Inhaltsverzeichnis
   
  Startseite
  Laufkalender
  Ergebnislisten
  Fotoarchiv
  Lauf-Treffs
  Laufstrecken
  Rund ums Laufen
  Lauf-Reportagen
  Impressum
 

Kontakt


Detlev Ackermann

 
   
 
   
 
   
 
 

Spenden

 

 

50 Kilometer gegen die Uhr: Verena Cerna will 31 Jahre alten Rekord brechen
 
 
Laufen-in-Koeln >> Rund um's Laufen >> Leichtathletik >> Artikel

20.10.2026  

 
 

 
Am 1. November 2026 will die Ulmer Ultramarathonläuferin Verena Cerna gleich zwei Bestmarken angreifen. Die 45-jährige Physikprofessorin hat den Weltrekord ihrer Altersklasse über 50 Kilometer im Visier. Zugleich möchte sie einen deutschen Frauenrekord verbessern, der seit 1995 Bestand hat. Dafür wird in Ulm ein eigens auf sie zugeschnittenes Rennen organisiert. Doch zwischen ihrer bisherigen Bestleistung und dem angestrebten Rekord liegen gut sechs Minuten.
 
Als Maria Bak am 8. April 1995 in Rodenbach die 50 Kilometer in 3:16:47 Stunden zurücklegte, war Verena Cerna gerade 14 Jahre alt. Mehr als drei Jahrzehnte später steht diese Zeit noch immer als deutsche Bestmarke in den Rekordlisten. Zahlreiche Läuferinnen haben sich seither an den 50 Kilometern versucht, doch keine Deutsche war schneller.
 
Am 1. November könnte sich das ändern. Im Ulmer Donaustadion will Verena Cerna einen Angriff auf den deutschen Rekord unternehmen und gleichzeitig den Weltrekord der Altersklasse W45 verbessern. Das Besondere daran: Der deutsche Gesamtrekord ist sogar schneller als der bestehende Altersklassenweltrekord.
 
Unter dem Namen „Breaking 50“ haben die Organisatoren des Einstein-Marathons eine eigene Veranstaltung vorbereitet. Die Strecke führt vom Donaustadion entlang der Donau und über mehrere Runden wieder zurück. Tempomacherinnen sollen Cerna dabei unterstützen, möglichst gleichmäßig zu laufen.
 
Eine Erfolgsgarantie ist das nicht. Um beide Rekorde zu brechen, müsste sie sich gegenüber ihrer bisherigen persönlichen Bestleistung um mehr als sechs Minuten verbessern.
 
Zwei Rekorde, zwei unterschiedliche Zielzeiten
 
Der bestehende Weltrekord der Altersklasse W45 gehört der Niederländerin Yvonne van Vlerken. Die frühere Weltklasse-Triathletin absolvierte am 13. September 2025 bei der RUN Winschoten die 50 Kilometer in 3:17:00 Stunden. Diese Leistung wird von der International Association of Ultrarunners (IAU) als Altersklassenweltrekord geführt.
 
Cerna müsste mindestens eine Sekunde schneller laufen, um diese Bestmarke zu unterbieten. Genau diese Zeit von 3:16:59 Stunden haben die Organisatoren als offizielles Ziel ihrer Rekordveranstaltung ausgegeben.
 
Allerdings reicht sie nicht aus, um gleichzeitig den deutschen Frauenrekord zu verbessern. Dieser liegt bei 3:16:47 Stunden und wird seit dem 8. April 1995 von Maria Bak gehalten. Die damals 36-Jährige lief ihre Rekordzeit in Rodenbach bei der ersten Deutschen Meisterschaft über 50 Kilometer.
 
Damit Cerna tatsächlich beide Bestmarken übertrifft, müsste sie nach spätestens 3:16:46 Stunden im Ziel sein. Das wäre 13 Sekunden schneller als die vom Veranstalter beworbene Zielzeit.
 
Für Außenstehende mögen diese Unterschiede gering erscheinen. Im Spitzenbereich des Ultralaufs entscheiden jedoch häufig wenige Sekunden darüber, ob ein Rekord gelingt. Über eine Distanz von 50 Kilometern summieren sich selbst kleinste Abweichungen vom geplanten Tempo.
 
Um den deutschen Rekord zu unterbieten, müsste Cerna durchschnittlich etwa 3:56 Minuten pro Kilometer laufen. Und das länger als drei Stunden am Stück.
 
