebnissen geführt. Leichtathletik Portal
 
Am Dienstagabend standen zwölf Läufer des TV Refrath, Antje Wietscher als einzige Frau sowie Burkhard Wagner vom Solinger LC bereit. Die äußeren Bedingungen passten. Und mehrere Teilnehmer hatten nicht vor, den Kilometer lediglich als schnellen Saisonabschluss zu nutzen.
 
Bruno Scheja braucht am Ende nur noch 300 Meter
 
Für Bruno Scheja war die Aufgabe klar definiert. Der M50-Läufer wollte schneller sein als 2:50,83 Minuten. Diese Zeit war Tim Gollisch von der LG Göttingen erst wenige Wochen zuvor in Göttingen gelaufen und führte damit die deutsche M50-Jahreswertung über 1000 Meter an. Auch die niedersächsische Bestenliste bestätigt Gollischs 2:50,83 Minuten vom 8. September. Bestenliste
 
Scheja bekam für seinen Versuch genau die Unterstützung, die auf 1000 Metern entscheidend sein kann. Teamkollege Max Kreitner übernahm die Führungsarbeit und legte ein Tempo von etwa 68 Sekunden pro 400 Meter vor.
 
Das brachte Scheja in die Position, die er für die letzten 300 Meter brauchte.
 
Dort wurde aus kontrolliertem Tempolaufen ein Angriff auf die Uhr. Scheja beschleunigte noch einmal deutlich und lief nach 2:48,60 Minuten ins Ziel. Damit unterbot er Gollischs bisherige Jahresbestzeit um mehr als zwei Sekunden. Das offizielle DLV-Ergebnis weist die 2:48,60 Minuten für den 1976 geborenen M50-Läufer aus. Interessanter Nebeneffekt: Tempomacher Kreitner kam zeitgleich ins Ziel. Leichtathletik Portal
 
Für den Gymnasiallehrer war der Abend damit nach gut zweieinhalb Minuten erledigt. Das gesetzte Ziel war erreicht.
 
Johannes Ritter entdeckt den Kilometer neu
 
Etwas anders lag der Fall bei Johannes Ritter. Der M60-Läufer hatte sich in dieser Saison vor allem mit den kurzen Strecken beschäftigt. 100, 200 und 400 Meter standen häufiger im Mittelpunkt. Seine 58,37 Sekunden über 400 Meter und 2:16,81 Minuten über 800 Meter zeigen, dass die Grundschnelligkeit vorhanden war. Über 1000 Meter hatte er zuvor eine persönliche Bestzeit von 3:01,00 Minuten stehen. LADV
 
Für einen Sprinter sind 1000 Meter trotzdem eine eigentümliche Distanz. Sie sind zu lang, um einfach durchzusprinten, aber zu kurz, um sich nach einem Fehler noch lange neu zu sortieren.
 
Burkhard Wagner vom Solinger LC übernahm für Ritter die Tempoarbeit und führte ihn bis ungefähr 600 Meter. Danach musste Ritter allein weiter. Ab etwa 700 Metern machte sich die hohe Belastung deutlich bemerkbar. Jetzt ging es nicht mehr darum, elegant auszusehen. Es ging um Sekunden.
 
Ritter hielt das Tempo so gut, dass er nicht nur erstmals die Drei-Minuten-Marke durchbrach. Mit 2:56,07 Minuten verbesserte er seine bisherige Bestleistung gleich um fast fünf Sekunden. Der Vereinsbericht nennt eine Steigerung um rund 15 Sekunden gegenüber einer früheren Referenz; in der öffentlich einsehbaren Leistungsdatenbank ist allerdings bereits eine 3:01,00 aus dem Jahr 2025 dokumentiert. Die neue Zeit von 2:56,07 Minuten wird im offiziellen Ergebnisportal bestätigt. LADV
 
Für 2026 bedeutet das nach Angaben des TV Refrath Rang eins in Deutschland in der M60 über 1000 Meter. TV Refrath
 
Antje Wietscher läuft in einen bislang leeren Platz der Rekordliste
 
Der bemerkenswerteste Lauf des Abends folgte jedoch bei den Frauen.
 
