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Marathon-Debüt mit Sensation: Andreas Almgren gewinnt in New York |
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Der Schwede Andreas Almgren gewinnt bei seinem ersten Marathon ausgerechnet eines der prestigeträchtigsten Rennen der Welt. In 2:06:01 Stunden setzt sich der 31-Jährige gegen die internationale Marathon-Elite durch und beendet eine 30-jährige europäische Durststrecke. Sein Erfolg zeigt, dass außergewöhnliche Schnelligkeit allein noch keinen guten Marathonläufer ausmacht. Entscheidend ist, was davon nach 40 Kilometern übrig bleibt.
Noch gut zwei Kilometer bis zum Ziel. Im Central Park von New York kämpfen die besten Marathonläufer der Welt um den Sieg. Nach mehr als 40 Kilometern haben sich zwei Europäer an die Spitze gesetzt. Der Italiener Yemaneberhan Crippa versucht, den Anschluss zu halten. Doch sein schwedischer Konkurrent Andreas Almgren erhöht erneut das Tempo. Crippa muss abreißen. Wenig später läuft Almgren allein dem Ziel entgegen.
Für den 31-Jährigen ist es der größte Erfolg seiner bisherigen Laufbahn. Und das ausgerechnet bei seinem ersten Marathon.
Am Sonntag, dem 1. November 2026, gewinnt Almgren den New-York-Marathon in 2:06:01 Stunden. Crippa erreicht das Ziel 13 Sekunden später. Den dritten Platz sichert sich Kamohelo Mofolo aus Lesotho in 2:06:26 Stunden, der den kenianischen Titelverteidiger Benson Kipruto auf den letzten Metern noch überholt.
Damit gelingt Almgren gleich mehrfach Historisches. Er ist der erste schwedische Sieger des New-York-Marathons und der erste Europäer seit dem Italiener Giacomo Leone im Jahr 1996, der das Männerrennen gewinnt. Zugleich ist er der erste männliche Läufer seit dem Äthiopier Gebre Gebremariam 2010, dem in New York gleich beim Marathon-Debüt der Sieg gelingt.
Dass ein Neuling ein derart hochkarätiges Rennen gewinnen könnte, hatten viele für unwahrscheinlich gehalten. Allerdings war Almgren vor seinem Start alles andere als ein unbeschriebenes Blatt.
Vom 800-Meter-Läufer zum Marathon-Sieger
Wer sich mit Andreas Almgrens sportlicher Entwicklung beschäftigt, erkennt eine bemerkenswerte Karriere. Der Schwede begann als Mittelstreckenläufer und war ursprünglich über 800 Meter zu Hause. Seine persönliche Bestzeit von 1:45,59 Minuten stammt aus dem Jahr 2014.
Später verlagerte er seinen Schwerpunkt zunehmend auf längere Distanzen. Aus dem schnellen Mittelstreckenläufer wurde ein international erfolgreicher Langstreckenläufer.
Im Juni 2025 lief Almgren in Stockholm über 5.000 Meter 12:44,27 Minuten und stellte damit einen Europarekord auf. Wenige Monate später gewann er bei den Weltmeisterschaften in Tokio Bronze über 10.000 Meter. Im August 2026 wurde er in Birmingham Europameister über diese Distanz.
Den nächsten Höhepunkt erlebte er am 20. September 2026 bei den Straßenlauf-Weltmeisterschaften in Kopenhagen. Dort gewann Almgren den Halbmarathon in 58:06 Minuten. Wieder ein Europarekord. Mit dieser Leistung rückte er auf den neunten Platz der damaligen ewigen Weltbestenliste vor.
Sechs Wochen später stand er in New York an der Startlinie seines ersten Marathons.
Sein Leistungsvermögen über kürzere Strecken war beeindruckend. Dennoch blieb die entscheidende Frage offen: Würde der Schwede seine außergewöhnliche Schnelligkeit auch über 42,195 Kilometer aufrechterhalten können?
Schließlich ist der Marathon mehr als ein doppelt so langer Halbmarathon.
Ein Rennen, das Geduld verlangt
New York gilt nicht gerade als ideale Strecke für schnelle Marathonzeiten. Während beispielsweise in Berlin ein vergleichsweise flacher Kurs gleichmäßige Geschwindigkeiten begünstigt, müssen die Läufer in New York mehrere Brücken, Anstiege und zahlreiche Rhythmuswechsel bewältigen.
