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Frankfurt: Dörfel mit historischem Debüt, Petros verpasst den Heimsieg
 
 
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25.10.2026  

 
 

 
Beim Frankfurt-Marathon am Sonntag, 25. Oktober 2026, sollten eigentlich die deutschen Spitzenläufer um Amanal Petros für die großen Schlagzeilen sorgen. Doch während der erhoffte Europarekord im Regen und Wind der Mainmetropole früh außer Reichweite geriet, schrieb eine 24-Jährige ihre eigene Erfolgsgeschichte. Blanka Dörfel lief bei ihrem ersten Marathon auf Anhieb auf den zweiten Platz und stellte eine neue deutsche Debütbestmarke auf. Bei den Männern setzte sich der Äthiopier Jirata Lelisa Denki nach einem packenden Finale gegen Amanal Petros durch.
 
Ein Debüt, das die deutsche Marathon-Szene aufhorchen lässt
 
Als Blanka Dörfel nach 42,195 Kilometern die Ziellinie in der Frankfurter Festhalle überquerte, hatte sie eine Leistung vollbracht, die selbst optimistische Erwartungen übertraf. 2:20:45 Stunden zeigte die vorliegende Ergebnisübersicht. Platz zwei in einem international stark besetzten Rennen und die zweitschnellste Marathonzeit, die jemals eine deutsche Frau gelaufen ist.
 
Nur Irina Mikitenko war mit ihrem deutschen Rekord von 2:19:19 Stunden aus dem Jahr 2008 schneller gewesen. Die bisherige deutsche Debütbestzeit von Melat Kejeta, die 2019 in Berlin 2:23:57 Stunden gelaufen war, unterbot Dörfel um mehr als drei Minuten.
 
Dabei war ihre Herangehensweise bemerkenswert. Dörfel lief nach eigenen Angaben ohne Uhr und verließ sich während des gesamten Rennens auf ihr Körpergefühl. Während im modernen Leistungssport Zwischenzeiten, Tempovorgaben und GPS-Daten längst zum Alltag gehören, orientierte sich die 24-Jährige offenbar ausschließlich an ihrem eigenen Belastungsempfinden.
 
Dass sie damit bei ihrem ersten Marathon bereits in die Nähe des deutschen Rekords laufen würde, war keineswegs selbstverständlich.
 
Dörfel brachte als deutsche Meisterin über 10.000 Meter und mit einer Halbmarathon-Bestzeit von 1:08:06 Stunden hervorragende Voraussetzungen mit. Doch die doppelte Halbmarathondistanz stellt selbst erfahrene Langstreckenläufer vor neue Herausforderungen. Vor allem die letzten zwölf Kilometer entscheiden häufig darüber, ob ein ambitioniertes Debüt zu einer außergewöhnlichen Leistung wird oder ob die Kräfte vorzeitig schwinden.
 
In Frankfurt fand Dörfel darauf eine beeindruckende Antwort.
 
Wie Dörfel die internationale Konkurrenz hinter sich ließ
 
Schon auf den ersten Kilometern deutete sich an, dass die Berlinerin an diesem Tag mehr erreichen könnte als ein ordentliches Debüt. Die ersten fünf Kilometer absolvierte sie in 16:36 Minuten, nach zehn Kilometern zeigte die Uhr 33:28 Minuten.
 
An der Spitze bestimmten zunächst die Äthiopierinnen Zeineba Yimer Worku und Siranesh Yirga Dagne das Tempo. Beide hatten sich früh vom übrigen Feld gelöst und nahmen Kurs auf eine Zielzeit deutlich unter 2:20 Stunden.
 
Dörfel ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie hielt Anschluss an die Verfolgergruppe und passierte die Halbmarathonmarke nach 1:10:29 Stunden. Zu diesem Zeitpunkt lag sie bereits auf Rang drei.
 
Während andere Läuferinnen im weiteren Verlauf zunehmend Schwierigkeiten bekamen, blieb die Deutsche erstaunlich konstant. Bei Kilometer 25 lag sie weiterhin auf dem dritten Platz. Fünf Kilometer später hatte sich ihr Rückstand auf die zweitplatzierte Dagne deutlich verkürzt.
 
Bei Kilometer 32 folgte der entscheidende Positionswechsel. Dörfel überholte die Äthiopierin und rückte auf Rang zwei vor.
 
