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Blanka Dörfel: Die Marathonläuferin, die ihren Tempomachern das Tempo vorgab
 
 
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29.10.2026  

 
 

 
42,195 Kilometer ohne Laufuhr, ein sensationelles Marathondebüt und eine Zeit von 2:20:46 Stunden. Blanka Dörfel sorgte beim Frankfurt-Marathon für Aufsehen. Doch ihre ungewöhnliche Art zu laufen löste auch Diskussionen aus. Schließlich hatte die 24-Jährige professionelle Tempomacher an ihrer Seite. In einem neuen Interview erklärt sie nun, wie die Zusammenarbeit tatsächlich funktionierte. Und ihre Antwort verändert den Blick auf dieses außergewöhnliche Rennen.
 
Als Blanka Dörfel am 25. Oktober 2026 in die Frankfurter Festhalle einlief, wusste sie selbst noch nicht, was ihr gerade gelungen war. Auf dem roten Teppich, der die Marathonläufer traditionell bis zur Ziellinie führt, sah sie erstmals die Zeit, mit der sie Geschichte geschrieben hatte: 2:20:46 Stunden.
 
Es war ihr erster Marathon. Und auf Anhieb das schnellste Debüt, das jemals eine deutsche Läuferin über die 42,195 Kilometer absolviert hatte. Nur die deutsche Rekordhalterin Irina Mikitenko war mit ihren 2:19:19 Stunden aus dem Jahr 2008 jemals schneller gewesen. Hinter der äthiopischen Siegerin Zeineba Yimer, die nach 2:19:45 Stunden das Ziel erreichte, belegte Dörfel den zweiten Platz.
 
Doch neben ihrer außergewöhnlichen Leistung war es vor allem ein Detail, das für Gesprächsstoff sorgte: Blanka Dörfel war ohne Laufuhr unterwegs gewesen. Keine GPS-Anzeige, keine Kontrolle der Zwischenzeiten, kein ständiger Blick auf den aktuellen Kilometerschnitt. Sie lief, wie sie später erklärte, ausschließlich nach Gefühl.
 
Eine bemerkenswerte Vorstellung in einer Zeit, in der selbst viele Freizeitläufer kaum noch ohne technische Begleitung trainieren. Doch während die einen ihre Unbekümmertheit bewunderten, meldeten andere Zweifel an. Schließlich hatte Dörfel professionelle Tempomacher an ihrer Seite. War das Laufen nach Gefühl also tatsächlich ihre eigene Leistung oder musste sie lediglich den Männern folgen, die für sie das Tempo kontrollierten?
 
Eine berechtigte Frage. Allerdings eine, auf die Dörfel inzwischen eine überraschende Antwort gegeben hat.
 
Wer bestimmte in Frankfurt eigentlich das Tempo?
 
Normalerweise haben Tempomacher bei einem Marathon eine ziemlich klare Aufgabe. Sie sollen eine vorab vereinbarte Geschwindigkeit möglichst gleichmäßig laufen und ihre Athleten damit auf Kurs für eine bestimmte Zielzeit halten. Wer beispielsweise einen Marathon unter drei Stunden absolvieren möchte, kann sich an einem Tempomacher orientieren, der zuverlässig knapp unter 4:16 Minuten pro Kilometer läuft.
 
Dieses Prinzip wird auch im Spitzensport angewendet. Dort begleiten erfahrene Läufer die Favoriten häufig über weite Teile der Strecke und sorgen dafür, dass die vereinbarten Zwischenzeiten möglichst genau eingehalten werden.
 
Für den Athleten bedeutet das eine erhebliche Entlastung. Er muss sich nicht ständig mit der Geschwindigkeit beschäftigen und kann sich stärker auf seine körperliche Belastung konzentrieren.
 
Genau das war auch der Einwand gegenüber Blanka Dörfel. Wer hinter Tempomachern läuft, die das richtige Tempo vorgeben, braucht schließlich keine eigene Uhr.
 
Doch offenbar war die Rollenverteilung in Frankfurt zumindest teilweise anders.
 