Hinzu kommt die besondere Renncharakteristik. Im Gegensatz zu vielen anderen internationalen Stadtmarathons wird die Elite in New York nicht durch Tempomacher auf eine bestimmte Zielzeit geführt. Entscheidend ist die Platzierung. Häufig entwickelt sich deshalb ein taktisches Rennen, bei dem die Favoriten zunächst abwarten und ihre Kräfte für die zweite Hälfte aufsparen.
Auch diesmal begann das Rennen kontrolliert. Nach zehn Kilometern lag die Spitze bei 30:52 Minuten. Die Halbmarathonmarke wurde nach 1:04:01 Stunden erreicht, was rechnerisch auf eine Endzeit von etwas mehr als 2:08 Stunden hinausgelaufen wäre.
Für die internationale Marathon-Elite war das kein außergewöhnlich hohes Anfangstempo.
Der US-Amerikaner Zouhair Talbi versuchte mehrfach, die Konkurrenz durch Tempoverschärfungen unter Druck zu setzen. Doch seine Vorstöße brachten zunächst keine entscheidende Veränderung.
Auch Almgren hielt sich in der Spitzengruppe auf, ohne selbst frühzeitig das Rennen bestimmen zu müssen.
Bei Kilometer 30 liefen noch 17 Athleten gemeinsam an der Spitze. Selbst fünf Kilometer später waren es noch 15. Darunter befanden sich mit Benson Kipruto, Geoffrey Kamworor und Abdi Nageeye mehrere erfahrene Marathonläufer, die bereits große internationale Rennen gewonnen hatten.
Für Almgren war das eine ausgesprochen günstige Ausgangslage. Er musste seine Kräfte nicht für eine frühe Alleinaktion einsetzen und konnte sich bis weit in die zweite Rennhälfte hinein an der Konkurrenz orientieren.
Die eigentliche Entscheidung stand noch bevor.
Als die Marathon-Spezialisten zurückfallen
Erst nach Kilometer 35 wurde das Tempo deutlich erhöht. Der Kenianer Benson Kipruto, der 2025 in New York gewonnen hatte, absolvierte die 23. Meile in 4:38 Minuten. Das entspricht einem Kilometerschnitt von ungefähr 2:53 Minuten.
Die Tempoverschärfung zeigte Wirkung. Die große Spitzengruppe zerfiel, mehrere Favoriten verloren den Anschluss.
Doch Almgren blieb dabei.
Bei Kilometer 40 gehörten nur noch vier Läufer zur unmittelbaren Spitzengruppe: Almgren, Crippa, Kipruto und Talbi. Zunächst musste Talbi abreißen, anschließend konnte auch Kipruto nicht mehr folgen.
Damit entwickelte sich das Rennen überraschend zu einem europäischen Zweikampf. Auf der einen Seite der erfahrene Italiener Crippa, der bereits 2024 Europameister im Halbmarathon geworden war und 2026 seinen ersten Marathonsieg in Paris gefeiert hatte. Auf der anderen Seite Almgren, der bis zu diesem Sonntag noch keinen einzigen Marathon bestritten hatte.
Etwa eine Meile vor dem Ziel, also rund 1,6 Kilometer, setzte der Schwede zum entscheidenden Angriff an. Crippa versuchte zunächst zu folgen, musste seinen Konkurrenten jedoch ziehen lassen.
Almgren erreichte das Ziel nach 2:06:01 Stunden. Es war zu diesem Zeitpunkt die drittschnellste Siegerzeit in der Geschichte des New-York-Marathons.
Besonders bemerkenswert: Noch bei Kilometer 32 war sich der Schwede keineswegs sicher gewesen, ob er den Belastungen des Marathons gewachsen sein würde. Nach dem Rennen berichtete er, dass er sich zu diesem Zeitpunkt bereits müde gefühlt und eigentlich einen besseren körperlichen Zustand erwartet habe. Erst auf den letzten fünf Kilometern habe er bemerkt, wie gut er auf die Tempowechsel seiner Konkurrenten reagieren konnte. Da sei ihm bewusst geworden, dass es sein Tag werden könnte.
Warum ein schneller Halbmarathon keinen schnellen Marathon garantiert
Almgrens Sieg wirft eine interessante sportliche Frage auf. Was unterscheidet einen hervorragenden Halbmarathonläufer von einem erfolgreichen Marathonläufer?
Seine 58:06 Minuten über die halbe Distanz entsprechen einem durchschnittlichen Kilometerschnitt von rund 2:45 Minuten. Damit verfügt Almgren über eine Geschwindigkeit, die selbst für internationale Spitzenläufer außergewöhnlich ist.
Doch die Fähigkeit, dieses Tempo über 21,0975 Kilometer aufrechtzuerhalten, bedeutet nicht automatisch, dass sich daraus eine entsprechende Marathonleistung ergibt.
