Inhaltsverzeichnis
   
  Startseite
  Laufkalender
  Ergebnislisten
  Fotoarchiv
  Lauf-Treffs
  Laufstrecken
  Rund ums Laufen
  Lauf-Reportagen
  Impressum
 

Kontakt


Detlev Ackermann

 
   
 
   
 
   
 
 

Spenden

 

 

Laufcoach werden: Zwei Tage, vier Tage oder 90 Lerneinheiten?
 
 
Laufen-in-Koeln >> Rund um's Laufen >> Tipps und Infos zum Thema Laufen >> Artikel

12.10.2026  

 
 

 
Wer einen Marathon gelaufen ist, kann viel über das Laufen erzählen. Ob er deshalb auch einen Einsteiger sicher anleiten, einen Trainingsplan erstellen, Bewegungsfehler erkennen oder eine heterogene Laufgruppe betreuen kann, ist eine andere Frage. Genau an dieser Stelle beginnt inzwischen ein eigener Ausbildungsmarkt.
 
„Laufcoach“, „Lauftrainer“ oder „Running Coach“ klingt zunächst nach einer klaren Qualifikation. Tatsächlich verbirgt sich dahinter sehr Unterschiedliches. Manche Anbieter versprechen den Einstieg an einem Wochenende, andere setzen auf mehrere Monate Fernunterricht. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat wiederum ein mehrstufiges System entwickelt, das insgesamt 90 Lerneinheiten umfasst.
 
Die Preisunterschiede erscheinen auf den ersten Blick überschaubar. Der Umfang unterscheidet sich dagegen erheblich. Genau deshalb reicht es nicht, einfach nur die Kursgebühren nebeneinanderzustellen.
 
Laufcoach ist keine einheitliche Qualifikation
 
Wer sich für eine Ausbildung interessiert, sollte zunächst wissen, dass ähnlich klingende Abschlüsse nicht automatisch vergleichbar sind. Ein privates Zertifikat, eine anbietereigene Lizenz und eine Qualifikation innerhalb eines Sportverbandes können sehr unterschiedliche Voraussetzungen, Inhalte und Ausbildungsumfänge haben.
 
Entscheidend ist deshalb weniger, was am Ende auf dem Zertifikat steht. Interessanter ist die Frage: Wie viel Ausbildung steckt tatsächlich dahinter, welche Themen werden behandelt, wie groß ist der Praxisanteil und welche Vorkenntnisse werden vorausgesetzt?
 
DLV Lauf- und Walking-Coach: 90 Lerneinheiten in vier Stufen
 
Das umfangreichste der hier betrachteten Modelle bietet der Deutsche Leichtathletik-Verband gemeinsam mit seinen Landesverbänden. Der Lauf- und Walking-Coach besteht aus vier aufeinander aufbauenden Stufen und umfasst insgesamt 90 Lerneinheiten. Basic und Level 1 haben jeweils 15 LE, Level 2 und Level 3 jeweils 30 LE. Nach jeder Stufe wird ein DLV/Landesverbands-Zertifikat vergeben. Das Ausbildungssystem ist an das Lizenzsystem des DOSB gekoppelt.
 
Der Inhalt geht deutlich über das reine Laufen hinaus. Basic vermittelt Grundlagen zu Laufen, Walking und Nordic Walking, Trainingsbausteinen, Koordination und funktioneller Gymnastik. In Level 1 kommen anatomisch-physiologische Grundlagen, Lauftechnik, Bewegungsanalyse, Bewegungslernen und Bewegungskorrektur hinzu. Level 2 beschäftigt sich unter anderem mit Prävention, Gesundheit, Trainingsplanung, Regeneration, Lehrmethoden und der Betreuung von Gruppen. Level 3 ergänzt Ernährung, mentale Gesundheit, Krafttraining, Leistungsoptimierung und Laufevents.
 
Gerade für jemanden, der bislang vor allem eigene Lauferfahrung mitbringt, ist diese Breite ein Vorteil. Ein Trainer muss schließlich nicht nur wissen, wie ein Intervalltraining aussieht. Er muss Belastung einschätzen, Bewegungen beobachten, Übungen vermitteln und mit sehr unterschiedlichen Menschen umgehen können.
 
Die Kosten hängen vom jeweiligen Landesverband und der Ausbildungsstufe ab. Deshalb lässt sich kein bundesweit einheitlicher Gesamtpreis nennen. Im Verhältnis zum Ausbildungsumfang ist das Modell jedoch interessant, weil die Qualifikation schrittweise aufgebaut wird und nicht versucht, sämtliche Grundlagen in ein Wochenende zu packen.
 