In einem Interview mit rbb|24 vom 27. Oktober erklärte Dörfel, dass sie bereits seit ihrer Kindheit nach Gefühl läuft und auch vor ihrem Marathondebüt keine konkrete Zielzeit nennen konnte. Deshalb sei es schwierig gewesen, den Tempomachern eine bestimmte Vorgabe zu machen.
 
Die schließlich getroffene Vereinbarung beschrieb sie folgendermaßen:
 
„Also haben wir uns darauf geeinigt, dass wir einfach loslaufen, sie mit mir mitgehen und in dem Rhythmus bleiben, in dem ich mich wohlfühle.“
 
Dieser Satz ist bemerkenswert. Denn nach Dörfels Darstellung sollten die Tempomacher nicht einfach einen vorgegebenen Kilometerschnitt abspulen, dem sie sich anschließend unterzuordnen hatte. Vielmehr sollte ihre persönliche Belastungswahrnehmung den Rhythmus bestimmen.
 
Die Männer sollten sie begleiten, nicht über ihre Geschwindigkeit entscheiden.
 
Ganz ohne zeitliche Orientierung waren die Tempomacher allerdings offenbar nicht unterwegs. In einem anderen Interview, das der Deutsche Leichtathletik-Verband bereits am 26. Oktober veröffentlichte, erklärte Dörfel, ihr Trainer Dieter Hogen habe ihnen eine Zeit genannt. Auch der Veranstalter hatte vor dem Rennen berichtet, dass Trainer und Athletin die Geschwindigkeit mit den Tempomachern abstimmen wollten.
 
Das ist kein zwingender Widerspruch. Eine ungefähre zeitliche Orientierung kann durchaus bestehen, während die tatsächliche Geschwindigkeit im Rennen an das Belastungsgefühl der Athletin angepasst wird. Die Behauptung, die Tempomacher hätten überhaupt keine zeitliche Vorgabe gehabt, lässt sich aus den veröffentlichten Aussagen jedoch nicht eindeutig ableiten.
 
Entscheidend bleibt, dass Dörfel nach eigener Darstellung ihren persönlichen Rhythmus nicht einer starren Zielzeit unterordnen wollte.
 
Zwölf Sekunden Unterschied nach mehr als 42 Kilometern
 
Wie außergewöhnlich gut diese Form der Renngestaltung funktionierte, zeigt ein Blick auf die Zwischenzeiten.
 
Nach 21,0975 Kilometern passierte Dörfel die Halbmarathonmarke in 1:10:29 Stunden. Für die zweite Hälfte benötigte sie 1:10:17 Stunden. Sie war also auf der zweiten Streckenhälfte sogar zwölf Sekunden schneller als auf der ersten.
 
Ein sogenannter negativer Split, wie ihn Marathontrainer häufig empfehlen, weil eine kontrollierte erste Hälfte die Voraussetzungen dafür schafft, das Tempo bis zum Ziel durchzuhalten.
 
Was auf dem Papier nach einer unscheinbaren Differenz aussieht, ist angesichts der Geschwindigkeit bemerkenswert. Dörfel absolvierte den Marathon mit einem durchschnittlichen Kilometerschnitt von rund 3:20 Minuten. Und sie hielt dieses Tempo über mehr als zwei Stunden mit einer erstaunlichen Konstanz.
 
Allerdings wäre es zu einfach, diese Gleichmäßigkeit ausschließlich ihrem Körpergefühl zuzuschreiben. Dörfel lief über weite Strecken in einer Gruppe, wurde von Tempomachern begleitet und profitierte damit auch von einem stabilen Rennrhythmus.
 
Dennoch musste sie selbst entscheiden, ob sie die Belastung verkraften konnte. Denn kein Tempomacher kann einem Läufer die eigentliche körperliche Arbeit abnehmen.
 
Hinzu kamen äußerst unangenehme Bedingungen. Kühle Temperaturen, Regen und nasse Straßen machten das Rennen schwierig. Dörfel, die sich unter anderem im amerikanischen Boulder auf ihren ersten Marathon vorbereitet hatte und warme Temperaturen bevorzugt, kam mit diesen Verhältnissen nur bedingt zurecht.
 