Antje Wietscher ist in der W70 längst keine Unbekannte. In der offiziellen DLV-Liste der deutschen Masters-Bestleistungen steht sie bereits über 5000 Meter auf der Bahn mit 22:18,18 Minuten und über fünf Kilometer Straße mit 22:13 Minuten. Beide Leistungen stammen aus der Saison 2026. Leichtathletik Portal
 
Hinzu kam in diesem Jahr der deutsche Meistertitel über 1500 Meter. Nun sollte der Kilometer folgen.
 
Und diese Distanz bot eine besondere Ausgangslage. In der offiziellen DLV-Zusammenstellung der deutschen Masters-Bestleistungen, Stand 8. Juli 2026, war für die W70 über 1000 Meter noch gar keine Leistung eingetragen. Die Liste führt zwar 800, 1500, 3000 und 5000 Meter, zwischen 800 und 1500 Metern klaffte aber eine Lücke. Leichtathletik Portal
 
Wietscher hatte damit nicht nur eine Zeit im Kopf. Sie konnte auf einer selten gelaufenen Distanz eine neue deutsche Referenz setzen.
 
Der Plan war denkbar einfach und deshalb anspruchsvoll: möglichst gleichmäßig laufen. Die ersten beiden 400-Meter-Abschnitte absolvierte sie nach Angaben des Vereins jeweils ungefähr in 96 Sekunden. Damit war klar, dass die Vier-Minuten-Marke erreichbar blieb.
 
Noch 200 Meter.
 
Jetzt musste sie nicht mehr rechnen.
 
Angefeuert von den Vereinskollegen setzte Wietscher ihren bekannten Endspurt an. Im Ziel blieb die elektronische Zeitmessung bei 3:58,73 Minuten stehen. Das offizielle DLV-Ergebnis bestätigt die Leistung für die 1956 geborene W70-Läuferin. Leichtathletik Portal
 
Damit lief erstmals eine deutsche W70-Athletin einen offiziell erfassten 1000-Meter-Wettkampf unter vier Minuten. Der TV Refrath bezeichnet die Leistung als deutschen Masters-Rekord. Präziser ist zum jetzigen Zeitpunkt die Bezeichnung deutsche Masters-Bestleistung, denn auch der DLV führt seine Rekordübersicht für diese Altersklassen unter diesem Begriff. Die aktuell veröffentlichte DLV-Liste stammt noch vom 8. Juli und enthält Wietschers September-Leistung naturgemäß noch nicht. Leichtathletik Portal
 
Wietscher selbst brachte das, was an diesem Abend geschehen war, deutlich kürzer auf den Punkt: „Erste W70-Läuferin sub 4 Minuten in Deutschland hört sich doch richtig gut an …“
 
Persönliche Bestzeiten bis weit ins Feld
 
Dass der kleine Wettkampf nicht allein von den drei herausragenden Altersklassenleistungen lebte, zeigte der Blick auf die übrigen Resultate.
 
Benjamin Mergner aus der U20 lief 3:05,84 Minuten. Irek Meyer erreichte in der M55 3:17,64, Christian Plath in der M30 3:19,54 und Matthias Hauck in der M45 3:24,17 Minuten. Dietmar Stoppenbach folgte mit 3:26,06, Andreas Wiebe mit 3:41,01 und Hendrik Thierolf mit 3:53,53 Minuten. Der TV Refrath meldete für diese Läufer persönliche Bestzeiten; sämtliche genannten Resultate finden sich auch in der offiziellen Ergebnisliste. Leichtathletik Portal
 
Gerade darin liegt der Reiz dieses ungewöhnlichen Abends. Die 1000 Meter führen in der Erwachsenenleichtathletik ein Nischendasein. Bei Meisterschaften stehen üblicherweise 800 und 1500 Meter im Programm. Wer den Kilometer laufen möchte, muss entsprechende Meetings erst einmal finden.
 
In Refrath wartete man deshalb nicht darauf, dass irgendwo ein passender Wettkampf angeboten wurde.
 
Man veranstaltete ihn selbst.
 
Und aus einem Rennen, das ursprünglich vor allem eine Lücke im Kalender schließen sollte, wurden drei deutsche Jahresbestleistungen, zahlreiche persönliche Bestzeiten und 3:58,73 Minuten, die in der W70 künftig erst einmal jemand unterbieten muss. Für Antje Wietscher, Bruno Scheja und Johannes Ritter hatte der Abend damit tatsächlich denselben Ausgang: Mission erfüllt.

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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
Foto: TV Refrath

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