Laufcampus: kompakt und stark auf die Praxis ausgerichtet
 
Laufcampus bietet den Einstieg über den „Trainer C“ an. Der regulär ausgewiesene Preis für die Ausbildung liegt derzeit bei 499 Euro. Der Kurs wird unter anderem als zweitägige Präsenzveranstaltung angeboten. Laufcampus wirbt zusätzlich mit einem größeren Weiterbildungsprogramm, etwa zu Leistungsdiagnostik, Trainingsplanung, Athletiktraining oder Ernährung.
 
Inhaltlich ist der Ansatz sehr laufnah. Themen wie Lauftechnik, Trainingssteuerung, Intervalltraining, Leistungsdiagnostik oder die praktische Arbeit mit Läufern sind unmittelbar für den Trainingsalltag relevant.
 
Genau darin liegt die Stärke des Angebots. Wer bereits eine solide Trainerausbildung besitzt und speziell Laufwissen ergänzen möchte, kann in kurzer Zeit viel unmittelbar Verwertbares mitnehmen.
 
Für einen völligen Neueinstieg stellt sich allerdings eine andere Frage: Wie viel Trainingslehre, Anatomie, Bewegungslernen und didaktische Kompetenz lässt sich innerhalb weniger Tage tatsächlich entwickeln?
 
Laufcampus selbst bietet weiterführende Seminare an. Das ist sinnvoll, zeigt aber zugleich, dass die erste Ausbildung eher als Einstieg in ein eigenes Ausbildungssystem verstanden werden sollte als als umfassende Trainerausbildung.
 
Die LAUF-AKADEMIE: vier Tage mit Schwerpunkt Gesundheit und Laufeinstieg
 
Die LAUF-AKADEMIE positioniert ihre Ausbildung stärker im Bereich des gesundheitsorientierten Laufens. Hinter dem Konzept stehen nach Angaben des Anbieters die Fachkompetenz von RUNNER'S WORLD und die Tradition des Deutschen Lauftherapiezentrums.
 
Die Ausbildung läuft von Donnerstag bis Sonntag. Der reguläre Preis beträgt derzeit 650 Euro, bei früher Buchung 590 Euro.
 
Vier Tage bieten bereits deutlich mehr Raum als ein klassischer Zweitageskurs. Inhaltlich richtet sich das Angebot vor allem an Menschen, die Einsteiger und Freizeitläufer betreuen wollen. Gesundheit, Motivation, Gruppenbetreuung und das Heranführen ans regelmäßige Laufen spielen dabei eine wichtige Rolle.
 
Für diesen Einsatzbereich wirkt das Konzept schlüssig. Wer dagegen stark leistungsorientiert arbeiten möchte, dürfte bei Trainingssteuerung und Wettkampfvorbereitung möglicherweise tiefer einsteigen wollen.
 
Akademie für Sport und Gesundheit: 19 Unterrichtseinheiten für 339 Euro
 
Die Akademie für Sport und Gesundheit, kurz ASG, bietet eine Lauftrainer-Ausbildung über zwei Tage mit insgesamt 19 Unterrichtseinheiten an. Der Preis beträgt aktuell 339 Euro.
 
Die Themenliste ist umfangreich. Genannt werden unter anderem Lauftechnik, Biomechanik, Verletzungen, Trainingsplanung und -steuerung, Leistungsdiagnostik, Athletiktraining, Lauf-ABC und Laufanalyse.
 
Das klingt zunächst nach sehr viel Ausbildung für vergleichsweise wenig Geld. Genau hier muss man allerdings zwischen Themenbreite und Bearbeitungstiefe unterscheiden.
 
19 Unterrichtseinheiten bleiben 19 Unterrichtseinheiten. Wenn darin Biomechanik, Trainingslehre, Lauftechnik, Diagnostik, Verletzungen und praktische Analyse behandelt werden sollen, kann jedes einzelne Thema zwangsläufig nur einen begrenzten Raum bekommen.
 
Interessant ist zudem, dass der Anbieter Vorerfahrungen in der Trainingspraxis oder vorhandenes Grundlagenwissen ausdrücklich als vorteilhaft bezeichnet.
 