Bis zur Halbmarathonmarke fühlte sie sich nach eigenen Angaben ausgezeichnet. Auch danach konnte sie ihre Geschwindigkeit weitgehend halten. Erst ab Kilometer 33 oder 34 wurde es zunehmend unangenehm.
 
Besonders die Kälte bereitete ihr Probleme. Ihre Hände waren so kalt, dass sie ihre Energiegele kaum noch aus den Verpackungen drücken konnte. Auf den letzten fünf Kilometern glaubte sie schließlich, nur noch ungefähr fünf Minuten pro Kilometer zu laufen.
 
Tatsächlich war sie weiterhin erheblich schneller unterwegs.
 
Auch das gehört zur Geschichte ihres außergewöhnlichen Körpergefühls: Es funktionierte über weite Strecken beeindruckend präzise, war aber keineswegs unfehlbar.
 
Wer nach Gefühl läuft, muss seinen Körper kennen
 
Was Blanka Dörfel praktiziert, ist in der Trainingswissenschaft kein unbekanntes Konzept. Die subjektive Belastungswahrnehmung gehört seit Jahrzehnten zu den etablierten Möglichkeiten, körperliche Anstrengung einzuschätzen.
 
International wird dafür häufig der Begriff Rating of Perceived Exertion, kurz RPE, verwendet. Bekannt ist insbesondere die Borg-Skala, mit der Sportler die empfundene Anstrengung einer Belastung bewerten können.
 
Dabei berücksichtigt der Körper zahlreiche Signale, ohne dass diese einzeln bewusst wahrgenommen werden müssen. Die Atmung verändert sich, die Muskulatur ermüdet, die Bewegung fühlt sich zunehmend anstrengend an. Aus diesen Empfindungen entsteht eine Einschätzung darüber, wie intensiv eine Belastung gerade ist.
 
Erfahrene Läufer können solche Signale häufig besser einordnen als Anfänger. Wer über viele Jahre trainiert, lernt, wie sich unterschiedliche Geschwindigkeiten anfühlen und welche Anstrengung er über eine bestimmte Zeit aufrechterhalten kann.
 
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein guter Läufer grundsätzlich auf technische Hilfsmittel verzichten sollte. Gerade beim Marathon kann die subjektive Wahrnehmung täuschen.
 
Die ersten Kilometer fühlen sich durch die frische Muskulatur, die Wettkampfatmosphäre und die hohe Motivation häufig leichter an, als sie tatsächlich sind. Wer in dieser Phase ausschließlich auf sein Gefühl vertraut, läuft möglicherweise deutlich zu schnell und bezahlt dafür auf den letzten zehn Kilometern.
 
Auch äußere Einflüsse wie Wärme, Kälte, Wind, Höhenlage oder eine unzureichende Energieversorgung können das Belastungsempfinden verändern.
 
Dörfel verfügt allerdings über eine ungewöhnlich lange Erfahrung im intuitiven Laufen. Nach eigener Aussage orientiert sie sich bereits seit ihrer Kindheit an ihrem Gefühl. Sie hat ihren Körper damit über viele Jahre unter unterschiedlichsten Bedingungen kennengelernt.
 
Hinzu kommt eine enorme Trainingsgrundlage. In der Vorbereitung auf Frankfurt absolvierte sie nach Angaben des Veranstalters Wochenumfänge von mehr als 200 Kilometern. Bei ihrem Trainingsaufenthalt in Boulder lief sie sogar bereits eine Strecke von 42,3 Kilometern am Stück.
 
Ihr außergewöhnliches Körpergefühl ist deshalb kein geheimnisvolles Talent, das sich durch das Ablegen einer Sportuhr plötzlich entfaltet. Es ist auch das Ergebnis jahrelanger Erfahrung und einer umfangreichen sportlichen Vorbereitung.
 
Was die Tempomacher tatsächlich leisten konnten
 
Die Diskussion um Dörfels Begleiter berührt eine grundsätzliche Frage des Marathonlaufs: Wie viel Unterstützung bietet ein Tempomacher, und welchen Anteil an der Renngestaltung übernimmt der Athlet selbst?
 