Eine ungewöhnliche Karriere
 
Verena Cerna gehört nicht zu den Athletinnen, die bereits als Jugendliche auf eine internationale Laufkarriere vorbereitet wurden. Mit dem leistungsorientierten Laufen begann sie erst im Alter von etwa 30 Jahren.
 
Die 1981 geborene Läuferin stammt aus St. Georgen im Schwarzwald und lebt seit 2017 in Ulm. Beruflich ist sie Professorin für Physik an der Technischen Hochschule Ulm. Daneben ist sie Mutter und betreibt ihren Sport inzwischen auf internationalem Niveau.
 
Ihre sportliche Entwicklung ist bemerkenswert. Während viele Ausdauersportler im fünften Lebensjahrzehnt zunehmend Schwierigkeiten haben, ihre früheren Bestleistungen zu erreichen, hat Cerna ihre bislang größten Erfolge erst in den vergangenen Jahren gefeiert.
 
2024 stellte sie beim Berlin-Marathon mit 2:41:11 Stunden ihre persönliche Bestzeit auf. Im Februar 2025 folgte bei den Deutschen Meisterschaften über 50 Kilometer in Ubstadt-Weiher ein weiterer Leistungssprung. Mit 3:23:01 Stunden belegte sie den zweiten Platz der Frauenwertung und gewann ihre Altersklasse.
 
Damit hatte sie sich endgültig in der deutschen Spitze des Ultralaufs etabliert.
 
Der nächste große Erfolg folgte im März 2026 bei den Weltmeisterschaften über 50 Kilometer in Neu-Delhi.
 
Weltmeisterin unter schwierigen Bedingungen
 
Die Weltmeisterschaften in Indien stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor außergewöhnliche Herausforderungen. Wegen der erwarteten hohen Temperaturen begann das Rennen bereits um vier Uhr morgens. Dennoch waren die klimatischen Bedingungen alles andere als einfach.
 
Cerna entschied sich für eine kontrollierte Renneinteilung. Während einige Konkurrentinnen zunächst ein höheres Tempo anschlugen, versuchte sie, möglichst gleichmäßig zu laufen und ihre Kräfte einzuteilen.
 
Diese Strategie zahlte sich aus. Nach 3:26:21 Stunden erreichte sie als beste Deutsche den achten Platz der Frauenwertung. Gemeinsam mit Florentine Beese und Friederike Schoppe belegte sie außerdem den fünften Rang in der Mannschaftswertung.
 
Besonders wertvoll war für Cerna der Titel in der Altersklasse W45. Bei den parallel ausgetragenen Masters-Weltmeisterschaften gewann sie Gold und durfte sich erstmals Weltmeisterin über 50 Kilometer nennen.
 
Ihre Leistung in Neu-Delhi zeigt zugleich, wie wichtig die äußeren Bedingungen auf dieser Distanz sind. Obwohl Cerna bereits deutlich schneller gelaufen war, konnte sie ihre persönliche Bestzeit in Indien nicht erreichen. Die klimatische Belastung, der ungewohnte Tagesrhythmus und die lange Wettkampfdauer verlangten ein vorsichtiges Vorgehen.
 
Für den bevorstehenden Rekordversuch in Ulm dürfte die Ausgangslage günstiger sein. Anfang November sind an der Donau normalerweise niedrigere Temperaturen zu erwarten. Ob die Witterung tatsächlich optimale Bedingungen bietet, wird sich allerdings erst am Wettkampftag zeigen.
 
Der Einstein-Marathon als letzter großer Formtest
 
Dass Cerna auch im Herbst 2026 in guter Verfassung ist, bewies sie beim Einstein-Marathon am 27. September.
 
Auf ihrer Heimstrecke gewann sie die Frauenwertung in 2:49:28 Stunden. Damit verbesserte sie den bisherigen Streckenrekord von Giovanna Ricotta aus dem Jahr 2014 um 1:11 Minuten.
 
Cerna erreichte das Ziel als Neunte des gesamten Marathonfeldes und hatte beinahe 25 Minuten Vorsprung auf die zweitplatzierte Frau.
 
Für den 50-Kilometer-Rekordversuch ist dieser Erfolg ein positives Signal. Allerdings lässt sich aus dem Ergebnis nicht unmittelbar ableiten, welches Tempo sie über die deutlich längere Distanz halten kann.
 