Damit lässt sich das Angebot durchaus sinnvoll einordnen: als kompakte Zusatzqualifikation für jemanden, der bereits Trainerwissen mitbringt. Als alleinige Grundlage, um anschließend andere Menschen fachlich umfassend zu trainieren, erscheint der Umfang dagegen knapp.
 
Academy of Sports: fünf Monate statt eines Wochenendes
 
Einen ganz anderen Weg geht die Academy of Sports. Die Ausbildung wird vollständig online angeboten und kostet derzeit 600 Euro, zahlbar beispielsweise in fünf Monatsraten zu jeweils 120 Euro. Fachliche Voraussetzungen werden nicht verlangt.
 
Der Vorteil liegt auf der Hand: Wer über einen längeren Zeitraum lernt, kann sich ausführlicher mit Trainingsplanung, Trainingssteuerung und den theoretischen Grundlagen auseinandersetzen als in einem stark verdichteten Wochenendkurs.
 
Der Nachteil ist ebenso offensichtlich. Gerade Lauftechnik, Bewegungsbeobachtung und Bewegungskorrektur leben davon, Menschen tatsächlich laufen zu sehen. Ein Trainer muss lernen, Unterschiede zu erkennen, eine Korrektur anzubieten und anschließend zu beurteilen, ob sich etwas verbessert hat.
 
Das lässt sich online erklären. Praktische Erfahrung ersetzt das jedoch nur begrenzt.
 
Für Menschen, die flexibel lernen müssen oder bereits praktische Trainingserfahrung besitzen, kann das Fernstudium trotzdem interessant sein.
 
Was bekommt man für sein Geld?
 
Anbieter Umfang Preis Einordnung
DLV Lauf- und Walking-Coach 90 LE über vier Stufen abhängig von Landesverband und Stufe umfassendes modulares Verbandssystem
Laufcampus kompakte Ausbildung, häufig zwei Tage regulär 499 € sehr laufpraktisch, gute Spezialisierung
LAUF-AKADEMIE vier Tage 590 € früh / 650 € regulär Gesundheit, Laufeinstieg, Gruppenbetreuung
ASG 19 UE / zwei Tage 339 € günstige kompakte Zusatzqualifikation
Academy of Sports mehrmonatiger Fernlehrgang 600 € flexible Theorieausbildung, wenig Präsenzpraxis

 
Preise und Angebote: recherchierter Stand Oktober 2026.
 
Die Tabelle zeigt bereits, weshalb ein reiner Preisvergleich wenig aussagekräftig ist. 339 Euro für zwei Tage können günstig sein, wenn jemand bereits eine solide Grundausbildung besitzt. 499 Euro können gerechtfertigt sein, wenn das Gelernte gezielt eine vorhandene Trainerqualifikation ergänzt. Ein längerer Fernlehrgang kann wiederum mehr Theorie bieten, obwohl praktische Arbeit fehlt.
 
Welche Ausbildung bietet inhaltlich am meisten?
 
Unter den betrachteten Angeboten ist der DLV Lauf- und Walking-Coach inhaltlich das breiteste System. Das liegt weniger am Namen des Verbandes als am Umfang.
 
90 Lerneinheiten schaffen schlicht andere Möglichkeiten als 19 oder 22 Unterrichtseinheiten. Anatomie, Physiologie, Bewegungslernen, Trainingsplanung, Gesundheit und praktische Trainerarbeit müssen nicht innerhalb weniger Stunden nebeneinander abgehandelt werden. Die Inhalte können aufeinander aufbauen und in späteren Stufen vertieft werden.
 
Deshalb bietet dieses Modell aus unserer Sicht auch das stärkste Verhältnis zwischen fachlichem Umfang und Ausbildungsstruktur.
 
Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder angehende Lauftrainer automatisch alle 90 Lerneinheiten benötigt.
 
Wer bereits Sportwissenschaftler, Physiotherapeut oder ausgebildeter Trainer ist, verfügt möglicherweise über erhebliche Grundlagenkenntnisse. Für ihn kann eine kompakte laufartspezifische Weiterbildung sogar die passendere Lösung sein.
 
Anders sieht es bei jemandem aus, dessen wesentliche Qualifikation bislang darin besteht, seit vielen Jahren selbst zu laufen.
 
Eigene Lauferfahrung ist wertvoll. Sie ersetzt aber keine Trainingslehre.
 