Selbst wenn ein Tempomacher keine starre Zielzeit verfolgt, kann er eine wichtige Hilfe sein. Er kann den Rhythmus stabilisieren, Orientierung geben, auf Tempowechsel reagieren und durch seine Anwesenheit für mentale Entlastung sorgen.
 
Auch aerodynamische Vorteile sind je nach Windrichtung und Position innerhalb einer Gruppe möglich.
 
Diese Unterstützung sollte man nicht unterschätzen. Aber man sollte sie ebenso wenig mit der Vorstellung verwechseln, der begleitete Läufer müsse nur noch hinterherlaufen.
 
Denn die entscheidende Herausforderung eines Marathons bleibt bestehen: Die gewählte Geschwindigkeit muss zur individuellen Leistungsfähigkeit passen. Wer zu schnell beginnt, kann sich auch hinter einem erfahrenen Tempomacher vollständig übernehmen.
 
Und wer sich auf den letzten Kilometern erschöpft fühlt, muss die Geschwindigkeit trotzdem selbst aufrechterhalten.
 
Dörfel hatte in Frankfurt eine hervorragende Begleitung. Einer ihrer Tempomacher war Hideyuki Ikegami, ein früherer Athlet ihres Trainers Dieter Hogen. Die Zusammenarbeit funktionierte nach ihrer eigenen Einschätzung ausgezeichnet.
 
Dass sie dadurch Unterstützung erhielt, steht außer Frage. Daraus folgt jedoch nicht, dass ihre Leistung beim Laufen nach Gefühl bedeutungslos gewesen wäre.
 
Interessanter ist vielmehr die Frage, wie gut es ihr gelang, ihre eigene Belastungswahrnehmung mit der Unterstützung erfahrener Begleiter zu verbinden.
 
Brauchen wir unsere Laufuhren überhaupt noch?
 
Die Geschichte von Blanka Dörfel führt zwangsläufig zu einer Frage, die sich auch viele Freizeitläufer stellen können.
 
Wie viel Aufmerksamkeit schenken wir eigentlich noch unserem Körper, wenn wir ständig auf unsere Laufuhr schauen?
 
Moderne Sportuhren liefern Informationen, die vor wenigen Jahrzehnten selbst im Spitzensport kaum verfügbar waren. Geschwindigkeit, Herzfrequenz, Schrittfrequenz, Bodenkontaktzeit und zahlreiche weitere Messwerte lassen sich während eines Trainings aufzeichnen und anschließend auswerten.
 
Für die Trainingssteuerung ist das zweifellos hilfreich. Besonders bei intensiven Einheiten oder der Vorbereitung auf eine konkrete Wettkampfzeit können objektive Daten helfen, Belastungen zu kontrollieren und Fortschritte zu erkennen.
 
Doch aus der Unterstützung kann auch eine Abhängigkeit entstehen.
 
Manche Läufer orientieren sich derart stark an ihrer aktuellen Pace, dass sie kaum noch einschätzen können, wie schnell sie ohne Anzeige unterwegs sind. Andere werden nervös, sobald die GPS-Uhr auf einer waldreichen Strecke eine unrealistische Geschwindigkeit anzeigt.
 
Dabei besitzt der Körper ein eigenes Rückmeldesystem, das bei der Trainingssteuerung eine wichtige Rolle spielen kann.
 
Eine gelegentliche Trainingseinheit ohne Tempoanzeige bietet deshalb eine interessante Möglichkeit, dieses Gefühl bewusster wahrzunehmen.
 
Man kann beispielsweise einen lockeren Dauerlauf ausschließlich nach Atmung und Anstrengung gestalten. Oder bei einem Tempolauf zunächst selbst einschätzen, welche Geschwindigkeit sich gerade richtig anfühlt, und die tatsächlichen Zwischenzeiten erst anschließend kontrollieren.
 
So lässt sich die eigene Wahrnehmung mit objektiven Daten vergleichen und im Laufe der Zeit besser einordnen.
 
Das Ziel muss keineswegs sein, vollständig auf eine Laufuhr zu verzichten. Sinnvoller erscheint es, technische Informationen und körperliche Wahrnehmung miteinander zu verbinden.
 
Denn die Uhr weiß zwar, wie schnell wir laufen. Ob wir dieses Tempo heute auch über die geplante Distanz durchhalten können, lässt sich daraus allein nicht zuverlässig ablesen.
 