Über 42,195 Kilometer werden zusätzliche Fähigkeiten entscheidend. Die Muskulatur muss über einen deutlich längeren Zeitraum hohen mechanischen Belastungen standhalten. Gleichzeitig müssen die Energieversorgung, die Kohlenhydrataufnahme während des Rennens und die Ermüdungsresistenz auf die längere Wettkampfdauer abgestimmt sein.
Gerade auf den letzten zehn Kilometern zeigt sich, ob die marathonspezifische Vorbereitung ausreichend war.
Almgren brachte dafür eine außergewöhnliche Grundlage mit. Über Jahre hatte er seine Ausdauer entwickelt, ohne seine ursprüngliche Schnelligkeit zu verlieren. Das Ergebnis war bereits über 5.000 und 10.000 Meter sowie im Halbmarathon sichtbar geworden.
In New York profitierte er zusätzlich vom Rennverlauf. Die vergleichsweise kontrollierte erste Hälfte ermöglichte es ihm, seine Kräfte einzuteilen. Als das Tempo auf den letzten Kilometern anzog, konnte er seine Schnelligkeitsreserven ausspielen.
Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass er auf einem flachen Marathonkurs automatisch eine bestimmte Zeit erreichen könnte. Wie schnell Almgren unter Bedingungen laufen kann, bei denen von Beginn an ein hohes, gleichmäßiges Tempo gefordert ist, bleibt offen.
Sein Sieg beweist jedoch, dass er die besonderen Anforderungen eines internationalen Spitzenmarathons bereits beim ersten Versuch bewältigen konnte.
Auch die Frauen liefern ein spannendes Finale
Während Almgren bei den Männern für die große Überraschung sorgte, entwickelte sich bei den Frauen ebenfalls ein spannender Kampf um den Sieg.
Die Kenianerin Sheila Chepkirui gewann in 2:24:36 Stunden und wiederholte damit ihren Erfolg von 2024. Die US-Amerikanerin Jessica McClain sicherte sich mit einem starken Schlussspurt in 2:24:42 Stunden den zweiten Platz. Sie überholte auf den letzten Metern die kenianische Titelverteidigerin Hellen Obiri, die nur eine Sekunde später Dritte wurde.
Aus deutscher Sicht überzeugte Fabienne Königstein, die mit 2:28:49 Stunden den zehnten Platz belegte.
Insgesamt erreichten nach Angaben des Veranstalters 61.146 Läufer das Ziel. Damit überschritt erstmals ein Marathon die Marke von 60.000 Finishern.
Wie schnell kann Almgren wirklich laufen?
Mit seinem Sieg in New York hat Andreas Almgren eine Frage beantwortet, die ihn seit seiner Ankündigung des Marathon-Debüts begleitet hatte. Er kann nicht nur schnell über 42,195 Kilometer laufen, sondern auch einen Marathon auf höchstem internationalen Niveau gewinnen.
Seine Geschichte zeigt zugleich, dass sich die Entwicklung eines Langstreckenläufers nicht auf eine einzelne Distanz beschränken muss. Almgren hat seine Karriere von den 800 Metern bis zum Marathon kontinuierlich weiterentwickelt. Dabei ist ihm gelungen, seine hohe Grundschnelligkeit mit einer außergewöhnlichen Ausdauer zu verbinden.
Für den internationalen Marathon könnte sein Auftritt eine interessante Entwicklung einleiten. Immerhin hat er gezeigt, dass ein Athlet mit entsprechender Vorbereitung nicht zwingend mehrere Marathons benötigt, um sich gegen erfahrene Spezialisten durchzusetzen.
Dennoch bleibt eine Frage unbeantwortet: Wie schnell wäre Almgren auf einem flachen, auf Bestzeiten ausgelegten Kurs tatsächlich?
Sein Halbmarathon-Europarekord lässt vermuten, dass sein Potenzial über die volle Distanz noch längst nicht ausgeschöpft sein könnte. Allerdings müsste er dafür unter völlig anderen Rennbedingungen beweisen, dass er auch ein von Beginn an hohes Tempo über die gesamte Strecke aufrechterhalten kann.
In New York musste er das nicht. Dort war es wichtiger, im entscheidenden Moment der Schnellste zu sein.
Und genau das gelang ihm.
Bei seinem nächsten Marathon wird Almgren allerdings mit einer veränderten Ausgangslage rechnen müssen. Aus dem vielversprechenden Debütanten ist über Nacht ein Mann geworden, den die Konkurrenz auf der Rechnung haben wird.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Foto: Foto: Ssu / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0“
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