Unser Vergleich
 
Legt man Ausbildungsumfang, fachliche Breite, Praxisbezug und Preis-Leistung zugrunde, ergibt sich folgende redaktionelle Einschätzung:
 
Ausbildung Inhaltliche Tiefe Praxis Umfang Preis-Leistung
DLV Lauf- und Walking-Coach ★★★★★ ★★★★★ ★★★★★ ★★★★★
Academy of Sports ★★★★☆ ★★☆☆☆ ★★★★☆ ★★★★☆
Laufcampus ★★★★☆ ★★★★★ ★★☆☆☆ ★★★☆☆
LAUF-AKADEMIE ★★★★☆ ★★★★☆ ★★★☆☆ ★★★☆☆
ASG ★★★☆☆ ★★★★☆ ★★☆☆☆ ★★★☆☆

 
Die Sterne sind eine redaktionelle Einordnung anhand der veröffentlichten Ausbildungsinhalte, des zeitlichen Umfangs und der Ausbildungsform. Sie stellen keine Qualitätsprüfung der einzelnen Dozenten dar.
 
Zwei völlig unterschiedliche Ausgangssituationen
 
Bei der Bewertung sollte man deshalb zwei Fälle voneinander trennen.
 
Ein bereits ausgebildeter Trainer sucht zusätzliche Kompetenz speziell fürs Laufen. Dann können zwei intensive Tage mit Videoanalyse, Lauftechnik und Trainingssteuerung sehr wertvoll sein. Grundlagen zu Didaktik, Anatomie und Trainingswissenschaft müssen nicht noch einmal vollständig aufgebaut werden.
 
Ein erfahrener Freizeitläufer möchte dagegen erstmals selbst Trainer werden. Dann sieht die Sache anders aus.
 
Wer Menschen betreut, muss Belastungen dosieren, unterschiedliche Leistungsstände berücksichtigen, Bewegungen beurteilen, verständliche Rückmeldungen geben und seine fachlichen Grenzen kennen. Gerade bei Einsteigern, älteren Menschen oder Teilnehmern mit gesundheitlichen Einschränkungen wird aus einem Trainingsplan schnell eine verantwortungsvolle Aufgabe.
 
Dafür erscheint eine Ausbildung über zwei Tage sehr knapp.
 
Wenn aus einem Wochenende eine „Trainerlizenz“ wird
 
Gerade hier sollte man auf die Sprache achten. Bezeichnungen wie „Trainer C“, „Lizenz“ oder „zertifizierter Laufcoach“ können beim Interessenten den Eindruck erwecken, es gebe einen einheitlichen Ausbildungsstandard.
 
Den gibt es nicht.
 
Ein Anbieter kann innerhalb seines eigenen Systems eine Lizenz vergeben. Das ist jedoch etwas anderes als eine Qualifikation innerhalb des Lizenzsystems eines Sportfachverbandes.
 
Das muss ein privates Angebot keineswegs abwerten. Entscheidend ist nur, dass der Interessent weiß, was er tatsächlich kauft.
 
Die sinnvollere Frage lautet deshalb nicht:
 
„Bekomme ich nach dem Kurs einen Trainerschein?“
 
Sondern:
 
„Was muss ich können, um diesen Trainerschein zu bekommen?“
 
Der Preis allein führt in die falsche Richtung
 
Für 339 Euro bekommt man bei einem Anbieter nach zwei Tagen die Lauftrainer-Qualifikation. In einem anderen Ausbildungssystem hat man nach einer vergleichbaren Zeit gerade einmal einen Teil der ersten Ausbildungsstufen absolviert.
 
Der Begriff „Laufcoach“ verrät darüber nichts.
 
Für jemanden ohne vorherige Trainerausbildung erscheint deshalb das mehrstufige DLV-Modell unter den betrachteten Angeboten als das fachlich umfassendste und zugleich eines der interessantesten Angebote im Verhältnis von Ausbildungszeit und Inhalt.
 
Wer bereits ausgebildeter Trainer ist, kann dagegen mit einem kompakten Spezialkurs von Laufcampus, ASG oder einem ähnlichen Anbieter möglicherweise genau das bekommen, was ihm noch fehlt.
 
Am Ende sollte deshalb nicht das schönste Zertifikat entscheiden und auch nicht der niedrigste Preis. Die entscheidende Frage lautet: Wie viel Wissen und praktische Erfahrung braucht jemand, bevor man ihm andere Läufer anvertraut?

__________________________________
Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln


Drucken Drucken     Mailen Weiterempfehlen     Merken Merken Nach oben Nach oben