Beim Einstein-Marathon benötigte sie durchschnittlich knapp 4:01 Minuten pro Kilometer. Um den deutschen 50-Kilometer-Rekord zu unterbieten, müsste sie etwa fünf Sekunden pro Kilometer schneller laufen und diese Geschwindigkeit zusätzlich fast acht Kilometer über die Marathondistanz hinaus aufrechterhalten.
 
Das verdeutlicht die Größenordnung der bevorstehenden Aufgabe.
 
Warum für den Rekordversuch ein eigenes Rennen organisiert wird
 
Ein Rekordversuch über 50 Kilometer lässt sich grundsätzlich auch im Rahmen einer bestehenden Ultramarathonveranstaltung unternehmen. Doch eine eigens auf die Athletin abgestimmte Veranstaltung bietet einige Vorteile.
 
Beim Projekt „Breaking 50“ können die Organisatoren den Rennablauf, die Streckenführung und die Betreuung gezielt auf Cernas Vorhaben ausrichten. Auch der Einsatz von Tempomacherinnen soll helfen, größere Geschwindigkeitsschwankungen zu vermeiden.
 
Gerade auf einer so langen Distanz kann eine gleichmäßige Renneinteilung entscheidend sein. Wer zu schnell beginnt, riskiert, dass sich die anfängliche Belastung auf den letzten Kilometern deutlich bemerkbar macht. Wer dagegen zu viel Zeit verliert, muss später schneller laufen als ursprünglich geplant.
 
Hinzu kommt die Energieversorgung. Bei einer Belastungsdauer von mehr als drei Stunden sind die körpereigenen Kohlenhydratspeicher ein wichtiger begrenzender Faktor. Eine ausreichende und gut verträgliche Kohlenhydratzufuhr während des Rennens kann deshalb wesentlich dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit möglichst lange aufrechtzuerhalten.
 
Neben Ausdauer und Geschwindigkeit sind Erfahrung, Verpflegungsstrategie und die Fähigkeit zur realistischen Tempogestaltung gefragt.
 
Das eigens organisierte Rennen verändert allerdings nichts an den sportrechtlichen Voraussetzungen für die Anerkennung eines Rekords. Die Strecke muss den geltenden Vermessungsanforderungen entsprechen, und der Wettbewerb muss unter den vorgeschriebenen Bedingungen durchgeführt werden. Auch der regelkonforme Einsatz von Tempomacherinnen ist dabei zu beachten.
 
Die Veranstaltung ist bereits im offiziellen Wettkampfkalender des Deutschen Leichtathletik-Verbandes unter der Bezeichnung „50 k Rekord“ eingetragen.
 
Ob eine erzielte Bestleistung tatsächlich als Rekord anerkannt wird, entscheiden anschließend die zuständigen Stellen anhand der geltenden Bestimmungen und Nachweise.
 
Der Kampf gegen die letzten Kilometer
 
Über 50 Kilometer ist die entscheidende Frage selten, ob eine Athletin das angestrebte Tempo grundsätzlich laufen kann. Viel wichtiger ist, wie lange sie es unter Wettkampfbedingungen aufrechterhalten kann.
 
Bei einer Zielzeit knapp unter 3:17 Stunden müsste Cerna die Marathonmarke nach ungefähr 2:46 Stunden erreichen. Zu diesem Zeitpunkt hätte sie bereits eine Distanz zurückgelegt, die für die allermeisten Läuferinnen und Läufer das vollständige Wettkampfziel darstellt.
 
Für Cerna wären dann noch knapp acht Kilometer zu absolvieren.
 
Gerade dieser Schlussabschnitt könnte über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Die Muskulatur ist längst ermüdet, die Energiebereitstellung wird zunehmend anspruchsvoll und selbst kleinere Veränderungen im Laufstil können sich auf den Energieverbrauch auswirken.
 
Auf der anderen Seite bringt Cerna wertvolle Erfahrungen aus früheren 50-Kilometer-Rennen mit. Sie kennt das Gefühl, weit über die Marathondistanz hinauszulaufen, und hat bereits unter schwierigen äußeren Bedingungen bewiesen, dass sie ihr Tempo kontrollieren kann.
 
Dennoch bleibt die angestrebte Verbesserung erheblich. Zwischen ihrer persönlichen Bestzeit von 3:23:01 Stunden und dem Weltrekord von 3:17:00 Stunden liegen 6:01 Minuten. Für den deutschen Rekord müsste sie sich sogar um mindestens 6:15 Minuten steigern.
 