Zwischenzeitlich schien sogar eine Zielzeit unter 2:20 Stunden möglich. Nach 37 Kilometern lag ihre rechnerische Endzeit bei 2:20:04 Stunden. Erst auf den letzten Kilometern musste auch die Debütantin dem hohen Tempo etwas Tribut zollen.
 
Dennoch erreichte sie das Ziel nach rund 2:20:45 Stunden. Damit ließ sie nahezu die gesamte internationale Konkurrenz hinter sich.
 
Den Sieg sicherte sich Zeineba Yimer Worku aus Äthiopien in 2:19:45 Stunden. Dörfel folgte mit rund einer Minute Rückstand. Dritte wurde die Äthiopierin B. Gebreslasie in 2:22:45 Stunden.
 
Bemerkenswert war auch Dörfels Reaktion im Ziel. Im Interview erklärte sie, dass ihr die äußeren Bedingungen eigentlich überhaupt nicht entgegengekommen seien. Kälte und Regen gehörten nicht zu ihren bevorzugten Laufbedingungen. Entsprechend zuversichtlich zeigte sie sich, bei einem weiteren Marathon unter günstigeren Umständen noch schneller laufen zu können.
 
Ihr Ergebnis erhält dadurch eine zusätzliche Perspektive. Wer bei seinem ersten Marathon bereits bis auf anderthalb Minuten an den deutschen Rekord heranläuft, darf sich für die kommenden Jahre einiges vornehmen.
 
Petros wollte den Europarekord und kämpfte schließlich um den Sieg
 
Bei den Männern waren die Erwartungen vor dem Start besonders hoch gewesen. Mit Amanal Petros, Samuel Fitwi und Richard Ringer standen die drei schnellsten deutschen Marathonläufer der Geschichte gemeinsam an der Startlinie.
 
Petros, dessen deutscher Rekord bei 2:04:03 Stunden liegt, hatte sogar den Europarekord von 2:03:36 Stunden im Blick.
 
Doch schon die äußeren Bedingungen ließen erahnen, wie schwierig dieses Vorhaben werden würde. Regen, Temperaturen um zwölf Grad und kräftiger Wind begleiteten das Rennen. Teilweise waren Böen von bis zu 60 Stundenkilometern vorhergesagt.
 
Nach einem zunächst schnellen Auftakt verlor die Spitzengruppe zunehmend an Geschwindigkeit. Die ersten zehn Kilometer wurden in 29:55 Minuten absolviert. Bei der Halbmarathonmarke zeigte die Uhr 1:03:02 Stunden.
 
Damit war die europäische Bestmarke praktisch außer Reichweite geraten. Petros hätte die zweite Hälfte in 1:00:34 Stunden absolvieren müssen, um sein ursprüngliches Ziel noch zu erreichen.
 
Stattdessen entwickelte sich ein taktisches Rennen, bei dem lange niemand bereit war, sich entscheidend von der Konkurrenz abzusetzen.
 
Richard Ringer hielt sich über weite Strecken am Ende der Spitzengruppe auf, während Petros und Fitwi ebenfalls in aussichtsreicher Position blieben. Erst im letzten Renndrittel kam Bewegung in das Feld.
 
Ringer verschärfte zwischenzeitlich das Tempo, ehe Petros selbst die Initiative übernahm.
 
Die Entscheidung fällt auf den letzten Kilometern
 
Bei Kilometer 35 lagen Petros und der Kenianer Benard Biwott gemeinsam an der Spitze. Doch der Äthiopier Jirata Lelisa Denki hatte den Anschluss noch nicht verloren.
 
Wenig später setzte Petros im Bereich der Alten Oper zu einem entschlossenen Angriff an. Mit einer deutlichen Tempoverschärfung versuchte der deutsche Rekordhalter, seine Konkurrenten abzuschütteln.
 
Biwott konnte nicht mehr folgen. Denki dagegen kämpfte sich wieder heran.
 
Die entscheidende Wende ließ nicht lange auf sich warten. Der Äthiopier schloss die Lücke zu Petros, übernahm die Führung und setzte sich auf den letzten Kilometern zunehmend ab.
 
Nach 2:05:26 Stunden erreichte Denki als Sieger die Frankfurter Festhalle. Petros folgte 20 Sekunden später in 2:05:46 Stunden auf dem zweiten Platz. Rang drei ging an Benard Biwott aus Kenia, der 2:06:23 Stunden benötigte.
 