Blanka Dörfel denkt noch lange nicht an den deutschen Rekord
 
Bemerkenswert ist neben Dörfels Leistung auch ihre Einstellung zum Spitzensport.
 
Während sich nach ihrem Frankfurter Debüt bereits die Frage stellte, wann sie den deutschen Marathonrekord von Irina Mikitenko angreifen könnte, zeigte sich die 24-Jährige davon wenig beeindruckt.
 
In ihrem Interview mit rbb|24 erklärte sie, dass sie langfristig in die Weltspitze vorstoßen wolle. Der deutsche Rekord stehe für sie aber nicht im Mittelpunkt. Viel wichtiger sei es ihr, sich weiterzuentwickeln und dabei die Freude am Training zu behalten.
 
Diese Einstellung wirkt zunächst ungewöhnlich für eine Athletin, die gerade eine der schnellsten deutschen Marathonzeiten überhaupt erzielt hat. Doch sie passt zu ihrem bisherigen sportlichen Weg.
 
Dörfel ist keine Läuferin, die erst durch ihren Auftritt in Frankfurt auf sich aufmerksam gemacht hätte. Im Mai wurde sie Deutsche Meisterin über 10.000 Meter. Beim Gutenberg Halbmarathon in Mainz erreichte sie eine Zeit von 1:08:06 Stunden. Unter der Anleitung von Dieter Hogen, der einst bereits Uta Pippig zu internationalen Marathonsiegen führte, entwickelte sie sich über mehrere Jahre kontinuierlich weiter.
 
Der Frankfurt-Marathon war damit zwar ihr erster Wettkampf über 42,195 Kilometer, aber keineswegs ein Sprung ins Unbekannte.
 
Sie war hervorragend vorbereitet, kannte ihre Leistungsfähigkeit und hatte über Jahre gelernt, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen.
 
Das erklärt ihren Erfolg wesentlich besser als die Vorstellung, sie sei einfach ohne Uhr losgelaufen und habe zufällig das richtige Tempo gefunden.
 
Vielleicht ist die eigentliche Überraschung eine ganz andere
 
Blanka Dörfel hat mit ihrem Frankfurter Debüt gezeigt, dass selbst im hochprofessionellen Marathonlauf nicht jede Entscheidung von einer Stoppuhr abhängen muss.
 
Ihre Tempomacher waren dabei ein wichtiger Teil des Erfolgs. Doch ihre Schilderungen machen deutlich, dass die Zusammenarbeit differenzierter betrachtet werden muss, als es die anfängliche Kritik vermuten ließ.
 
Vor allem aber zeigt ihr Rennen, welche Bedeutung die Erfahrung mit dem eigenen Körper haben kann.
 
Eine Läuferin, die über 42,195 Kilometer nahezu gleichmäßig 3:20 Minuten pro Kilometer läuft, verfügt über eine außergewöhnliche sportliche Leistungsfähigkeit. Wenn sie diese Belastung weitgehend ohne Blick auf Zwischenzeiten steuert, kommt eine bemerkenswert entwickelte Körperwahrnehmung hinzu.
 
Daraus entsteht keine neue Trainingslehre, nach der Sportuhren grundsätzlich überflüssig wären. Und es wäre ebenso falsch, Dörfels Methode ohne Weiteres auf jeden Marathonanfänger zu übertragen.
 
Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis viel einfacher.
 
Während sich viele Läufer heute fragen, welche Daten ihnen ihre Uhr noch liefern könnte, stellt Blanka Dörfel eine andere Frage in den Mittelpunkt: Wie fühlt sich das Laufen eigentlich an?
 
In Frankfurt führte sie dieses Gefühl bis auf 87 Sekunden an den deutschen Marathonrekord heran.
 
Und die Männer an ihrer Seite? Die mussten sich nach ihrer Schilderung zumindest auch auf etwas verlassen, das in keinem Tempochart steht: den Rhythmus einer Läuferin, die ihren eigenen Körper offenbar außergewöhnlich gut kennt.

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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
Foto: Copyright „Mainova Frankfurt Marathon“

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