Das entspricht einer Leistungsverbesserung von gut drei Prozent. Was auf dem Papier überschaubar wirkt, ist auf diesem Leistungsniveau eine beträchtliche Herausforderung.
 
Ulm bereitet sich auf den Rekordversuch vor
 
Am Sonntag, 1. November 2026, soll um 9 Uhr im Donaustadion der Startschuss fallen.
 
Der geplante Kurs verbindet Abschnitte außerhalb des Stadions entlang der Donau mit mehreren Stadiondurchläufen. Zuschauer haben dadurch die Möglichkeit, Cerna während des Rennens mehrfach zu sehen und den Verlauf des Rekordversuchs unmittelbar zu verfolgen.
 
Nach dem veröffentlichten Zeitplan wird sie gegen 9:46 Uhr erstmals wieder im Stadion erwartet. Weitere Durchläufe sind für etwa 10:32 Uhr und 11:19 Uhr vorgesehen. Gegen 12 Uhr soll der letzte größere Streckenabschnitt abgeschlossen sein, bevor die entscheidenden Schlussrunden im Stadion folgen.
 
Der Zieleinlauf ist für ungefähr 12:15 Uhr geplant.
 
Zusätzlich kündigen die Organisatoren eine mehrstündige Liveübertragung an. Damit soll das Rennen auch außerhalb Ulms verfolgt werden können.
 
Für die Zuschauer bietet sich ein ungewöhnlicher Einblick in eine Disziplin, die sonst vergleichsweise selten im Mittelpunkt größerer Laufveranstaltungen steht. Während bei Marathonläufen häufig große Teilnehmerfelder und die Atmosphäre entlang der Strecke das Geschehen prägen, konzentriert sich beim Ulmer Rekordversuch nahezu alles auf eine Athletin und die Frage, ob sie ihre geplanten Zwischenzeiten einhalten kann.
 
Wie weit reicht Cernas Leistungsentwicklung?
 
Dass Verena Cerna im Alter von 45 Jahren einen internationalen Altersklassenrekord angreift, ist auch aus trainingswissenschaftlicher Sicht interessant.
 
Zwar nimmt die maximale aerobe Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter im Durchschnitt ab. Wie schnell dieser Rückgang einsetzt und wie deutlich er ausfällt, hängt jedoch unter anderem vom Trainingszustand und der individuellen sportlichen Entwicklung ab.
 
Wer erst vergleichsweise spät mit systematischem Ausdauertraining beginnt, kann deshalb auch in einem Alter noch persönliche Bestleistungen erreichen, in dem andere Athletinnen ihre schnellsten Jahre bereits hinter sich haben.
 
Cernas Karriere ist ein Beispiel dafür, dass das kalendarische Alter allein wenig darüber aussagt, ob eine individuelle Leistungsentwicklung bereits abgeschlossen ist.
 
Aus ihrem späten Laufeinstieg lässt sich allerdings keine allgemeingültige Erfolgsgeschichte für alle älteren Läuferinnen und Läufer ableiten. Voraussetzung für eine solche Entwicklung sind eine langfristig verträgliche Trainingsbelastung, ausreichende Regeneration und die entsprechende körperliche Leistungsfähigkeit.
 
Cerna hat sich diese Voraussetzungen über viele Jahre erarbeitet. Ihre bisherigen Resultate belegen, dass sie auch jenseits der 40 noch zu erheblichen sportlichen Leistungen fähig ist.
 
Nun steht sie vor der bislang größten Herausforderung ihrer Ultramarathonkarriere.
 
Als sie im März in Neu-Delhi den Weltmeistertitel der W45 gewann, war sie bereits die Schnellste ihrer Altersklasse bei dieser Meisterschaft. Am 1. November will sie zeigen, dass sie auch die schnellste jemals registrierte Zeit dieser Altersgruppe laufen kann.
 
Und sollte sie darüber hinaus den deutschen Frauenrekord von Maria Bak unterbieten, würde eine Bestmarke fallen, die seit mehr als drei Jahrzehnten Bestand hat.
 
Cerna hat in den vergangenen Jahren mehrfach gezeigt, dass ihre Leistungsentwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Ob sie sich nun innerhalb eines einzigen Rennens um mehr als sechs Minuten steigern kann, bleibt die große sportliche Frage.
 
Die Antwort wird am 1. November auf den letzten Kilometern zwischen der Donau und dem Ulmer Donaustadion fallen.

__________________________________
Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln


Drucken Drucken     Mailen Weiterempfehlen     Merken Merken Nach oben Nach oben