Richard Ringer beendete das Rennen nach der vorliegenden Ergebnisübersicht in 2:07:06 Stunden auf dem fünften Platz, nachdem er lange um die Spitzenpositionen mitgekämpft hatte.
 
Für Petros blieb damit zwar der erhoffte Heimsieg aus. Seine Leistung war angesichts der schwierigen Bedingungen und des taktisch anspruchsvollen Rennverlaufs dennoch beachtlich.
 
Im anschließenden Zielinterview erklärte er, dass die Spitzengruppe aufgrund des Wetters früh von der Rekordjagd abgerückt sei. Danach habe sich der Schwerpunkt auf den Kampf um den Sieg verlagert.
 
Ein besonderer Tag für den deutschen Marathon
 
Der Frankfurt-Marathon 2026 hatte im Vorfeld mit einem außergewöhnlich starken Elitefeld und möglichen Rekorden für Aufmerksamkeit gesorgt. Sportlich verlief das Rennen anders als erhofft. Die schwierigen Witterungsbedingungen verhinderten bei den Männern die angestrebten Rekordzeiten. Dafür entwickelte sich ein spannender Kampf um den Sieg, bei dem Amanal Petros bis in die Schlussphase eine entscheidende Rolle spielte.
 
Mit Petros auf Rang zwei und Richard Ringer auf Platz fünf erreichten gleich zwei deutsche Männer eine Top-Fünf-Platzierung. Auch dahinter gab es aus deutscher Sicht beachtliche Leistungen. S. Sibathu belegte den siebten, A. Habtom den achten Platz.
 
Die größte sportliche Nachricht lieferte allerdings Blanka Dörfel.
 
Ihr Auftritt zeigt, welches Potenzial im deutschen Frauenmarathon steckt. Nachdem der nationale Rekord von Irina Mikitenko seit mittlerweile 18 Jahren Bestand hat, ist mit Dörfel eine Athletin aufgetaucht, die dieser Marke bereits bei ihrem ersten Versuch erstaunlich nahegekommen ist.
 
Gerade ihre Herangehensweise macht die Geschichte interessant. Dörfel verzichtete während des Rennens auf die Kontrolle durch eine Laufuhr und vertraute ihrem Gefühl für Tempo und Belastung. Das ist keine Absage an modernes Training oder sportwissenschaftliche Erkenntnisse. Es zeigt vielmehr, wie ausgeprägt das Belastungsgefühl einer hervorragend vorbereiteten Athletin sein kann.
 
Ob Dörfel bei ihrem nächsten Marathon tatsächlich noch deutlich schneller laufen wird, bleibt offen. Die Erfahrung aus Frankfurt dürfte ihr jedoch zusätzliche Sicherheit geben. Sie weiß jetzt, dass sie nicht nur über die Ausdauer für 42,195 Kilometer verfügt, sondern auch unter schwierigen Bedingungen mit der internationalen Spitze konkurrieren kann.
 
Und während Amanal Petros weiterhin auf seinen ersten Sieg in Frankfurt warten muss, hat Blanka Dörfel beim selben Rennen möglicherweise den Beginn einer großen Marathonkarriere erlebt.
 
Die Ergebnisse des Frankfurt-Marathons 2026
 
Männer
 
Platz Läufer Zeit
1 Jirata Lelisa Denki (ETH) 2:05:26
2 Amanal Petros (GER) 2:05:46
3 Benard Biwott (KEN) 2:06:23
4 Haimro Alame (ISR) 2:06:58
5 Richard Ringer (GER) 2:07:06
6 A. Tilahun (ETH) 2:07:19
7 S. Sibathu (GER) 2:08:56
8 A. Habtom (GER) 2:09:08
9 A. Wake (ETH) 2:10:33
10 M. Zajic (CZE) 2:13:17

 
Frauen
 
Platz Läuferin Zeit
1 Zeineba Yimer Worku (ETH) 2:19:45
2 Blanka Dörfel (GER) 2:20:45
3 B. Gebreslasie (ETH) 2:22:45
4 A. Kassie (ETH) 2:25:30
5 S. Dagne (ETH) 2:26:04
6 M. Robe (ETH) 2:26:48
7 M. Kibor (GER) 2:26:51
8 J. Gichumbi (GER) 2:27:35
9 B. Debele (GER) 2:30:59


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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln


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